Erdgas-Streit Zwischenfall im Mittelmeer - Erdogan warnt Zypern

Die türkische Marine hat ein Bohrschiff vor Zypern ausgebremst, seit einer Woche führt sie in der Region Manöver durch. Jetzt wendet sich Staatspräsident Erdogan mit einer Warnung an das EU-Land.
Türkische Marine (Archivbild)

Türkische Marine (Archivbild)

Foto: SELCAN HACAOGLU/ AP

Nächste Runde im Streit um Erdgasförderung im östlichen Mittelmeer: Den vierten Tag in Folge haben türkische Kriegsschiffe ein vom italienischen Energieunternehmen ENI gemietetes Bohrschiff daran gehindert, ein Erkundungsgebiet südöstlich der zyprischen Hafenstadt Larnaka zu erreichen.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan sprach am Dienstag eine deutliche Warnung an die Republik Zypern und Griechenland aus. Die Regierung in Nikosia forderte er auf, "nicht die Grenze zu überschreiten". Zypern hatte sich über die Blockade des Bohrschiffs beschwert.

"Im Moment beobachten unsere Kriegsschiffe, Luftstreitkräfte und andere Sicherheitseinheiten die Entwicklungen in der Region sehr genau, mit der Befugnis, wenn nötig, jede Art von Eingriff vorzunehmen", sagte Erdogan. Er warnte, "keine falschen Berechnungen zu machen".

Die türkische Kriegsmarine führt seit einer Woche umfangreiche Manöver südlich von Zypern durch, die bis zum 22. Februar andauern sollen. Ankara argumentiert, Bohrungen nach Erdgas ohne Zustimmung der türkischen Zyprer missachteten deren Rechte.

Erdogan sagte weiter, "opportunistische Versuche" entgingen der Türkei nicht. Ausländische Firmen sollten sich nicht für Aktionen einspannen lassen, "die ihre Befugnisse und ihre Macht überschreiten". Erdogan warnte zudem davor, sich auf Abkommen zu berufen, "die keinerlei Gültigkeit haben", um "Bohrungsschiffe in die Region" zu schicken.

Der EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte die Türkei am Montag aufgefordert, die Blockade aufzugeben und die territoriale Souveränität Zyperns zu achten. Es gelte, von Bedrohungen und jeglichen anderen Handlungen Abstand zu nehmen, die eine gute Nachbarschaft schädigten, hieß es.

Nach einem griechischen Putsch und dem Einmarsch des türkischen Militärs ist Zypern seit 1974 geteilt. Im Norden gibt es die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Die gesamte Inselrepublik ist seit 2004 EU-Mitglied. Die Regierung in Nikosia kontrolliert aber nur den Südteil der Insel. Ankara erkennt das EU-Land Zypern nicht an.

Das EU-Regelwerk gilt demnach nur im überwiegend griechisch-zyprischen Südteil der Insel. Gespräche zur Überwindung der Teilung Zyperns waren im Juli 2017 an einem Streit um die Zukunft der 35.000 türkischen Soldaten im Norden der Insel gescheitert.

Türkische Küstenwache rammt griechisches Patrouillenboot

Ein Boot der türkischen Küstenwache hatte zuvor ein Patrouillenboot der griechischen Küstenwache im Südosten der Ägäis gerammt. Bei dem Zwischenfall in der Nähe der umstrittenen Felseninseln Imia (türkisch: Kardak) seien Schäden am Heck des griechischen Bootes entstanden; es sei aber niemand der 27 Besatzungsmitglieder verletzt worden. Dies berichteten am Dienstag die halbamtliche griechische Nachrichtenagentur ANA MPA und der griechische Rundfunk (ERT).

Der griechische Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos bestätigte den Zwischenfall. In letzter Zeit gebe es rund um die Türkei eine allgemeine Destabilisierung. "Und das Nachbarland trägt mit seinem Verhalten nicht dazu bei, die Turbulenzen zu überwinden. Ganz im Gegenteil", sagte er einem griechischen Nachrichtensender. Der griechische Außenminister Nikos Kotzias charakterisiert die Türkei seit Monaten als eine "nervöse Macht".

als/Reuters/dpa
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