Syrienkonflikt Erdogan schickt "freundliche Warnung" an Russland

Ermutigt durch den Wahlsieg seiner AKP wagt sich der türkische Präsident Erdogan in der Syrienkrise vor: Ankara plant, mehr Verantwortung bei "regionalen Aufgaben" zu übernehmen. Er warnte Russland davor, den Konflikt weiter eskalieren zu lassen.
Türkischer Präsident Erdogan: "Freundliche Warnung" an Russland

Türkischer Präsident Erdogan: "Freundliche Warnung" an Russland

Foto: Burhan Ozbilici/ AP/dpa

Bei den Parlamentswahlen in der Türkei Anfang November hat sich die Regierungspartei AKP die absolute Mehrheit zurückgeholt. Präsident Recep Tayyip Erdogan sieht sich durch das Wahlergebnis bestätigt: Mit nur einer Partei an der Macht habe die Türkei die Gelegenheit, größere Schritte bei regionalen Aufgaben zu machen, sagte Erdogan bei einer Rede vor Geschäftsleuten in Ankara. Details nannte er nicht.

Die AKP holte bei der Wahl am 1. November fast 50 Prozent der Stimmen. Das beende die politische Unsicherheit in seinem Land, sagte Erdogan. Bereits kurz nach der Wahl hatte der Staatschef angekündigt, er wolle die Verfassung möglichst schnell reformieren und sein Amt mit mehr Macht ausstatten. Seine islamisch-konservative Partei will per Verfassungsreform ein Präsidialsystem mit Erdogan an der Spitze einführen.

Mit Blick auf Russlands Luftschläge in Syrien sprach er eine "freundliche Warnung" aus. Diejenigen, die in dem Konflikt Benzin ins Feuer gießen würden, fänden sich selbst bald in demselben Feuer, so Erdogan wörtlich.

"Die Frage ist, wann und wie Assad gehen wird"

Im Interview mit CNN sprach auch der türkische Premier Ahmet Davutoglu eine Warnung aus - diese richtete sich jedoch an die Europäer: Sollte der syrische Präsident Baschar al-Assad an der Macht bleiben, vermutet Davutoglu, "dann denke ich nicht, dass irgendein Flüchtling wieder zurückgehen wird". Während einige westliche Diplomaten in den vergangenen Tagen bereit waren, ihren Kurs Assad gegenüber abzumildern, mahnte Davutoglu: "Die Frage ist nicht, wie oder wie lang Assad bleibt. Die Frage ist, wann und wie Assad gehen wird."

Erst wenn sich Millionen von Syrern entschließen, in ihr Land zurückzugehen, weil dort Frieden herrsche, sei das eine wirkliche Lösung, so der türkische Premier im Interview . "Wir brauchen eine Schritt-für-Schritt-Strategie", sagte er. "Doch was ist das Licht am Ende des Tunnels?"

Die Türkei könnte Bodentruppen nach Syrien schicken, sagte Davutoglu. Das gehe jedoch nur in Kooperation mit anderen Staaten. Es brauche eine gemeinsame Strategie, die Luftschläge und Bodentruppen umfasse. "Aber die Türkei allein kann nicht alle Bürden tragen."

vek/Reuters