Grenzkonflikt in Nordsyrien Erdogan schiebt Offensive gegen Kurden auf

Der türkische Staatschef Erdogan hatte einen Angriff auf kurdische Milizen in Syrien angekündigt. Ein Telefonat mit US-Präsident Trump hat ihn offenbar umgestimmt - vorerst.

Türkische Panzer an der Grenze zu Syrien, einer der Soldaten zeigt den nationalistischen Wolfsgruß (Januar 2018)
DPA

Türkische Panzer an der Grenze zu Syrien, einer der Soldaten zeigt den nationalistischen Wolfsgruß (Januar 2018)


Die Türkei verschiebt die angekündigte Offensive auf die Kurdenmiliz YPG im Norden Syriens. Unter anderem habe ihn ein Telefonat mit US-Präsident Donald Trump dazu bewogen, mit dem Angriff "eine Weile zu warten", sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Istanbul. Allerdings werde die Türkei den geplanten Angriff nicht ewig verschieben.

Erdogan hatte vergangene Woche eine Militäroffensive gegen die YPG in Nordsyrien angekündigt. Trump wiederum ordnete in dieser Woche den Abzug der US-Soldaten aus Syrien an. Sollten diese das Bürgerkriegsland verlassen, würde der Weg frei werden für einen türkischen Angriff auf den Norden Syriens. Die Regierung in Ankara sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Erdogan begrüßte Trumps Ankündigung, US-Truppen aus Syrien abzuziehen. Er bleibe mit Blick darauf aber "vorsichtig", sagte der türkische Präsident. Die Türkei werde auch gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) kämpfen und das Land von der Terrormiliz "säubern" können.

Kurden sehen Kampf gegen IS in Gefahr

Im Fall eines türkischen Angriffs auf Nordsyrien sehen die dort lebenden Kurden den Kampf gegen den IS in Gefahr. Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) wären gezwungen, ihre Truppen von der Front mit dem IS zurückzuziehen und an die Grenze zur Türkei zu verlegen, sagte die führende Kurdenvertreterin Ilham Ahmed bei einem Besuch in Paris.

Ahmed ist Co-Vorsitzende des politischen Arms der von der YPG angeführten SDF. Deren Truppen sind in Syrien wichtigster Partner der USA im Kampf gegen den IS. Die YPG und lokale Verbündete gehen derzeit im Osten des Bürgerkriegslandes gegen eine der letzten IS-Bastionen um den Ort Hadschin vor.

Dort gingen die Kämpfer weiter. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, die SDF-Truppen seien weiter gegen den IS vorgerückt. Ein SDF-Sprecher sprach hingegen von einer Gegenoffensive der Dschihadisten.

asa/dpa



insgesamt 38 Beiträge
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ihawk 21.12.2018
1. Völkerrechtsbruch
Das Eindringen der Türkei in Syrien ist völkerrechtswidrig. Ich begreife nicht, warum westliche Regierungen nicht anprangern bzw es keine entsprechende UN Resolution gibt.
s.l.bln 21.12.2018
2. Herr Gülen...
...darf dann schonmal die Koffer packen. Damit Trump seine Entscheidung medial nicht komplett um die Ohren fliegt, ist wichtig, daß die Türken zumindest solange die Füße still halten, wie die Aufmerksamkeitsspanne der US Öffentlichkeit dauert, also wenige Tage.Danach kann Trump dann den nächsten Medienstunt zünden. Dafür wird er Erdogan wohl was anbieten müssen und vermutlich gibts dazu auch konkrete Vorstellungen...
KingTut 21.12.2018
3. Gesichtswahrung
Sollte die Türkei tatsächlich aufgrund des Telefonats Trump/Erdogan seine Offensive gegen die Kurden verschieben, dann geschieht ides aus Kalkül zur Gesichtswahrung für Trump, der massiv unter Druck geraten ist, weil er durch den Truppenabzug aus Syrien die Verbündeten der USA im Kampf gegen den Terror im Stich läst. Erdogan seinerseits wird ihm diesen Gefallen nicht umsonst tun. Außerdem ist aufgeschoben ja nicht aufgehoben. Mir wäre es viel lieber gewesen, wenn Erdogan unter Respektierung unserer europäischen Werte eine Offensive unterlassen würde. Derweil kann Trump von den eigentlichen Themen ablenken, nämlich die immer dünner werdende Luft für ihn und seinen Clan.
herjemine 21.12.2018
4. Wie üblich dürfen die Kurden bluten
...und werden nachdem sie auch für uns ihre Opfer gebracht haben blutrünstigen Potentaten geopfert. Mein Vorschlag zur Güte: die USA spenden ganz Pennsylvania oder Oregon an die Kurden. Und Deutschland und Österreich Vorarlberg und Badenwürtenberg an die Palästinenser. Ich kann es nicht mehr ab, dass andere für unsere Fehler bluten müssen.
graf koks 21.12.2018
5. Irgendwo muß die Kohle hin
Die Milliarden, die Erdogan immer noch von der EU hinterhergeworfen werden, müssen doch irgendwo hin, und irgendwann gibt es genug Paläste und genug Gefängnisse. Also ab mit den EU-Milliarden zu Trump und Waffen gekauft, und als Rabatt gibt es Nordsyrien.
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