Verfassungsreferendum Tag der Entscheidung für die Türkei

55 Millionen Türken dürfen abstimmen: In der Türkei läuft das Referendum über eine Verfassungsreform, die Präsident Erdogan mehr Einfluss geben würde. Umfragen sagen ein knappes Ergebnis voraus.

Ein Mann wirft in Diyarbakir seinen Stimmzettel in eine Wahlurne
DPA

Ein Mann wirft in Diyarbakir seinen Stimmzettel in eine Wahlurne


Die Wahllokale sind offen: In einem historischen Referendum entscheiden die Türken am Sonntag über die Einführung eines Präsidialsystems. Die Verfassungsreform wird von Präsident Recep Tayyip Erdogan angestrebt - und würde dessen Macht deutlich vergrößern.

Die geplante Verfassungsänderung würde die Türkei weg von einer parlamentarischen Demokratie hin zu einem Präsidialsystem führen. Der Posten des Ministerpräsidenten, der die Regierung führt, entfiele. Erdogan argumentiert, in unruhigen Zeiten nach dem Putschversuch im Juli vorigen Jahres sei eine starke Führung nötig. Kritiker sehen die Demokratie, Menschenrechte und Pressefreiheit in Gefahr.

Bevölkerung gespalten

Mehr als 55 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, über Erdogans Plan für mehr Macht für das Staatsoberhaupt abzustimmen. Die Wahllokale sind bis 17.00 Uhr geöffnet, das entspricht 16 Uhr deutscher Zeit. Im Ausland waren zusätzlich 2,9 Millionen Türken zur Wahl zugelassen, dort wurde bereits abgestimmt.

Unmittelbar nach Schließung der Wahllokale beginnt die Auszählung. Erste Ergebnisse werden am Sonntagabend oder frühen Montagmorgen erwartet. Wann feststeht, welches Lager sich durchgesetzt hat, hängt davon ab, wie knapp das Ergebnis ausfällt.

Die Bevölkerung ist in der Frage der Einführung eines Präsidialsystems gespalten. Letzten Umfragen zufolge lagen die Befürworter knapp vor den Gegnern.

Recep Tayyip Erdogan im Wahlkampf am Samstag
AP

Recep Tayyip Erdogan im Wahlkampf am Samstag

Wahlkampf bis zur letzten Minute

Erdogan hatte am letzten Wahlkampftag für den Fall seines Sieges beim Referendum die Wiedereinführung der Todesstrafe in Aussicht gestellt. "Die Entscheidung morgen wird den Weg dafür öffnen", sagte Erdogan am Samstag vor jubelnden Anhängern, die in Sprechchören die Todesstrafe forderten.

Oppositionsführer und CHP-Chef Kemal Kilicdaroglu warnte am letzten Wahlkampftag in Ankara: "Morgen werden wir unsere Entscheidung treffen: Wollen wir ein demokratisches parlamentarisches System, oder wollen wir ein Ein-Mann-Regime?" Er appellierte an die Wähler: "Würdet ihr eure Kinder in einen Bus ohne Bremsen setzen? Schützt die Demokratie, wie ihr eure Kinder schützen würdet."

sep/dpa/Reuters

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