Erdogan zu Angriff auf Radiohead-Fans "Beide Seiten sind im Unrecht"

Radiohead-Fans waren in Istanbul zusammengeschlagen worden, weil sie während des Fastenmonats Ramadan Alkohol getrunken haben sollen. Nun hat Präsident Erdogan sich zu dem Angriff geäußert.

Türkischer Präsident Erdogan
REUTERS/ Presidential Office

Türkischer Präsident Erdogan


Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat den Übergriff von Islamisten auf Radiohead-Fans in Istanbul verurteilt. Gleichzeitig wandte er sich aber auch gegen die Feiernden: Sich während des Fastenmonats Ramadan zu einer solchen Veranstaltung "zu erdreisten" sei genauso falsch, wie mit "grober Gewalt" dagegen vorzugehen.

Am Freitagabend waren Fans der britischen Rockgruppe in einem Plattenladen in der türkischen Großstadt angegriffen worden. Etwa 20 Angreifer hatten den jungen Leuten vorgeworfen, in dem für Muslime heiligen Monat Ramadan Alkohol getrunken zu haben. Der Angriff ereignete sich während eines weltweiten Streaming-Events des neuen Radiohead-Albums.

Erdogan sprach dem Besitzer des Ladens Velvet IndieGround Records, der bei den Übergriffen verletzt wurde, sein Mitgefühl aus.

"Beide Seiten sind im Unrecht", sagte Erdogan. Der Vorfall sei kein "Angriff auf nicht Fastende". Diejenigen, die das Geschehene so bezeichneten, handelten aus böser Absicht, so Erdogan. "Menschen, die keinen Respekt vor der Empfindsamkeit ihrer Nation und Stadt haben, und diejenigen, die darauf undemokratisch reagieren, werfen einen Schlagschatten auf die türkische Gastfreundschaft."

Von dem Vorfall hatten Medien weltweit berichtet. Auch ein YouTube-Video von den Geschehnissen wurde hochgeladen, das die Attacke dokumentieren sollte. Nach eigenen Angaben wurden der Besitzer des Plattenladens sowie andere Besucher verprügelt, der Laden verwüstet.

Radiohead reagierte bestürzt auf den Angriff. Dem Magazin "People" sagte die Band, sie sei in Gedanken bei den Opfern.

Nach dem Angriff kam es am Samstagabend erneut zu Ausschreitungen: Hunderte regierungskritische Demonstranten versammelten sich im Istanbuler Stadtteil Cihangir. Während der Proteste gegen die regierende AKP von Erdogan riefen sie "Faschisten" und "Mörder". Und: "Alle gemeinsam gegen den Faschismus." Die türkische Polizei ging massiv mit Tränengas und Wasserwerfern gegen sie vor. Mehrere Menschen wurden festgenommen.

Im Video: Brutaler Angriff wegen Alkohol im Ramadan

Periscope/Velvet IndieGround Records

vek/dpa/AP



insgesamt 102 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Moewi 20.06.2016
1.
Ist die Türkei denn schon eine islamische Republik oder eine kemalistische - was sagt die Verfassung? Dem Irren vom Bosporus sei gesagt: "Du magst die Verfassung demnächst ändern und verzerren, dass man sie nicht wieder erkennt - aber solange das nicht geschehen ist gilt die alte. Ob es dir passt oder nicht..."
danmage 20.06.2016
2.
Die Schritte von Erdogan in Richtung eines islamischen Staates werden immer größer. Ich hoffe es gibt genügend weltoffene und gebildete türkische Bürger, die Erdogan und die AKP durchschauen.
kaiserbubu1 20.06.2016
3. Faschisten
So war es im dritten Reich als die SA in Läden stürmte in denen Jazz gehört wurde. Unfassbar. Da darf es nie mehr geben. Intolerante Fanatiker aller Couleur brechen überall aus der Gesellschaft. egal ob Religion oder Fußball. Was ist blos los auf dieser Welt???
lady_amanda 20.06.2016
4. Öhm
Es soll Menschen geben, die nicht religiös sind. Man mag es nicht glauben. Ich trinke auch während des Ramadans Alkohol. Wens stört, der schaut weg. Achso, ich tue das in Istanbul. Cihangir um genau zu sein. Wir haben eh das Gefühl, demnächst ausgeräuchert zu werden.
competa1 20.06.2016
5. ..und warum..
Zitat von lady_amandaEs soll Menschen geben, die nicht religiös sind. Man mag es nicht glauben. Ich trinke auch während des Ramadans Alkohol. Wens stört, der schaut weg. Achso, ich tue das in Istanbul. Cihangir um genau zu sein. Wir haben eh das Gefühl, demnächst ausgeräuchert zu werden.
..wehrt ihr euch nicht?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.