Erdogans Referendum Wo stimmen Türken in Europa ab?

Präsident Erdogans Wahlkampfteam trommelt bei Türken in ganz Europa für ein Ja zu seinem Referendum. Wo leben die meisten? Und wie liefen vergangene Wahlen? Eine Übersicht.

Türkische Präsidentschaftswahl 2014 in Deutschland
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Türkische Präsidentschaftswahl 2014 in Deutschland

Von Silvana Degonda und


Beim Griff nach mehr Macht ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf seine Bürger angewiesen - auch diejenigen, die gar nicht im Land leben. Knapp drei Millionen Türken im Ausland sind aufgerufen, über die politische Zukunft ihres Heimatlandes abzustimmen. Die Auslandstürken machen rund fünf Prozent aller Stimmen aus. Weil ein knapper Ausgang bei dem Verfassungsreferendum erwartet wird, werben Erdogans Vertreter in vielen europäischen Ländern kräftig.

Einen Monat vor der Abstimmung am 16. April ist der Wahlkampf bereits in der heißen Phase. Die Bundesregierung hat nach SPIEGEL-Informationen insgesamt 13 Wahllokale in Deutschland genehmigt - hier können türkische Staatsbürger zwischen dem 27. März und 9. April abstimmen. Eine Briefwahl ist nicht möglich.

Nach Angaben der türkischen Botschaft leben in Deutschland rund 1,4 Millionen türkische Wahlberechtigte und stellen damit fast die Hälfte aller potenziellen Wähler im Ausland. Aber auch die kleineren türkischen Wählergruppen in Ländern wie Frankreich, den Niederlanden, Belgien oder Österreich können den Ausgang des Referendums beeinflussen.

In mehreren Ländern wurden Wahlkampfveranstaltungen abgesagt. Wie verschiedene europäische Länder mit türkischen Wahlkampfauftritten umgehen, lesen Sie hier.


Die Karte zeigt die Zahl der wahlberechtigten türkischen Staatsangehörigen in Europa und den Umgang mit Wahlauftritten türkischer Politiker:

Wahlberechtigte Türken in Europa


Repräsentative Umfragen zum Wahlverhalten der im Ausland lebenden Türken gibt es nicht. Rückschlüsse lassen sich aber aus den Ergebnissen der letzten Wahlen ziehen, die von der Obersten Wahlkommission der Türkei (YSK) veröffentlicht worden sind.

Erstmals außer Landes abstimmen durften die in Deutschland lebenden türkischen Staatsangehörigen bei der Präsidentschaftswahl 2014. Die Wahlbeteiligung war äußerst niedrig: 113.000 der 1,38 Millionen türkischen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab - rund acht Prozent.

Auch der Zulauf bei den türkischen Parlamentswahlen 2015 blieb in Deutschland weit unter dem Durchschnitt. 41 Prozent der hier lebenden türkischen Wahlberechtigten stimmten ab - gegenüber einer Gesamtwahlbeteiligung von 85 Prozent.

Setzt sich Erdogan in dem Referendum durch, wird die Verfassung der Türkei reformiert. Das neue Präsidialsystem würde deutlich mehr Macht beim Staatspräsidenten bündeln, Erdogan wäre auch Regierungschef. Zudem würden die Justiz und das Parlament an Einfluss verlieren.

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