Krisendiplomatie Türkische Offensive in Syrien - Erdogan empfängt Pence

Die USA fordern eine Waffenruhe im Norden Syriens - die Türkei lehnt das ab. Nun hat der türkische Präsident Erdogan US-Vizepräsident Mike Pence zum Gespräch getroffen.
Mike Pence und Recep Tayyip Erdogan: Zunächst war unklar, ob das Gespräch überhaupt stattfindet

Mike Pence und Recep Tayyip Erdogan: Zunächst war unklar, ob das Gespräch überhaupt stattfindet

Foto: Pool Presidential Press Service/ AP/ DPA

Wegen der Syrien-Offensive der Türkei ist die Beziehung des Landes zu den USA angespannt. Die Amerikaner haben den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mehrfach zu einer Waffenruhe aufgefordert. Er lehnte ab. Nun hat US-Vizepräsident Mike Pence Erdogan zum Gespräch in Ankara getroffen.

Türkische Medien meldeten am Donnerstagnachmittag den Beginn des Treffens und zeigten Fotos der beiden im Präsidentenpalast in der türkischen Hauptstadt. Pence und Erdogan sprachen etwa 90 Minuten miteinander - ursprünglich waren nur zehn Minuten angesetzt gewesen. Im Raum waren demnach zunächst auch der türkische Vizepräsident Fuat Oktay und der US-Sonderbeauftragte für die Anti-IS-Koalition, James Jeffrey. Später war ein Treffen in größerer Runde geplant. In der US-Delegation waren Außenminister Mike Pompeo und der Sicherheitsberater im Weißen Haus, Robert O'Brien.

Zu konkreten Inhalten der Gespräche wurde nichts bekannt - etwa darüber, ob man sich in der Frage der Waffenruhe angenähert habe. Es war erwartet worden, dass die US-Delegation Erdogan mit zusätzlichen Wirtschaftssanktionen drohen würde, wenn er die Angriffe auf die Kurden in Syrien nicht einstelle.

Zunächst hatte es um das Treffen einige Verwirrung gegeben, weil Erdogan in einem Interview gesagt hatte, er wolle sich nicht mit Pence treffen - sein Sprecher korrigierte kurz darauf.

Erdogan will an syrisch-türkischer Grenze eine Sicherheitszone einrichten

Die Türkei hatte vor rund einer Woche einen Militäreinsatz gegen die kurdische YPG-Miliz in Nordsyrien begonnen. Die YPG kontrolliert dort ein großes Gebiet. Die Türkei betrachtet sie als Terrororganisation.

Für die USA waren die kurdischen Kämpfer dagegen lange Verbündete im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Der türkische Einsatz war international auf scharfe Kritik gestoßen, aber erst durch einen US-Truppenabzug aus dem Grenzgebiet ermöglicht worden. Als Reaktion hatten die USA Anfang der Woche Sanktionen gegen die Türkei verhängt. (Lesen Sie hier eine Analyse dazu).

Das Ziel einer Waffenruhe dürfte weiterhin schwer zu erreichen sein: Erdogan hatte kurz vor dem Besuch aus den USA bereits klargestellt, dass ein Waffenstillstand nicht infrage komme, solange das Ziel nicht erreicht sei: Die Türkei will entlang der syrisch-türkischen Grenze eine sogenannte Sicherheitszone einrichten und alle Kurdenmilizen daraus vertreiben.

Erdogan-Vertrauter empfing russische Delegation

Auch während des Besuchs aus Washington setze die Türkei ihre Angriffe auf die syrische Grenzstadt Ras al-Ain fort. Die kurdische Selbstverwaltung forderte derweil einen humanitären Korridor, um Verletzte und Tote aus der belagerten Stadt zu bringen.

Auch berichteten türkische Medien, dass sich der Sprecher des Präsidentenpalastes, Ibrahim Kalin, parallel zu den Gesprächen zwischen Pence und Erdogan mit einer russischen Delegation getroffen hätte. Unter anderem habe er dabei den Sonderbotschafter für Syrien, Alexander Lawrentjew, empfangen. Am kommenden Dienstag wird Erdogan im russischen Sotchi zu einem Treffen mit Wladimir Putin erwartet. Russlands Präsident hatte ihn eingeladen, um über die türkische Offensive zu sprechen.

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SPIEGEL ONLINE
asc/höh/dpa/AP
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