Religion als Wahlkampfthema Erdogan will Hagia Sophia wieder zur Moschee machen

Als Kirche erbaut, zur Moschee umgewidmet, heute ein Museum: Die Hagia Sophia hat eine bewegte Geschichte. Der türkische Präsident Erdogan will den Bau nun erneut zum Gotteshaus machen - gegen alle Widerstände.
Hagia Sophia in Istanbul: Erdogans Wahlkampftrumpf?

Hagia Sophia in Istanbul: Erdogans Wahlkampftrumpf?

Foto: Huseyin Aldemir/REUTERS

Die Hagia Sophia, der berühmte wie imposante Kuppelbau in Istanbul, steht immer wieder im Zentrum eines religiösen Streits. Islamische Verbände fordern wiederholt, sie erneut zu einer Moschee zu machen. Für viele Menschen in Griechenland wiederum gilt die Hagia Sophia als ein religiöses Zentrum der Orthodoxie. Jetzt hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan angekündigt, das Gebäude wieder in ein islamisches Gotteshaus umzuwandeln.

Da die Umwandlung der Hagia Sophia eine Forderung des türkischen Volks sei, sei "die Zeit gekommen, eine solche Maßnahme zu ergreifen", sagte Erdogan am Mittwochabend laut der Nachrichtenagentur Anadolu dem Fernsehsender A Haber. Schon am Sonntag hatte sich der Präsident in ähnlicher Weise geäußert. "Hagia Sophia wird nicht länger Museum genannt werden. Sie wird aus diesem Status herausgenommen. Wir werden Hagia Sophia eine Moschee nennen", sagte er.

Recep Tayyip Erdogan

Recep Tayyip Erdogan

Foto: STR/EPA-EFE/REX

Die Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) war im Jahr 537 vom byzantinischen Kaiser Justinian als christliche Kirche erbaut worden und fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit. Nach der Eroberung des damaligen Konstantinopels im Jahr 1453 wandelten die Osmanen die Kirche in eine Moschee um. 1923 folgte die Republikgründung und im Jahr 1935 wurde das Gebäude unter Mustafa Kemal Atatürk, dem ersten Präsidenten des Landes, zu einem Museum umgewandelt. Das sei ein "großer Fehler" gewesen, sagte Erdogan nun.

Ankündigung kurz vor den Kommunalwahlen

Seine jüngsten Aussagen dürften auch mit den Kommunalwahlen am Sonntag zusammenhängen. Schon in der Vergangenheit hatte Erdogan vor Abstimmungen wiederholt angedeutet, dass die Hagia Sophia wieder zur Moschee erklärt werden könnte. Im aktuellen Wahlkampf hatte er Religion zu einem zentralen Thema gemacht.

Wahlplakat mit Erdogan vor der Hagia Sophia

Wahlplakat mit Erdogan vor der Hagia Sophia

Foto: Yasin Akgül/AFP

Bisher sind Forderungen von Muslimen, die Hagia Sophia als islamischen Gebetsort zu nutzen, gescheitert. Erst im September 2018 hatte das Verfassungsgericht der Türkei die entsprechende Klage eines türkischen Vereins abgelehnt.

Widerstand aus der Unesco zu erwarten

Erdogans Vorhaben dürfte nicht nur in Griechenland auf Widerstand stoßen: Griechische Medien zitieren "Quellen aus der Unesco", wonach eine Änderung des Namens nur mit der Zustimmung der Organisation möglich sei, weil die Hagia Sophia zum Weltkulturerbe gehöre.

Der Nachrichtenagentur dpa sagte ein Sprecher der Organisation allerdings: "Länder, die die Bezeichnung eines Weltkulturerbes ändern möchten, müssen die Änderung beim Welterbekomitee beantragen." Die Hagia Sophia wird jedoch von der Unesco nicht explizit als Weltkulturerbe aufgelistet, sondern ist lediglich Bestandteil des Weltkulturerbes "Historischer Bereich von Istanbul", zu dem auch andere Bauten gehören. Eine Umbenennung, die nichts an der Struktur des Gebäudes ändert, wäre also möglicherweise kein Problem.

Das Thema Hagia Sophia war auch nach den Moscheeangriffen im neuseeländischen Christchurch wieder hochgekocht. Der Attentäter hatte Medienberichten zufolge in einem Manifest auch von einer Hagia Sophia "ohne Minarette" gesprochen. Erdogan nutzte die Anschläge in Wahlkampfreden auch zu Angriffen gegen den "islamfeindlichen Westen".

aev/AFP/dpa
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