Rundreise am Golf Erdogan schaltet sich in Katar-Krise ein

"Die muslimische Welt braucht Zusammenhalt": Der türkische Präsident Erdogan will Katar aus der Isolation holen - und ist zu einer diplomatischen Reise durch die Golfregion aufgebrochen.
Recep Tayyip Erdogan mit saudischem Kronprinzen Mohammed bin Salman

Recep Tayyip Erdogan mit saudischem Kronprinzen Mohammed bin Salman

Foto: dpa

Mit einer Rundreise durch mehrere Staaten am Golf bemüht sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan um ein Ende der Katar-Krise. Erdogan wurde am Sonntag in Dschiddah vom saudi-arabischen König Salman empfangen, als weitere Stationen stehen Kuwait und Katar auf dem Programm.

Katar ist der engste Verbündete der Türkei in der Region. Die Türkei richtet in dem Emirat einen Militärstützpunkt ein. Dort sollen sich zurzeit etwa 150 Soldaten aufhalten. In den vergangenen Tagen unterstützte die Türkei Katar durch öffentliche Erklärungen und durch 200 Hilfsflüge mit Obst, Milchprodukten und Geflügel.

"Die muslimische Welt braucht Zusammenarbeit"

Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten Anfang Juni die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen und Sanktionen gegen das kleine Emirat verhängt. Sie begründeten dies mit dem Vorwurf, Katar unterstütze radikale Gruppen wie die ägyptische Muslimbruderschaft, die palästinensische Hamas, die Terrormiliz "Islamischer Staat" und Al-Qaida. Eine Liste mit 13 Forderungen, darunter auch die Schließung des Nachrichtensenders Al Jazeera, wies Katar zurück.

"Niemand hat ein Interesse daran, dass sich diese Krise weiter hinzieht", sagte Erdogan am Sonntag, bevor er zu einer zweitägigen Reise aufbrach. "Die muslimische Welt braucht Zusammenhalt und Solidarität und keine neue Spaltung." Er warf nicht näher bezeichneten Feinden vor, das Feuer zwischen den Brüdern anzufachen. König Salman pries Erdogans Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus und seine Finanzierung.

Erdogan vermied in Dschiddah Kritik an der Rolle Saudi-Arabiens in dem Konflikt. Er sagte, König Salman habe als ein Elder Statesman in der Golfregion eine große Rolle bei der Überwindung der Krise zu spielen. Erdogan wollte noch am Sonntag nach Kuwait weiterfliegen, dessen Emir in dem Konflikt als Vermittler auftritt. Für Montag ist ein Treffen Erdogans mit dem Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, geplant.

EU will ebenfalls vermitteln

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini besuchte Kuweit bereits und führte Gespräche mit Emir Scheich Sabah al-Ahmed al-Sabah. Sie würdigte die unablässigen Vermittlungsbemühungen Kuwaits in dem Konflikt und rief zu einer Lösung auf, die ohne Verzögerungen im Dialog gefunden werden müsse.

Der Emir von Katar, Al-Thani, forderte am Wochenende in einer Fernsehansprache, bei Verhandlungen müssten gleichberechtigte Bedingungen herrschen. Katar sei offen für einen Dialog. Voraussetzung sei aber, dass die Souveränität seines Landes respektiert werde. Al-Thani wies den Vorwurf der Terrorfinanzierung zurück.

koe/AFP
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