Absage von Auftritten türkischer Minister Erdogan wirft Deutschland "Nazi-Praktiken" vor

Der türkische Präsident verschärft den Ton noch einmal: Nach den Absagen von Wahlkampfauftritten türkischer Minister in Deutschland vergleicht Staatschef Erdogan das Vorgehen der Behörden mit Aktionen in der Nazi-Zeit.
Recep Tayyip Erdogan in Istanbul (am 3. März)

Recep Tayyip Erdogan in Istanbul (am 3. März)

Foto: OZAN KOSE/ AFP

Aus Verärgerung über die Absage von Wahlkampfauftritten türkischer Minister hat Präsident Recep Tayyip Erdogan den deutschen Behörden "Nazi-Praktiken" vorgeworfen. "Eure Praktiken unterscheiden sich nicht von den früheren Nazi-Praktiken", sagte er in einer Rede in Istanbul. Er hätte gedacht, diese Zeit sei in Deutschland längst vorbei - "wir haben uns geirrt", fügte er hinzu.

Erdogan sprach laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu auf einer Veranstaltung der regierungsnahen Frauenorganisation "Kadem". Er warb dabei anlässlich des Weltfrauentags am 8. März für ein "Ja" beim Referendum über ein Präsidialsystem in der Türkei, das ihm weitreichende Vollmachten verschaffen würde.

Unionspolitiker reagierten empört auf Erdogans Äußerung. "Unverschämt, geschichtsvergessen, anmaßend", schrieb die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner auf Twitter. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte der "Passauer Neuen Presse": "Das ist eine ungeheuerliche Entgleisung des Despoten vom Bosporus. Der Nazi-Vergleich ist ebenso unverschämt wie abwegig."

In den vergangenen Tagen waren unter anderem Veranstaltungen mit dem türkischen Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci in Köln und dem türkischen Justizminister Bekir Bozdag im baden-württembergischen Gaggenau abgesagt worden. Beide wollten für die türkische Verfassungsreform werben. Die Absagen hatten in der Türkei Empörung ausgelöst. Zeybekci will nun am Abend in einem Kölner Hotel eine Rede halten, die Polizei ist nach eigenen Angaben vorbereitet, Proteste sind bislang jedoch nicht angemeldet.

Erdogan hatte die Bundesrepublik wegen der Absagen bereits am Freitagabend in einer Rede scharf kritisiert. Die türkischen Minister dürften dort nicht sprechen, während Vertreter verbotener Kurdenorganisationen öffentlich das Wort ergreifen dürften. Die deutschen Behörden müssten deshalb "wegen Unterstützung und Beherbergung von Terrorismus vor Gericht gestellt werden".

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) warnte in einem Beitrag für die "Bild am Sonntag" vor einer weiteren Verschlechterung des Verhältnisses zwischen beiden Ländern. In der kommenden Woche will sich Gabriel mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu treffen.

hut/AFP/Reuters/dpa
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