Rede in New York Netanjahu zeigt Uno-Plenum Baupläne von Auschwitz

Fernduell der Erzfeinde: Israels Premier hatte es vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen leicht, die Politik seiner Regierung zu verteidigen. Denn Irans Präsident Ahmadinedschad hatte zuvor erneut den Holocaust geleugnet. Netanjahu beschuldigte die Uno der Parteilichkeit und Ungerechtigkeit.

Israels Premier Netanjahu vor der Uno-Generalversammlung: "Haben Sie keine Scham?"
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Israels Premier Netanjahu vor der Uno-Generalversammlung: "Haben Sie keine Scham?"

Aus New York berichtet


Es war ein starker Auftritt im Uno-Plenum am Donnerstag. Benjamin Netanjahu hielt die Baupläne des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau hoch, die er Ende August in Berlin überreicht bekommen hatte. "Ist das eine Lüge?", fragte er die Delegierten. Dann zeigte er eine Kopie des Protokolls der Wannsee-Konferenz von 1942 in die Kameras, auf der die Nazis den Holocaust planten. "Ist dies eine Lüge?", fragte er erneut.

Die Holocaust-Leugnungen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad am Mittwoch hatten Israels Premier seine Argumentation vor der notorisch anti-israelischen Vollversammlung erleichtert. Netanjahu erinnerte daran, dass die Gründung der Uno eine direkte Folge des Zweiten Weltkriegs war. "Die Uno wurde nach dem Horror des Holocaust gegründet und bekam den Auftrag, eine Wiederholung zu verhindern", sagte Netanjahu. Auch daher sei Israel von der Uno "als jüdischer Staat" anerkannt worden.

Ahmadinedschad aber leugne den Holocaust und drohe, Israel "von der Landkarte zu tilgen". Daher sei es die größte Herausforderung für die Generalversammlung, "zu verhindern, dass Teheran in den Besitz von Massenvernichtungswaffen kommt". Die Delegierten müssten sich entscheiden: "Steht ihr an der Seite Israels oder der Terroristen?" Später in seiner Rede ließ sich Netanjahu dazu hinreißen, den Gaza-Krieg mit dem Kampf der Alliierten gegen die Nazis zu vergleichen.

Persönlich griff Netanjahu auch die Uno-Vertreter an, die Ahmadinedschads Rede nicht boykottiert hatten. "Haben Sie keine Scham? Haben Sie keinen Anstand?", rief er. Die Delegierten hätten damit einem Mann das Podium überlassen, der den Tod von sechs Millionen Juden während des Holocaust leugne.

Die Stühle der iranischen Delegation blieben während der Rede leer. Ahmadinedschad tat in diesen Tagen in New York alles, um einen direkten Schlagabtausch zu vermeiden: nicht nur mit Israel, sondern auch mit der iranischen Opposition, die auf der Straße vor dem Uno-Hauptquartier lautstark demonstrierte.

Geschlossene Veranstaltung im Interconti

Nach seiner Rede am Mittwoch hatte Irans Präsident im Hotel Interconti an der 42. Straße Hof gehalten. Dunkle gepanzerte Vans standen vor dem Hotel, Agenten des Secret Service mit Ohrsteckern und dunklen Anzügen bewachten den Eingang. In einem Konferenzsaal im Erdgeschoss warteten rund 150 Leute auf den Mann, der unter normalen Umständen kein Visum für die USA bekommen würde.

Aber zur Generalversammlung der Vereinten Nationen, die einmal im Jahr tagt, darf jeder Staats- oder Regierungschef, dessen Land Mitglied in der Weltorganisation ist, amerikanischen Boden betreten, auch wenn keine diplomatischen Beziehungen zu den USA bestehen wie im Fall Iran.

Mahmud Ahmadinedschad kommt zu spät zu der geschlossenen Veranstaltung, zu der nur handverlesene Gäste eingeladen wurden. "Entschuldigen Sie die Verspätung", sagt der iranische Präsident, "aber Colonel Gaddafi hat statt einer Viertelstunde 90 Minuten geredet." Es scheint ihn zu wurmen, dass der Libyer ihm die Show gestohlen hat. Gaddafi hatte eine Hasstirade gegen die Vereinten Nationen geschmettert und dabei die Uno-Charta zerrissen.

Ahmadinedschads anschließende Rede stand in ihrer Schärfe der des libyschen Diktators kaum nach. Kein Wort von der brutalen Niederschlagung der Opposition nach den Wahlen im Juni. Sein Land nannte er ein "Symbol der Demokratie" und er versicherte, er wolle keine Atomwaffen bauen. Im Gegensatz dazu, behauptete Ahmadinedschad, bedrohe der Westen die Welt mit seinen "tausenden Nuklearsprengköpfen".

Iran wolle die Kernenergie nur zu friedlichen Zwecken nutzen, der Westen seinem Land den technologischen Forschritt verweigern. Ahmadinedschad ging weder auf das amerikanische Angebot eines Dialogs ein noch auf die wiederholten Ankündigungen Obamas, eine Atomwaffen freie Welt schaffen zu wollen.

Seine schlimmsten Angriffe aber richteten sich gegen das "zionistische Regime" in Jerusalem. Israel betreibe "Staatsterrorismus", ermorde Frauen und Kinder. Wenn die Palästinenser dagegen "Widerstand" leisten würden, beklagte Irans Präsident, würden sie des Terrorismus beschuldigt.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hingegen versuchte derweil von seinem Quartier im Regency Hotel an der Park Avenue die internationale Front gegen Teheran zu schließen. Er traf sich unter anderem mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und mit Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Schon am Donnerstag trug die diplomatische Initiative erste Früchte. Sarkozy sagte bei einer Sitzung des Uno-Sicherheitsrats, Iran drohe damit, Israel auszulöschen und fragte die Runde: "Und was machen wir dagegen?" Großbritanniens Premier Gordon Brown forderte "weit härtere Sanktionen".

Wie Ahmadinedschad sein Lächeln verging

So sehr sich auch Mahmud Ahmadinedschad bemühte, der Konfrontation mit der Opposition im eigenen Land und dem Erzfeind Israel aus dem Weg zu gehen - ganz kam er um die Auseinandersetzung mit ihnen nicht herum. Denn beim Empfang am Mittwochabend im Interconti-Hotel erlebt er eine doppelte Überraschung. Nachdem er rund anderthalb Stunden mit Dauerlächeln auf Fragen geantwortet hat, die zuvor den Gästen auf Zetteln verteilt wurden, erhebt sich ein junger Mann, der sich als Anhänger der Opposition entpuppt. Er würde gerne ein paar Fragen stellen, sagt der Iraner. Ein Sicherheitsbeamter in Zivil versucht ihn zum Schweigen zu bringen. "Es geht hier um Fragen, die Sie nicht gerne hören", insistiert der Mann.

Er versucht es wieder und wieder, seine Begleiter versuchen ihn zu beruhigen, sie fürchten um das Leben ihres Freundes, denn er lebt nicht im Exil, sondern in Teheran. Da merken sie, dass ein anderer Gast die Szene gefilmt hat. Ob sie eine Kopie der Sequenz bekommen könnten, als Beweis?, fragen sie den Mann.

Ja, sagt der - und entpuppt sich als Chico Menasche, Reporter des israelischen Fernsehens. Es ist nicht ganz klar, wer verdutzter ist: die iranischen Oppositionellen oder Ahmadinedschad, der jetzt von dem Israeli angesprochen wird: "Herr Präsident, eine Frage vom israelischen Kanal 10", sagt Menasche.

Da gefriert Ahmadinedschads Dauerlächeln.

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Seite 1
Alexander Trabos, 14.06.2009
1.
Zitat von sysopDer Druck durch die USA zeigt Wirkung: Israels Regierungschef Netanjahu hat der Gründung eines Palästinenserstaates zugestimmt - wenn dieser entmilitarisiert sei. Ist dies die Lösung für den Nahost-Konflikt? Diskutieren Sie mit!
Ich befürchte, ein Palästinenserstaat wird den Unfrieden in der Region noch verstärken.
Schwaberg 14.06.2009
2.
Zitat von sysopDer Druck durch die USA zeigt Wirkung: Israels Regierungschef Netanjahu hat der Gründung eines Palästinenserstaates zugestimmt - wenn dieser entmilitarisiert sei. Ist dies die Lösung für den Nahost-Konflikt? Diskutieren Sie mit!
Mit anderen Worten er hat Vorbedingungen gestellt, die kein Staat dieser Erde akzeptieren würde, akzeptieren kann. Cleverer Schachzug. Natürlich absolut lächerlich.
Hallo Pinoccio, 14.06.2009
3.
Zitat von SchwabergMit anderen Worten er hat Vorbedingungen gestellt, die kein Staat dieser Erde akzeptieren würde, akzeptieren kann. Cleverer Schachzug. Natürlich absolut lächerlich.
Das ist die eine Vorbedingung. Welche es noch geben würde, wissen wir nicht. Aber dies dürfte nicht die Einzige sein. Was ist z.B. mit Verträgen? Möchte Isreal nicht vielleicht auch bestimmen, mit welchem Staat das neue "Palästina" Kontakte´pflegt, Verträge abschließt - d.h. die gesamte Außenpolitik mitbestimmen? Ein Staat auf Gnaden Israels? Das kann nicht gut gehen.
guylux 14.06.2009
4. Obama
Zitat von sysopDer Druck durch die USA zeigt Wirkung: Israels Regierungschef Netanjahu hat der Gründung eines Palästinenserstaates zugestimmt - wenn dieser entmilitarisiert sei. Ist dies die Lösung für den Nahost-Konflikt? Diskutieren Sie mit!
Ich kann mir vorstellen dass Obama diesem Spielchen nicht lange zusehen wird ! Netanjahu muss schon Etliches mehr bieten um ernst genommen zu werden .
Schwaberg 14.06.2009
5.
Zitat von Hallo PinoccioDas ist die eine Vorbedingung. Welche es noch geben würde, wissen wir nicht. Aber dies dürfte nicht die Einzige sein. Was ist z.B. mit Verträgen? Möchte Isreal nicht vielleicht auch bestimmen, mit welchem Staat das neue "Palästina" Kontakte´pflegt, Verträge abschließt - d.h. die gesamte Außenpolitik mitbestimmen? Ein Staat auf Gnaden Israels? Das kann nicht gut gehen.
Das ganze ist eine Farce. Wie in dem Zusammenhang von einem Umschwenken Netanjahus im Artikel gesprochen werden kann ist mir schleierhaft. Die ganze Rede war eine einzige Absage auf die Forderungen Obamas. Und in dem Zusammenhang auch noch zu sagen, man möchte Verhandlungen ohne Vorbedingungen - einfach dreist.
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