Rede vor der Knesset Bush beschwört den Kampf gegen das Böse

Eigentlich war US-Präsident Bush angereist, um Israel zum 60. Staatsjubiläum zu gratulieren. Doch seine Rede vor der Knesset geriet zur Kampfansage an alles Übel in der Welt. Seine Nahost-Friedensinitiative versandet - und Israels Militär rüstet sich für eine neue Militäraktion im Gazastreifen.

Von , Beirut


Beirut - Beethoven hätte es kaum besser hinbekommen: sehr viel Forte, zwischendrin ordentlich Crescendo - und ab und zu ein Paukenschlag. Die Rede, die US-Präsident George W. Bush heute anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung des Staates in Jerusalem hielt, war wohl kaum das, was man als Geburtstagsständchen bezeichnen würde. Zwar war Bushs Ansprache mit etlichen Nettigkeiten für seine Gastgebern garniert, doch die Orchestrierung war kriegerisch.

US-Präsident Bush vor der Knesset: Kampfansage statt Geburtstagsständchen
REUTERS

US-Präsident Bush vor der Knesset: Kampfansage statt Geburtstagsständchen

Wer angesichts Bushs vermutlich letzter Nahost-Reise als Präsident auf einen versöhnlichen Rückblick gehofft hatte, wurde enttäuscht: Bush sprach von einer Gegenwart, die von einem Kampf der Visionen bestimmt sei. Auf der einen Seite stünden die Staaten, die Freiheit und Demokratie hochhielten, auf der anderen die Regimes der Grausamkeit und der Kontrolle, die unter ihren Bürgern und in der Welt Angst verbreiteten. "Es ist der uralte Kampf zwischen Gut und Böse", rief ein kämpferischer Bush der Knesset zu.

"Es war eine typische Bush-Rede. Ihr auf der einen, wir auf der anderen Seite. Man darf annehmen, dass er nicht gemeint hat, dass wir die Seite sind, die den Terror fördert", kommentierte eine BBC-Korrespondentin in Jerusalem leicht amüsiert.

Es war eine typische Rede, das stimmt. Und doch waren zwei Dinge bemerkenswert an Bushs Auftritt, der den Höhepunkt seines zweiten Besuches in Israel markierte. Zum einen war da sein lautes Schweigen, wenn es um den von ihm höchstselbst angeschobenen Nahost-Friedensprozess von Annapolis ging. Mit keinem Wort erwähnte Bush die von seiner Außenministerin mit großem Verve betriebene Initiative - obwohl sein Vorredner, Israels Premierminister Ehud Olmert, Annapolis ausführlich als Bushs "Vision" pries.

Bush flüchtet sich in die ferne Zukunft

Statt auf die immer wieder im täglichen Klein-Klein steckenbleibenden Verhandlungen einzugehen, flüchtete sich Bush in Zukunftsmusik. In 60 Jahren werde ein blühendes Israel seinen 120-jährigen Geburtstag feiern. Die Palästinenser hätten ihre eigene Heimat, von der sie so lange geträumt hätten und die sie verdient hätten. Wie alt der palästinensische Staat in 60 Jahren sein soll, ließ Bush im Dunkeln - obwohl er noch Ende vergangenen Jahres die Staatsgründung für Ende 2008 in Aussicht gestellt hatte. Annapolis läuft die Zeit davon: Dass außer einer erneuten Absichtserklärung beider Seiten bis Ende des Jahres Ergebnisse vorliegen werden, wird immer unwahrscheinlicher.

Gegen die in den vergangenen Tagen wieder besonders gewalttätige Realität entwarf Bush eine rosige Zukunft. "Von Kairo und Riad bis Bagdad und Beirut werden Menschen in freien und unabhängigen Gesellschaften leben", malte er das Bild eines Nahen Ostens im Jahr 2068. Iran und Syrien würden friedliche Länder sein, in denen die Unterdrückung von heute nur noch eine entfernte Erinnerung sei. "Das Terrornetzwerk al-Qaida, die pro-iranischen Hisbollah-Milizen im Libanon und die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas werden besiegt." Im Nahen Osten werde eine neue Ära der Integration und Toleranz herrschen.

Den Weg vom Heute ins Übermorgen zu beschreiben, vermied Bush. Doch wer seiner Rede lauschte, musste zu dem Ergebnis kommen, dass es ein sehr blutiger sein wird. Es gelte, den Terror und seine Förderer zu bekämpfen, allen voran Iran. Israel stehe dabei an vorderster Front und müsse von der freien Welt unterstützt werden. "Die Bevölkerung Israels besteht vielleicht aus nicht mehr als sieben Millionen Menschen", sagte Bush. "Aber im Kampf gegen den Terror und das Böse seid ihr 307 Millionen, weil die USA an Eurer Seite sind."

Angesichts der iranischen Bemühungen, Uran anzureichern und vermutlich Nuklearwaffen zu bauen, warnte er, "es wäre ein unverzeihlicher Verrat an künftigen Generationen, es dem weltweit führenden Terrorsponsoren zu erlauben, die tödlichste Waffe der Welt zu besitzen." Im Interesse des Friedens dürfe die Welt es Iran nicht erlauben, nukleare Waffen zu haben.

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