Referendum Bolivianer stimmen für neue Verfassung

Großer Erfolg für Evo Morales: Boliviens Bevölkerung hat sich für die vom Präsidenten unterstützte neue Verfassung ausgesprochen. Diese gewährt den Indios mehr Rechte, dem Staat mehr Kontrolle über die Wirtschaft - und ermöglicht Morales eine längere Amtszeit.


Hamburg - Etwa 59 Prozent der Bolivianer haben sich am Sonntag inoffiziellen Auszählungen zufolge für die neue linke Verfassung ausgesprochen. Rund 41 Prozent stimmten dagegen. Sollte sich das Ergebnis bestätigen, hätte der erste gewählte Indio-Präsident in der Geschichte des südamerikanischen Landes, Evo Morales, den größten Erfolg seiner 2006 begonnenen Amtszeit erzielt.

Abstimmende Bolivianerin: Bald mehr Rechte für die Indios?
REUTERS

Abstimmende Bolivianerin: Bald mehr Rechte für die Indios?

Molares proklamierte nach dem sich abzeichnenden Votum für die Verfassung die "Wiedergründung Boliviens". 500 Jahre Kolonialismus und Großgrundbesitz gingen zu Ende, sagte der Staatschef am Sonntagabend (Ortszeit).

Die Verfassung soll der bisher diskriminierten Mehrheitsbevölkerung der Indios mehr Rechte gewähren. Außerdem schreibt sie eine größere Kontrolle des Staates über die Wirtschaft fest, stärkt die sozialen Verpflichtungen des Eigentums und schafft den Katholizismus als Staatsreligion ab.

Sollte die neue Verfassung gebilligt werden, sind für Dezember vorgezogene Parlamentswahlen geplant, die Morales den Weg zu einer zweiten Amtszeit von fünf Jahren ebnen könnten. Bei einem Scheitern müsste er den Präsidentenpalast im Jahr 2011 verlassen.

Opposition spricht von linker Diktatur

Die konservative Opposition, die sich aus der weißen, wohlhabenden Minderheit rekrutiert, warf Morales jedoch vor, er wolle nur seinem Freund und Mentor, dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, nacheifern und eine Art linke Diktatur errichten. Die in den rohstoffreichen und fruchtbaren Regionen im Osten und Süden des Landes lebenden Nachfahren europäischer Einwanderer, die nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung ausmachen, sehen ihre Freiheit und ihren Wohlstand durch die Forderungen der von Ureinwohnern abstammenden Mehrheitsbevölkerung bedroht.

Etwa 70 Prozent aller 9,3 Millionen Bolivianer bezeichnen sich als Nachfahren der Ureinwohner. Die größten Ethnien sind die Quechua und die Aymara, die auf dem kargen westlichen Hochland mit dem Zentrum La Paz, dem Sitz der Regierung, leben. Sie stehen mehrheitlich fest zu Morales.

fsc/dpa/Reuters



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