Kabinettsumbildung in Paris Kritischer Minister Montebourg verzichtet auf Posten

Nach seiner heftigen Kritik am französischen Sparkurs war die gesamte Regierung zurückgetreten. Dem neuen Kabinett will der Noch-Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg nicht mehr angehören.

Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg:
AFP

Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg:


Paris - Der 51-jährige Sozialist Arnaud Montebourg steht für die neue Regierung in Frankreich nicht wieder zur Verfügung. Der bisherige Wirtschaftsminister strebt im neuen Kabinett keinen neuen Posten an. Er sehe in der Regierung nach der Umbildung keinen Platz für sich, sagte der zu den Parteilinken zählende Politiker.

Frankreichs Ministerpräsident Manuel Valls hatte am Montagmorgen bei Präsident François Hollande überraschend den Rücktritt des Kabinetts eingereicht.

Die Zusammensetzung der künftigen Regierung soll am Dienstag bekanntgegeben werden. Der Präsident forderte eine Regierung, die im Einklang mit seinen Leitlinien für das Land stehe. Aus dem Umkreis von Valls hieß es, mit seiner Kritik habe Montebourg eine Linie überschritten. Nach unbestätigten Berichten soll Hollande "sehr verärgert" reagiert haben.

Montebourg hatte in der französischen Zeitung "Le Monde" einen Kurswechsel seiner Regierung gefordert. "Die dogmatische Reduzierung der Defizite, die uns zu einer harten Sparpolitik und zu Arbeitslosigkeit führt, muss zweitrangig sein". Der 51-Jährige sagte weiter: "Es gibt immer eine Alternative." Politische Entscheidungen seien nicht starr. Am Montag erneuerte Montebourg seine Kritik. Aus seiner Sicht sollten Deutschland und Europa mehr Gewicht auf Wachstumspolitik legen. Von Präsident Hollande forderte Montebourg ein energischeres Auftreten gegenüber der deutschen Regierung.

heb/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 8 Beiträge
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licorne 25.08.2014
1. Das war ein Rausschmiss
Montebourg hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt und gibt noch eine Pressekonferenz, in der er dem Premierminister noch einen kräftigen Tritt in den Hintern gibt. Zusätzlich erteilt er der restlichen Welt eine Lektion in Ökonomie. Hollande hätte wissen müssen, dass er diesem Protektionisten und Nationalisten kein Wirtschaftsministerium geben durfte. Jetzt geht eine neue Castingshow los und weiter Vertrauen in das Land verloren.
haltetdendieb 25.08.2014
2. Kasperkram
Die französischen Politiker benehmen sich wie Kleinkinder. Natürlich hatte der Minister Recht. Man kann sich in der Krise sehr sehr schnell kaputt sparen. Keynes sagte schon sehr richtig: Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not. Aber die Franzosen haben leider weder das eine gemacht noch das andere. Das will aber nicht heißen, am Deutschen Wesen soll die Welt genesen. Politik in Deutschland findet - leider - nicht mehr statt. Was ist das eigentlich in Frankreich? Ein Minister äußert laut Kritik und die ganze Regierung tritt zurück! Das ist nichts als Kasperkram und Kindertheater aufgeführt von eigentlich reifen Männern! Und Frauen. Im Rest der Welt läuft Politik anders, Frankreich und Hollande wird dieses Rundumrecycling nichts nutzen! Frankreich ist nur auf einem Weg - Downdowndown!!!
analysatorveritas 25.08.2014
3. Die Stunde der Wahrheit!
Zitat aus dem obigen Text: Montebourg hatte in der französischen Zeitung "Le Monde" einen Kurswechsel seiner Regierung gefordert. "Die dogmatische Reduzierung der Defizite, die uns zu einer harten Sparpolitik und zu Arbeitslosigkeit führt, muss zweitrangig sein". Der 51-Jährige sagte weiter: "Es gibt immer eine Alternative." Politische Entscheidungen seien nicht starr. Am Montag erneuerte Montebourg seine Kritik. Aus seiner Sicht sollten Deutschland und Europa mehr Gewicht auf Wachstumspolitik legen. Von Präsident Hollande forderte Montebourg ein energischeres Auftreten gegenüber der deutschen Regierung. Frankreich hat die Wahl: es setzt mit Unterstützung anderer Wackeleurovolkswirtschaften gegen Berlin eine neue Geld-, Währungs-, Wirtschafts- und Budgetpolitik durch, Merkels Stabilitätskurs ist dann Gechischde oder Frankreich geht den Weg à la Hartz forte (interne Abwertungen) im Galopp. Das Ergebnis dürfte absehbar sein, die Straßen beben und brennen, ein Land steht auf! Die heiße Phase im Eurospiel beginnt, da helfen auch keine Rettungsschirme und auch keine Anleiheaufkäufe mehr. Und wir sind durch die neue Einheitszonenwährung immer und überall dabei. Da nützen Schäuble's Versprechen einer schwarzen Null kaum etwas, besonders im Angesicht des potentiellen Haftungspegels in Höhe von 1.639 Milliarden EUR für Deutschland.
CONTRAST 25.08.2014
4. Die Wahrheit, die Montebourg aus Frankreich sagt, hört...
man in Merkels Kreisen nicht sehr gerne! Dabei bringt der Mann es nur auf den Punkt. Merkels verbohrte Spar-Diktatur muss endlich ein Ende haben. Es muss endlich ein Umbruch in der EU stattfinden, noch besser, der erste Ausbruch aus der EU-Herrschaft! Die Zeit dafür ist gegeben.
Knack5401 26.08.2014
5. Geh doch endlich,
Du bist doch eh bestens versorgt. RIP
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