Regierungskritiker Jewlojew Opposition wirft russischen Behörden politischen Mord vor

Er war ein Kritiker Moskaus - jetzt ist Magomed Jewlojew tot, gestorben bei einer Polizeiaktion. Opposition und Menschenrechtler erheben nun schwere Vorwürfe gegen die Behörden in der südrussischen Teilrepublik Inguschien. Die Bewegung für eine Unabhängigkeit bekommt neuen Schwung.


Moskau/Nasran - Wie starb Magomed Jewlojew? Einen Tag nach dem Tod des Betreibers der kremlkritischen Internet-Zeitung www.ingushetiya.ru, ist nach wie vor unklar, wie der Regierungskritiker ums Leben kam. Wurde er erschossen, nachdem er von der Polizei festgenommen wurde, oder löste sich der tödliche Schuss aus Versehen?

Kreml-Kritiker Jewlojew im Dezember 2007 in Moskau
AFP

Kreml-Kritiker Jewlojew im Dezember 2007 in Moskau

Die inguschische Opposition geht von einem politischen Mord aus. Ein Sprecher sagte laut der Agentur Interfax: "Wir glauben nicht an Zufälle." Er forderte eine lückenlose Aufklärung der Tat.

Die Staatsanwaltschaft in Inguschien teilte mit, sie habe Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Der Schuss sei Augenzeugen zufolge gefallen, als Jewlojew einem Polizisten die Pistole entreißen wollte. Die Waffe sei sichergestellt.

Jewlojew, der Besitzer der kremlkritischen Internet-Zeitung ingushetiya.ru war, war am Sonntag auf dem Flughafen von Nasran im Zuge von Ermittlungen wegen eines unaufgeklärten Anschlags festgenommen worden. Laut Polizei löste sich bei einem Handgemenge ein Schuss, der ihn in die Schläfe traf. "Warum war die Waffe nicht gesichert? Warum trug er keine Handschellen?", fragte der Oppositionssprecher.

Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen mit Sitz in Paris äußerte Zweifel an der offiziellen Darstellung. "Die Erklärungsversuche der inguschischen Behörden sind nicht stimmig", hieß es in einer Erklärung.

Der Zwischenfall ereignete sich inmitten eines Streits über die russische Anerkennung der von Georgien abtrünnigen Gebiete Abchasien und Südossetien. Als Reaktion auf den Tod von Jewlojew wolle die Opposition in Nasran eine Unterschriftensammlung über die Unabhängigkeit Inguschiens von Russland initiieren, berichtete die Zeitung "Kommersant".

Inguschien, das zwischen den russischen Teilrepubliken Tschetschenien und Nordossetien liegt, gilt wegen erbitterter Kämpfe zwischen Rebellen und Sicherheitskräften als extrem unsicher. Die Internet-Zeitung ingushetiya.ru hatte vor allem den inguschischen Präsidenten Murat Sjasikow mehrfach kritisiert.

asc/dpa



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