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19. Juni 2008, 12:42 Uhr

Regierungsoffensive

Afghanistan meldet Erfolg gegen Taliban

Es war eine der größten Offensiven der vergangenen Jahre: Nato-Truppen und Regierungseinheiten haben sich bei Kandahar schwere Kämpfe mit den Taliban geliefert. Nach Behördenangaben wurden hunderte Taliban-Kämpfer getötet, andere vertrieben - eine unabhängige Bestätigung gibt es nicht.

Kandahar - Die Nato-Truppen und einheimische Soldaten hätten die Taliban-Einheiten aus dem Norden der Stadt Kandahar vertrieben, heißt es von Seiten der afghanischen Regierung. "Die ganze Gegend ist frei von Taliban", sagte der Gouverneur Assadullah Chalid während einer Pressekonferenz im Bezirk Arghandab. Dabei seien Hunderte Aufständische getötet oder verletzt worden - unter ihnen viele Pakistaner.

17. Juni 2008: Britische Fallschirmspringer warten darauf, in die Region Kandahar gebracht zu werden
Getty Images

17. Juni 2008: Britische Fallschirmspringer warten darauf, in die Region Kandahar gebracht zu werden

Derzeit suchten die Soldaten nach Kämpfern, die sich in Häusern von Dorfbewohnern versteckt haben könnten. Die Nato hingegen bestätigte weder die Opferzahl noch eine Vertreibung der Aufständischen aus dem Gebiet.

In dem nördlich von Kandahar gelegenen Bezirk Arghandab hatten am vergangenen Montag rund 600 Taliban-Kämpfer mehrere Ortschaften eingenommen. Unter ihnen sollen sich viele jener tausend Männer befinden, die am vergangenen Freitagabend bei einem spektakulären Überfall auf das Gefängnis von Kandahar befreit wurden.

Die Operation soll der Nato zufolge noch bis zum Wochenende andauern. Bei der Offensive wurden den Angaben zufolge die heftigsten Kämpfe der vergangenen Jahre geführt. Mehr als tausend Soldaten der afghanischen Armee und der Nato hatten die Großoffensive gegen die islamistischen Kämpfer am Mittwoch gestartet. Das Gebiet um Kandahar gilt als Hochburg der Taliban.

Nato-General fordert mehr Soldaten für Afghanistan

Nato-General Egon Ramms hat mehr Soldaten für den Afghanistan-Einsatz gefordert. "Wir warten nicht nur dringend auf mehr Leute aus der Bundeswehr, sondern insgesamt auf mehr Soldaten. Wir brauchen zumindest vorübergehend, bis die afghanischen Streitkräfte selber dazu befähigt sind, noch mehr Soldaten in der Isaf-Truppe", sagte der operative Befehlshaber der Nato für die Isaf-Truppen in Afghanistan im Deutschlandradio Kultur.

Das bisherige Mandat des Bundestages für Afghanistan reiche nicht aus, fügte Ramms hinzu. "Das Problem ist, dass die bisherige Obergrenze des Einsatzes nicht verändert worden ist und damit der Generalinspekteur keine Handlungsfreiheit hat." Er gehe aber davon aus, dass alle Staaten ihre Zusagen einhalten und dadurch eine deutliche Verbesserung des Militäreinsatzes möglich werde.

Der General befürchtet allerdings Probleme im Süden Afghanistans. Wenn die Amerikaner zum Herbst ihre Truppen wieder abziehen würden, müssten europäische Streitkräfte diese Räume übernehmen. "Nur so ist zu vermeiden, dass die weitere Entwicklung vollständig durch die Taliban auf dem Rücken der Zivilbevölkerung bestimmt wird", sagte er. Mit Blick auf die Entscheidung des Bundestags über den Einsatzort der Bundeswehrsoldaten sagte Ramms: "Es hat sich gezeigt, dass sich räumliche Begrenzungen negativ auf den Einsatz auswirken. Wann immer solche Einschränkungen greifen, verstärken sie die Situation des Kräftemangels."

asc/Reuters/AFP/ddp

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