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Protest gegen Festnahme: "Lasst Ai Weiwei frei!"

Foto: STEFAN WERMUTH/ Reuters

Regimekritiker Ai Weiwei China empört sich über Kritik an Festnahme

Die Festnahme des chinesischen Regimekritikers Ai Weiwei sorgt weltweit für Proteste. Die Volksrepublik verweigert jede Auskunft über das Schicksal des Mannes - und weist ausländische Kritik barsch zurück: Der Künstler gehe "rechtlich zweifelhaften Aktivitäten" nach.

Peking - Für Querulanten sei in China kein Platz - das hat Regierungssprecherin Jiang Yu bereits unumwunden eingeräumt. Nun legt das Regime nach: Die Volksrepublik hat die internationale Kritik an der Festnahme des bekannten Künstlers und Bürgerrechtlers Ai Weiwei empört zurückgewiesen.

In einem Leitartikel der amtlichen Zeitung "The Global Times" wurde Ai als "Eigenbrötler" bezeichnet, der gerne "rechtlich zweifelhaften Aktivitäten" nachgehe und Dinge tue, die gewöhnliche Menschen nicht zu versuchen wagten. Das chinesische Gesetz werde sich solchen Menschen nicht beugen, hieß es weiter.

Die "Global Times" wird von der in China regierenden Kommunistischen Partei herausgegeben. In dem Leitartikel wurde nicht erwähnt, gegen welche Gesetze Ai verstoßen haben soll. Auch die Festnahme des 53-Jährigen wurde nicht bestätigt.

Ai war am Sonntag auf dem Internationalen Flughafen von Peking festgenommen worden, als er ein Flugzeug nach Hongkong besteigen wollte. Zudem hatten die Behörden sein Haus und sein Atelier in der chinesischen Hauptstadt durchsucht.

Der Vorfall löste weltweit Empörung aus: So übten die USA und die EU scharfe Kritik, Großbritannien zeigt sich besorgt und fordert eine Erklärung von China, auch Deutschland forderte die Freilassung des Künstlers. China aber verweigert weiter jede Auskunft über das Schicksal des Mannes.

"Klare Erklärungen zu dem Vorfall abgeben"

Am Mittwoch verlangte auch Taiwan von der Regierung in Peking die Freilassung Ais. China solle Ai sofort auf freien Fuß setzen und "klare Erklärungen zu dem Vorfall abgeben", erklärte der für die Beziehungen zu China zuständige Rat für Festlandsangelegenheiten in Taipeh. "Die Forderungen des chinesischen Volkes nach Freiheit, Demokratie, Menschenrechten und Reformen nehmen zu, und wir fordern die Festlandsbehörden auf, dies zur Kenntnis zu nehmen und zu respektieren." Die Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und Taiwan sind gespannt, da Peking Taiwan als abtrünnige Provinz betrachtet.

Wenige Tage vor seiner Verhaftung hatte Ai noch ein Interview gegeben. Mit der "Süddeutschen Zeitung" sprach der Künstler auch über Repressionen in seinem Land - und gab dabei düstere Einblicke in ein Leben voller Bedrohungen und die Willkür der Staatsführung. Es würden "immer mehr Leute ins Gefängnis" gesteckt, "nur weil sie etwas auf Twitter  oder in einem Blog schreiben", sagte Ai. "Die Polizei bricht mitten in der Nacht bei dir ein, durchwühlt dein Haus - und dann fabrizieren sie Beweise gegen dich für ihre Gerichte. Sie verurteilen unschuldige Menschen zu zehn Jahren Haft."

Ende April wollte Ai in Berlin eine Ausstellung eröffnen. Der über die Landesgrenzen hinaus bekannte Künstler sieht sich wegen seiner Kritik an der kommunistischen Führung der Volksrepublik regelmäßig Repressalien ausgesetzt.

wit/dapd/AP/AFP