Rehabilitation Polnische Staatsbürgerschaft für jüdische Emigranten

Vor 40 Jahren verließen sie Polen wegen antisemitischer Hetze seitens der kommunistischen Herrscher. Nun erhalten jüdische Emigranten ihre damals aberkannte polnische Staatsbürgerschaft zurück.


Warschau - Nach dem Regierungswechsel in Polen wurde es möglich: Diese Fälle sollten "sehr schnell, ja sogar blitzschnell" bearbeitet werden, sagte der polnische Innenminister Grzegorz Schetyna in Wroclaw (Breslau). Er habe die Verwaltungschefs in den Regionen angewiesen, den Verzicht auf die Staatsbürgerschaft von damals als rechtswidrig zu betrachten.

Emigranten, die beim Regionalamt einen Antrag stellen, würden ihre polnische Staatsbürgerschaft bestätigt bekommen, so der Innenminister.

Führende Wissenschaftler und Künstler Polens sowie Vertreter jüdischer Institutionen hatten an die polnischen Behörden appelliert, das Problem der Staatsbürgerschaft endlich zu lösen. "Unter den historischen Verbrechen des Kommunismus ist die Schande des März 1968 ein Ereignis, das das polnische Bewusstsein besonders belastet", schrieben die Autoren in einem offenen Brief, unter ihnen Literaturnobelpreisträgerin Wislawa Szymborska. Damals seien die Polen in "echte" und "nicht echte", in "unsere" und "fremde" aufgeteilt worden.

Anfang März 1968 waren an polnischen Hochschulen Studentenunruhen ausgebrochen. Die Jugendlichen protestierten gegen das Verbot des patriotischen Theaterstückes "Die Totenfeier" von Adam Mickiewicz.

Das kommunistische Regime machte damals "Zionisten" für die Proteste verantwortlich. Es folgten judenfeindliche Medienkampagnen sowie eine massive Entlassungswelle. Wegen der antisemitischen Hetze verließen in den Jahren 1968-1972 rund 15.000 Juden das Land, ohne Rückkehrrecht.

Die Behörden zwangen die Ausreisenden, auf die polnische Staatsbürgerschaft zu verzichten. Eine neue Heimat fanden die Emigranten in Israel, Amerika und Westeuropa.

asc/dpa



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