Religionsunruhen in Nigeria Helfer bergen Dutzende Leichen

Bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen in Nigeria an Heiligabend sind deutlich mehr Menschen ums Leben gekommen als bislang bekannt. Einem Regierungsvertreter zufolge wurden in der Stadt Jos bislang 80 Leichen geborgen - zunächst war von 38 Opfern die Rede.

REUTERS

Jos - Bomben explodierten, eine Kirche ging in Flammen auf - es starben Dutzende Menschen, als Heiligabend in Nigeria die Gewalt zwischen Muslimen und Christen eskalierte.

Ein Vertreter der nigerianischen Regierung erklärte am Montagabend, dass es bei den blutigen Auseinandersetzungen in den Städten Jos und Maiduguri mehr Tote gegeben habe als bisher angenommen. In Jos seien bislang 80 Leichen geborgen worden. Zunächst war von 38 Toten die Rede gewesen. Zwei Verdächtige wurden nach offiziellen Angaben am Montag festgenommen.

Aufgebrachte Jugendliche hatten in der Stadt Jos Straßensperren errichtet, Passanten angegriffen und Häuser sowie einen Lastwagen in Brand gesteckt. Im nordnigerianischen Maiduguri hatten mutmaßliche Mitglieder einer islamistischen Gruppierung drei Kirchen angegriffen, ein Gotteshaus brannte nieder.

Die Behörden vermuten die islamistische Boko-Haram-Sekte hinter dem Angriff auf die Kirchen. Die Gruppe wird seit dem vergangenen Jahr für eine Serie religiös motivierter Attacken im Norden des Landes verantwortlich gemacht.

Nigeria ist in einen christlich dominierten Süden und einen muslimisch geprägten Norden geteilt. Jos gilt als Zentrum des sogenannten Mittelgürtels in Nigeria, wo zahlreiche ethnische Gruppen um politische und wirtschaftliche Kontrolle kämpfen. Religiös motivierte Gewalt hat dort in diesem Jahr mehr als 500 Menschen das Leben gekostet. Allein im Januar wurden in der Stadt und umliegenden Dörfern mehr als 300 Menschen getötet, die meisten von ihnen Muslime.

hen/Reuters/dpa/dapd



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