Reporter-Schreck Rumsfeld "Wollen Sie mich anbrüllen oder ein Interview führen?"

Für seinen knallharten Politikstil war er gefürchtet, jetzt bekam ein Reporter den Furor von Donald Rumsfeld zu spüren: Der Journalist des arabischen Senders al-Dschasira stellte dem früheren US-Verteidigungsminister unbequeme Fragen - und das Gespräch eskalierte vor laufender Kamera.

Aufgeregter Rumsfeld auf al-Dschasira (Screenshot YouTube): "Das hier ist sinnlos"
Al Jazeera

Aufgeregter Rumsfeld auf al-Dschasira (Screenshot YouTube): "Das hier ist sinnlos"


Washington/Doha - Die Beziehung zwischen dem früheren US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und al-Dschasira war schon länger gestört. Auf dem Höhepunkt des Irak-Kriegs hatte Rumsfeld dem arabischen Nachrichtensender vorgeworfen, mit seiner Berichterstattung islamistische Terroristen anzustacheln: Durch die Ausstrahlung von Videos, in denen Aufständische im Irak ausländische Geiseln enthaupten, würden Extremisten zu weiteren Aktionen ermutigt.

Jetzt krachte es wieder zwischen Rumsfeld und dem Sender - diesmal vor laufender Kamera. Ein Gespräch zwischen Abderrahim Foukara, dem Leiter des Dschasira-Büros in Washington, und dem Politikveteran eskalierte zum hitzigen Schlagabtausch, bei dem es schnell nicht mehr um die Sache ging.

Am Donnerstag stellte der Sender einen Ausschnitt des Interviews auf YouTube: Foukara fragt darin den Ex-Pentagon-Chef, ob der sich für die vielen toten Zivilisten im Irak mitverantwortlich fühle. Anscheinend seien 130.000 Soldaten nicht genug gewesen, um das Chaos einzudämmen und einen Bürgerkrieg zu verhindern. Auch im US-Verteidigungsministerium, so der Journalist, habe es früh Warnungen gegeben, dass die Stärke der Truppen nicht ausreiche.

"Sie stellen falsche Tatsachen in den Raum", sagt Rumsfeld zwar sichtlich angesäuert, aber beherrscht. Niemand im Pentagon habe jemals behauptet, es gebe nicht genug Soldaten im Irak.

Foukara hakt nach: "Also war die Zahl der Soldaten im Irak angemessen?"

"Wollen Sie mich anbrüllen, oder wollen Sie ein Interview?", entgegnet Rumsfeld. Es entspinnt sich ein Wortgefecht zwischen den Männern, beide unterbrechen sich sekundenlang gegenseitig und fuchteln mit den Armen.

"Warum sollte ich tun, was Sie wollen?"

Dann wagt der Moderator noch einen Versuch: "Ich stelle noch einmal die Frage: War die Zahl der Truppen angemessen - und waren sie in der Lage, den Tod von vielen Zivilisten zu verhindern?"

"Sie bewerten meine Antworten auf abschätzige Weise", sagt Rumsfeld ausweichend. "Nein, ich respektiere Ihre Antworten", beschwichtigt Foukara. "Das tun Sie offensichtlich nicht, das liegt nicht in Ihrer Natur. Ich sehe, dass Sie das hier genießen."

Es folgt ein weiteres Wortgemenge: "Sie haben mich als Mitarbeiter von al-Dschasira gerade verunglimpft, aber das ist in Ordnung. Geben Sie mir einfach eine klare Antwort", sagt Foukara, woraufhin Rumsfeld kontert: "Warum sollte ich tun, was Sie wollen?"

Foukara wiederholt seine Frage in den folgenden Minuten immer wieder, aber Rumsfeld geht nicht mehr darauf ein. "Das hier ist sinnlos. Das ist kein Interview. Sie lassen nur Ihre Tiraden auf mich los."

Wie Reporter und Rumsfeld im Anschluss an das Gespräch auseinandergingen, ist nicht bekannt. Der Sender veröffentlichte das Video zum Interview kommentarlos auf YouTube, mit dem nüchternen Titel "Rumsfeld in hitziger Konversation mit al-Dschasira". Der frühere Pentagon-Chef tourt seit Monaten durch Fernsehstudios, um seine Memoiren zu promoten - den jüngsten Auftritt dürfte er möglicherweise bereut haben.

amz



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micha7755 06.10.2011
1. Meinung
hallo, ich bin der Meinung, dass Donald Rumsfeld es übertreibt. Der arme Reportrer. Die Überschrift des Artikels trifft es echt. - Schreiben oder Interview? - Als Politiker sollte man sich echt besser unter kontrolle haben! liebe grüße
BingoBongoMan 06.10.2011
2. Verbrechr interviewt man nicht
Der Reporter täte gut dran dem Herren die Fresse zu polieren, statt ihm immer wieder die Frage zu stellen, ob er ein Kriegsverbrecher sei! Rumsfeld ist ein Verbrecher und gehört ins Gefängnis, da will ich persönlich keine Interviews von ihm sehen!
keinzeitungsleser 06.10.2011
3. also Sammthandschuhe...
Zitat von sysopFür seinen knallharten Politikstil war er gefürchtet, jetzt bekam ein Reporter den Furor von Donald Rumsfeld zu spüren:*Der Journalist des arabischen Senders al-Dschasira stellte dem früheren US-Verteidigungsminister unbequeme Fragen - und das Gespräch eskalierte vor laufender Kamera. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,790214,00.html
Ja. Und ich bin verstehe, nicht warum der Spiegel vor ein par Wochen Rumsfeld im Interview sehr bequeme Fragen gestellt hat. Ebenso neulich Dick Cheney. Beide wurden mit "Mr. Secretary" bzw. mit "Mr. Vice President" angeredet. Diese Kriegstreiber, die abertausende Menschen mit auf dem Gewissen haben...
Morrissey74 06.10.2011
4. ...
Da fällt mir doch wieder der oft gehörte Satz meines Opas ein: "Wer schreit hat unrecht.". Bei fragwürdigen Gestalten wie Rumsfeld und seiner Kriegsverbrecherkollegen gilt der Satz auch im Falle des totalen Schweigens. Wäre Gerechtigkeit nicht nur ein Wort, müsste die Verbrecherregierung von damals geschlossen vor den Kadi.
matthias_b. 06.10.2011
5. Heißer Tipp
Zitat von BingoBongoManDer Reporter täte gut dran dem Herren die Fresse zu polieren, statt ihm immer wieder die Frage zu stellen, ob er ein Kriegsverbrecher sei! Rumsfeld ist ein Verbrecher und gehört ins Gefängnis, da will ich persönlich keine Interviews von ihm sehen!
Wenn Sie das Interview nicht sehen wollen, habe ich einen ganz heißen Tipp für Sie: Nicht auf den Link klicken!
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