Parteitag der US-Republikaner Auftakt zu Trumps chaotischer Krönungsmesse

Vier Tage lang tagen die Republikaner in Cleveland, um Donald Trump offiziell zum Präsidentschaftskandidaten zu küren. Was passiert auf dem Treffen? Was ist von Trump selbst zu erwarten - und was von seinen Gegnern?

AFP

Aus Cleveland berichten und


Hauptsache Show - dieses Motto zieht sich seit Monaten durch den Wahlkampf von Donald Trump. Auch beim Parteitag in Cleveland soll es nach dem Willen des Milliardärs unterhaltsamer zugehen als bei bisherigen Terminen dieser Art. Manche Republikaner fürchten, dass die innere Spaltung der Partei die Stimmung mächtig stören wird. Aber immerhin: Der Auftakt war ganz im Sinne Trumps. Mit einem großen Feuerwerk wurden am Sonntagabend die eintreffenden Delegierten begrüßt.

  • Worum geht es in Cleveland?

Das Treffen in der nach einer Online-Hypothekenfirma benannten Quicken Loans Arena bringt diese Woche 50.000 Besucher nach Cleveland, darunter 2473 Delegierte. Im Mittelpunkt des Nominierungsparteitags steht Trumps formelle Wahl zum Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner. Zu einer lange befürchteten Kampfkandidatur dürfte es dabei nicht kommen, da sich Trump bei den Vorwahlen die Mehrheit der Delegierten gesichert hat.

US-Parteitage sind gewaltige Inszenierungen, die einen Wahlkampf über Nacht verändern können. Der Auftritt des 70-Jährigen ist fürs Finale am Donnerstagabend geplant. Wie viel Schwung das der Partei jedoch geben wird, ist fraglich - die Republikaner sind so gespalten wie lange nicht.

  • Was ist Trumps Kalkül?

Trump steht unter großem Druck: Er muss ganz Amerika ansprechen, nicht mehr nur seine 16,5 Millionen Vorwahl-Fans. Ihm wird es also darum gehen, sich anders zu präsentieren als bisher. Präsidialer, konzentrierter, vielleicht sogar weicher. Trump, der Mensch: Dazu bringt er seine Familie mit, seine Frau und seine Kinder haben allesamt prominente Redeplätze.

Zugleich wird Trump aber wohl auch jene harte Seite zeigen, die ihn so populär machte. Vor allem nach dem Anschlag in Nizza und den jüngsten Polizisten-Morden in Baton Rouge dürfte ein Hauptaugenmerk des Parteitags deshalb auf der Außen- und Sicherheitspolitik liegen. Trump, der Law-and-Order-Kandidat. Auch wird es heftige Angriffe auf Hillary Clinton geben - das ist der einfachste Weg, die Partei in Stimmung zu bringen und Geschlossenheit zu suggerieren.

  • Wer kommt, wer spricht, wer jubelt?

Bis vor Kurzem träumte Trump noch von einem besonders spektakulären Parteitag. Unkonventioneller, interessanter, unpolitischer: Er wollte Größen aus Hollywood, dem Entertainment und dem Sport auf die Bühne bringen.

Doch Trump hat Mühe, eine halbwegs vorzeigbare Phalanx aus Unterstützern zu engagieren. Neben einer überschaubaren Zahl an Parteipromis treten unter anderem ein Casino-Manager auf, der Chef eines Trump-Weinguts, der konservative Tech-Investor Peter Thiel und Ex-Unterwäsche-Model Antonio Sabato Jr. Auch frühere Rivalen wie Evangelikalen-Darling Ted Cruz und Wisconsins Gouverneur Scott Walker sind dabei. Footballstar Tim Tebow dagegen, der auf der Rednerliste landete, dementierte einen Auftritt. Und Tea-Party-Ikone Sarah Palin aus Alaska kommt nicht, weil Cleveland "zu weit weg" sei.

  • Was machen Trumps Kritiker?

Viele Republikaner bleiben absichtlich fern. Die beiden Ex-Präsidenten des Bush-Clans haben dankend abgesagt, ebenso Mitt Romney, der Kandidat von 2012, und viele Kongressmitglieder. Senator Jeff Flake will zur Zeit des Parteitags "Rasen mähen", Kollege John McCain wandert am Grand Canyon.

Die #NeverTrump-Bewegung, die Trump auf dem Parteitag noch stürzen wollte, ist trotzdem gescheitert. Die Rebellen hofften, die Delegierten von den Vorwahlergebnissen zu "entbinden", damit sie "nach ihrem Gewissen" abstimmen und Trump die Mehrheit doch noch hätten versagen können. Dieser Plan platzte aber, als der Regelausschuss des Parteitags ihn ablehnte.

  • Wird es noch andere Proteste geben?

Viel brisantere Proteste werden vor der Halle erwartet. Abertausende teils rivalisierende Demonstrantengruppen haben sich angesagt: Rechtsradikale, "Black Lives Matter"-Sympathisanten, "100 nackte Frauen gegen Trump". Viele wollen Schusswaffen tragen, gemäß den laxen Waffengesetzen Ohios.

Cleveland hat rund 5000 Polizisten mobilisiert, samt Kampfausrüstung, stählernen Schlagstöcken, schusssicheren Westen und 10.000 Plastikhandschellen. Ein Dutzend Haftrichter sollen die Verhafteten rund um die Uhr abfertigen, in Zehn-Stunden-Schichten. Auch wurde in den Gefängnissen Platz geschaffen, um fast 1000 Demonstranten gleichzeitig unterbringen zu können.

  • Was geschieht nach dem Parteitag?

Unmittelbar nach dem Parteitag geht der US-Wahlkampf richtig los. Trump und sein Vize Mike Pence werden kreuz und quer durchs Land ziehen. Wobei - wie bei allem, was Trump macht - unklar bleibt, wie gut das durchdacht ist.

Kommende Woche beginnt zugleich der Wahlparteitag der Demokraten in Philadelphia, auf dem Hillary Clinton zur ersten Präsidentschaftskandidatin in der US-Geschichte gekrönt werden soll. Im Gegensatz zum Chaos von Cleveland läuft das viel traditioneller, professioneller ab - und weniger spannend. Unter den Rednern: US-Präsident Barack Obama, First Lady Michelle Obama, Bill und Chelsea Clinton sowie Hillary Clintons Vorwahlrivale Bernie Sanders.

insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
ackergold 18.07.2016
1.
Eine Frage hätte ich noch: Wozu braucht man 5000 Polizisten, wenn eh alle eine Waffe tragen dürfen und sich selbst verteidigen können, so wie die NRA es sich wünscht? Das ist dann doch wohl sinnlos rausgeschmissenes Staatsgeld.
Winniethepuuh 18.07.2016
2. Vermutlich
werden sich auch organisierte Saalschläger dort einfinden. Das große Halali der Medien kommt ja jetzt auch in die heiße Phase. Allzu ängstlich sieht das Establishment zu, wie ihre Wahlkandidatin Clinton schwimmt. Ich fürchte, es wird auch noch übleres passieren.
ackergold 18.07.2016
3.
Zitat von Winniethepuuhwerden sich auch organisierte Saalschläger dort einfinden. Das große Halali der Medien kommt ja jetzt auch in die heiße Phase. Allzu ängstlich sieht das Establishment zu, wie ihre Wahlkandidatin Clinton schwimmt. Ich fürchte, es wird auch noch übleres passieren.
Sie meinen ernsthaft, die Clinton würde Rollkommandos dort hinschicken, um mal kräftig aufzuräumen? Fast möchte man "leider" sagen, aber das ist doch wohl mehr als absurd. Außerdem werden die Waffenträger sich schon selbst verteidigen. Wozu also Polizei?
Bhur Yham 18.07.2016
4.
Clinton wird die Eskalationsspirale gegen Russland weder beenden noch verringern, weil sie Teil derselben ist. Das sieht man schon an ihrem auserkorenen Vize, General Stavridis. Der war überall beteiligt, wo es um Destabilisierung und gegen Russland ging. Trump liebäugelt auch mit einem General, allerdings einen, für den die Zusammenarbeit mit Russland an erster Stelle steht. Soviel zu dem, was von beiden Präsidentschaftskandidaten zu erwarten ist.
novalis28 18.07.2016
5. Genau,
alles, was Trump macht ist nicht durchdacht. Ganz anders H.Clinton, die geheime Mails auf ihrem privaten Server speichert. Ein Ausbund an Weisheit und Cleverness.
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