Republikaner-Debatte Clash der Kandidaten

Schluss mit der Schonzeit: Erstmals gehen die Präsidentschaftsbewerber der Republikaner aufeinander los. Die Favoriten Giuliani und Romney bekommen plötzlich Druck - ein Liebling der religiösen Rechten profitiert.

Von , St. Petersburg, Florida


Rudy Giuliani guckt noch nicht einmal rüber zu Mitt Romney, als er seine Bombe zündet. Er weiß, dass jetzt jedes Wort genau sitzen muss, deswegen starrt er konzentriert geradeaus.

Romney hat ihm gerade vorgeworfen, als Bürgermeister habe er New York in eine Zufluchtsstätte für illegale Einwanderer verwandelt. Für Giuliani ein heikles Thema - er hat selbst italienische Vorfahren und vertritt eine weit liberalere Haltung als die meisten seiner Mitbewerber. Jetzt, in der Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber, setzt er zum Konter an: "Wenn man meine Stadt als Zufluchtsstätte sieht, dann hat Romney doch ein Zufluchtshaus geschaffen." Er habe als Gouverneur in Massachusetts bei der Renovierung seiner Residenz selber illegale Immigranten beschäftigt.

Das sitzt. Romney scheint einen Moment lang gar nicht glauben zu können, dass Giuliani das wirklich gesagt hat.

Rivalen Romney, Giuliani: Der Kampf hat begonnen
REUTERS

Rivalen Romney, Giuliani: Der Kampf hat begonnen

"Bürgermeister, das wissen Sie doch besser", sagt er dann, doch Giuliani ruft nur störrisch: "Nee." - "Dann hören sie zu!", entgegnet Romney lauter und beginnt eine langatmige Erläuterung, wie sich die illegalen Einwanderer in seine Residenz verirrt hätten. Und überhaupt: Solle er die Papiere von jedem überprüfen, der bei ihm arbeite und einen komischen Akzent habe? Romney redet, aber er hat keine Chance mehr - Giuliani brummelt einfach weiter vor sich hin: "Sie haben illegale Einwanderer direkt unter Ihrer Nase beschäftigt."

Plötzlich ist bei den Republikanern Kampf angesagt

Erst als Romney fast schreit, gönnt Giuliani ihm endlich einen Blick. So etwas müsse Romney schon aushalten, wenn er sich so gern als Heiliger darstelle, zischt er giftig.

Fünf Minuten dauert das Schlachtfest, und es ist ein Wendepunkt im Präsidentschaftswahlkampf der Republikaner. Bisher mussten alle Bewerber heftige Kritik von Experten und Parteifreunden einstecken: Sie seien zu wenig inspirierend. Doch die Kritik schien sie eher noch zusammenzuschweißen. Allesamt erinnerten sie in ihren Debatten lieber nostalgisch an Ronald Reagan oder verdroschen verbal Senatorin Clinton. Persönliche Attacken wie bei den Demokraten zwischen Hillary Clinton, Barack Obama und John Edwards waren die Ausnahme.

Jetzt aber, knapp fünf Wochen vor der ersten Vorwahl in Iowa, fahren sie die Ellenbogen aus.

Die Republikaner haben noch keinen sicheren Favoriten für die Kandidatur. Zwar führt Giuliani deutlich in den meisten nationalen Umfragen. Doch in den beiden ersten wichtigen Vorwahlstaaten, Iowa und New Hampshire, liegt Mitt Romney deutlich vor ihm. In Iowa hat sich sogar Mike Huckabee, der ehemalige Gouverneur von Arkansas, in manchen Befragungen an die Spitze gesetzt - er gilt als Liebling der religiösen Rechten. Denen ist Giuliani mit seiner liberalen Haltung zu Abtreibung und Schwulenehe nicht geheuer und Romney ebenso wenig wegen seines mormonischen Glaubens.

"Die versuchen ja heute alle, mich zu übertreffen"

Und nun dieser schmutzige Schlagabtausch in der Fernsehdebatte von CNN und YouTube. Bürger durften für die Sendung per Internet-Videos Fragen an die Bewerber richten, 5000 haben sich gemeldet, und gleich mehrere drehten sich um die Einwanderungspolitik. Warum bekommen Kinder illegaler Immigranten Nachlässe bei College-Gebühren? Werden die Bewerber versprechen, als Präsident niemals eine Amnestie für illegale Einwanderer zu unterzeichnen?

Lautstark versprechen daraufhin Kandidaten wie der Ex-Senator Fred Thompson mehr Beschränkungen - der radikale Außenseiter Tom Tancredo kann auf der Bühne sein Glück kaum fassen. Er hat den Kampf gegen die Einwanderung zum Schwerpunkt seiner Kampagne gemacht, er ruft nun begeistert: "Die versuchen ja heute alle, mich zu übertreffen."



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