Republikaner-Parteitag Trumps Sekte

Das Treffen der Republikaner war ein Debakel: Die Partei steht nicht geschlossen hinter ihrem Kandidaten. Aber das kann Trump egal sein.

Parteitag in Cleveland
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Parteitag in Cleveland

Ein Kommentar von , Cleveland


Eine der wichtigsten Gebräuche amerikanischer Parteitage ist es, am Ende Luftballons von der Hallendecke regnen zu lassen. Das Publikum verschwindet in einem bunten Meer, die Musik spielt und der Kandidat winkt, es herrscht Partystimmung und das Weiße Haus scheint ganz nah.

Selten wirkte diese Schlussszene aufgesetzter als in diesem Jahr beim Republikaner-Parteitag in Cleveland. Zu besichtigen war eine Partei in so jämmerlicher Verfassung, dass man sich fragt, wie sie überhaupt einen Wahlkampf zustande bringen soll. Zu keinem Zeitpunkt schien Donald Trump wirklich die Kontrolle über die Geschehnisse zu haben. Was erstaunlich ist. Jemand, der US-Präsident werden will, sollte es vielleicht gerade so hinkriegen, seine Partei hinter sich zu sammeln. Würde man meinen.

Video vom Parteitag - Trumps Märchenstunde:

Das Rennen ist gelaufen, sagen viele, game over. Aber ganz so einfach ist es nicht. Nur weil die Grand Old Party zerrüttet ist, heißt das nicht, dass Trump am 8. November die Wahl verliert. Die Partei hatte für den Milliardär noch nie große Bedeutung, ganz im Gegenteil. Er ist groß geworden, weil er sie zerstörte, weil er sie zum Sinnbild einer entfremdeten und korrupten Politik machte. Trump braucht die Republikaner nicht. Er hat seine eigene Sekte, seine harten Fans innerhalb und außerhalb der Partei.

Weiß, alt, eigenwilliges Verhältnis zur Wahrheit

Trumps Sekte ist eine bemerkenswerte Truppe, seine Anhänger sind sehr weiß, sehr alt und haben ein eigenwilliges Verhältnis zur Wahrheit. Die Sekte glaubt, dass die Plagiatsvorwürfe gegen seine Ehefrau Melania eine Verschwörung liberaler Medien sind. Sie glaubt, dass der Rächer Ted Cruz dem Kandidaten mit seinem Auftritt geholfen hat, weil er die Selbstverliebtheit der Washingtoner Berufspolitiker zeige. Und sie glaubt an die fantastischen Versprechen ihres Führers: Dass verlorene Arbeitsplätze zurückkommen werden, dass Trump alle äußeren Gefahren abwehren kann und dass die Mauer an der Grenze zu Mexiko die Einwanderung stoppen wird.

Zitate vom Republikaner-Parteitag

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Ihre Hassfigur ist Hillary Clinton. Sie hat aus Sicht der Sekte den Untergang Amerikas in Planung. Nichts hält die Trump-Bewegung so sehr zusammen wie die Feindschaft zur Demokratin - und die Angst. Vor Tod und Zerstörung, vor Gewalt und wirtschaftlichem Kollaps. In Cleveland wurde Amerika als Land gezeichnet, dem es sehr schlecht geht. In der Trumpschen Weltuntergangsrhetorik scheinen die USA dem failed state Südsudan ähnlich zu sein, dabei sind sie die größte westliche Demokratie.

Trump hofft auf Dynamik aus dem Vorwahlkampf

Seine Sekte soll Trump jetzt zum Sieg tragen. Er hofft auf die Dynamik aus dem Vorwahlkampf. Je stärker er unter Druck steht, desto mehr scheint die Sekte an ihren Chef zu glauben. Und je mehr die Sekte an ihren Chef glaubt, desto stärker glaubt der Chef an den Sieg. "Wir werden gewinnen", sagt Trump. "Und zwar schnell."

Chancenlos? Mag sein. Im Moment sieht es den Zahlen nach so aus, als bräuchte er im November ein Wunder, um zu gewinnen. In keiner der großen Umfragen liegt er derzeit vor Hillary Clinton, auch in den umkämpften Staaten sieht es schlecht aus. Und das Treffen der Demokraten in der kommenden Woche wird zu einer großen Show: Der Präsident spricht, seine Frau, sein Vize, Bernie Sanders. Alle werden sie sich hinter Clinton sammeln, es wird das perfekte Gegenbild zum Chaos von Cleveland.

Aber noch sind es dreieinhalb Monate. Und ein gescheiterter Parteitag kann schnell vergessen sein. Vor allem in der Welt von Trumps Anhängern, in der die Partei ohnehin nichts zählt.

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Parteitag der US-Republikaner: Trump spricht, der Saal applaudiert
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scoopx 22.07.2016
1. Ach was, Leute.
Trump will gar nicht Präsident werden. Der Job wäre ihm viel zu anstrengend, er weiß daß er sich in Detailfragen verheddern würde und unfähig wäre, sich aus Krisen und Pannen herauszureden. Zudem ist ihm das Weiße Haus zu klein und eng, es wäre wie wenn unsereiner in eine Gartenhütte ziehen müßte. Nein, sein Ziel ist die Zertrümmerung des politischen Establishments. Das wollte Obama auch, aber ihm ist es nicht gelungen, und ich wette, er wiehert wie ein Gaul wenn er sich die Berichte vom republikanischen Nominierungsparteitag ansieht. Beide, Trump und Obama, wissen wie sehr die konservative politische Kaste dem Land geschadet hat. Sie alle werden auf der Strecke bleiben: die Republikanische Partei, die Koch-Brüder, Fox-News, Rupert Murdoch, Rush Limbaugh und vor allem die vielen religiösen Fanatiker. Trump hat es geschafft, sie alle zu überbieten, zu parodieren, ins Lächerliche zu ziehen und sie als Unfähige oder Gauner hinzustellen - und vor allem: ihnen die politische Gefolgschaft zu nehmen. "We will make America great again" - nicht durch die Präsidentschaft, sondern indem wir dieses ganze Pack zum Teufel jagen.
Neandiausdemtal 22.07.2016
2. Ja toll,........
Zitat von scoopxTrump will gar nicht Präsident werden. Der Job wäre ihm viel zu anstrengend, er weiß daß er sich in Detailfragen verheddern würde und unfähig wäre, sich aus Krisen und Pannen herauszureden. Zudem ist ihm das Weiße Haus zu klein und eng, es wäre wie wenn unsereiner in eine Gartenhütte ziehen müßte. Nein, sein Ziel ist die Zertrümmerung des politischen Establishments. Das wollte Obama auch, aber ihm ist es nicht gelungen, und ich wette, er wiehert wie ein Gaul wenn er sich die Berichte vom republikanischen Nominierungsparteitag ansieht. Beide, Trump und Obama, wissen wie sehr die konservative politische Kaste dem Land geschadet hat. Sie alle werden auf der Strecke bleiben: die Republikanische Partei, die Koch-Brüder, Fox-News, Rupert Murdoch, Rush Limbaugh und vor allem die vielen religiösen Fanatiker. Trump hat es geschafft, sie alle zu überbieten, zu parodieren, ins Lächerliche zu ziehen und sie als Unfähige oder Gauner hinzustellen - und vor allem: ihnen die politische Gefolgschaft zu nehmen. "We will make America great again" - nicht durch die Präsidentschaft, sondern indem wir dieses ganze Pack zum Teufel jagen.
......und dann? An der ganzen Misere, fast auf der ganzen Welt, ist der Finanzkapitalismus schuld. Wie kriegt man den weg? Und was dann? Eine Lösung wäre eine echte soziale Marktwirtschaft, die leider innerhalb der geltenden Strukturen nicht mehr durchsetzbar sein wird. Fazit : Trump ist zu nichts Nutze, außer vielleicht als Untergangskatalysator.
Freidenker10 22.07.2016
3.
Trump wird sicherlich nicht gewählt, aber das schlimme ist, das Clinton auf ihre Art kein bisschen besser ist. Nach 8 jahren Clinton würde die Welt sicherlich nur noch von den Banken regiert werden...
spon-facebook-1393188940 22.07.2016
4. Langweilig
die einseitige "Berichterstattung" von Pitzke und Medick. Ich bin nicht gerade ei Trumpfan, aber ein wenig mehr Differenziertheit und Abstand haette ich mir von deutschen Reportern, die doch eigentlich keine politischen Aktien im Spiel haben sollten, schon gewuenscht. Doch sogar wenn fuer die GOP Abraham Lincoln antreten wuerde, und die Dems nur einen blauen Besenstil finden koennten - Medick und Pitzke waeren 100% pro Dems ...
1smiler1 22.07.2016
5. vielleicht
nur vielleicht haben Wähler auch die ganzen Showman und Schönwetterredner satt? Ein Sanders war ja auch erfolgreich ohne den sonst üblichen Zirkus. Mag sein das es für die Eliten dazu gehört aber evtl. juckt es die Wähler nicht mehr. mal schauen was und das letzte Jahr vor der BTW bringt und ob bei uns die ewig gleichen Shows noch ziehen. Brexit-Befürworter AfD-Wähler Trump-Wähler LePen Ist der Westen plötzlich verdummt oder haben die Etablierten den Bogen überspannt? Wehe am Ende reicht ein " nur die nicht mehr" dann ist Trump Präsident. Clintons bestes Pfund die Sanders Leute ansonsten...
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