Parteitag US-Republikaner Rebellen vermasseln Trump die Show

"Aye!" "Nay!" Beim Auftakt des Parteitags der US-Republikaner in Cleveland kommt es zu Tumulten. Innerparteiliche Gegner Donald Trumps starten einen letzten Versuch, seine Nominierung zu stoppen.

REUTERS

Aus Cleveland berichten und


Es ist kurz nach 10 Uhr am Abend, als Donald Trump noch einen Überraschungsauftritt hinlegt. Er zeigt sich auf der Parteitagsbühne, schreitet langsam in Richtung Rednerpult, reckt die Daumen in die Höhe und ruft: "Wir werden gewinnen. Wir werden ganz groß gewinnen!" Das wars. Es ist die Einführung für seine Ehefrau Melania, die gleich ihren großen Aufritt haben wird.

Schräg? Klar, aber es ist einiges schräg an diesem ersten Tag jenes Treffens, an dessen Ende Donald Trump der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner sein soll. Die gute Nachricht für ihn ist: Wahrscheinlich wird er es. Die schlechte Nachricht ist: Der Auftakt ging schief.

Statt eines Signals der Geschlossenheit und ein paar optimistischer Botschaften offenbaren gleich die ersten Stunden, wie zerstritten die Republikaner sind. In der Halle brechen offene Flügelkämpfe aus, im Hintergrund befehden sich wichtige Strategen, thematisch geht es düster zu. Die Redner sprechen von Krieg und Terrorismus, von illegaler Einwanderung und Amerikas Absturz. Es ist, das muss man sagen, keine besonders hoffnungsvolle Veranstaltung. Melania hin oder her.

Auftakt zum Sabotageakt

Bereits um 4 Uhr nachmittags, wenige Stunden nach Eröffnung des Treffens, wird es unter den Delegierten hektisch. Trumps Gegner versuchen, andere Delegierte in ihr Lager zu ziehen. Sie wollen einen letzten Anlauf starten, um die Wahl des 70-Jährigen zu sabotieren.

Wochenlang haben sie schon versucht, die Regeln zu ändern, nach denen die Delegierten an die Ergebnisse der Vorwahlen und damit mehrheitlich an Trump gebunden sind. Die Verhandlungen in den Hinterzimmern sind gescheitert - jetzt versuchten sie es mit einem offenen Disput.

Video vom Parteitag: Ein Kuss, viel Chaos

Trumps Parteitagsmanagement wird kalt erwischt. Neun Staaten haben sich für das Manöver verbündet, sie erzwingen eine Abstimmung über ihren Plan. Das Problem: Traditionell gewinnt auf Parteitagen das Lager, das lauter ruft. So auch in Cleveland. Steve Womack, Kongressabgeordneter und ein früher Anhänger des Milliardärs, ruft zum Votum.

Die Trump-Fans schreien "Aye", die Trump-Gegner "Nay" und obwohl am Ende die Sache nicht ganz eindeutig ist, erklärt Womack das Trump-Lager per goldenen Hammer zum Sieger. Rumms. Die Rebellen sind entsetzt, die Delegationen von Colorado und Iowa verlassen den Saal. "U-S-A" schallt es ihnen hinterher. In der Arena herrscht eine feindselige Atmosphäre.

Der Ärger der Trump-Gegner

Trumps Anhänger feiern noch, als einige der Anführer des Widerstands auf den Fluren ihrem Ärger freien Lauf lassen. "Da waren viele Unterstützer von Trump, die keine Faschisten sind, aber uns wie Faschisten niedergeschrien haben", sagt der frühere Senator Gordon Humphrey. Er hatte bei der Republikanischen Partei den Antrag eingereicht und die Unterschriften aus den Bundesstaaten zusammengetragen.

Die Parteitagsregie bügelt den Antrag auch damit ab, dass angeblich drei Bundesstaaten ihre Unterschriften zurückgezogen hätten. "Wir haben keine Ahnung, welche Staaten das sein sollen", schimpft Humphrey. "Sie geben uns keine Auskunft, sie wollen uns einschüchtern." Humphrey nennt Trumps Leute "Braunhemden", historisch kein ganz unkomplizierter Begriff.

Andere Widerständler sind ähnlich aufgebracht. "Wir leben doch nicht in einer Diktatur oder in einer Bananenrepublik", ruft Kendal Unruh, eine der Anführerinnen der Trump-Gegner und Delegierte aus Colorado. "So was habe ich in meiner gesamten Karriere noch nicht erlebt", schimpft Mike Lee, Senator aus Utah.

Ein schlechtes Omen

Die Trump-Gegner beteuern in Cleveland, dass ihr Kampf weitergehe. Aber das dürfte Wunschdenken sein. Faktisch ist die innerparteiliche Opposition am Ende angekommen. Das ist schön für Trump, er wird am Mittwoch aller Voraussicht nach gewählt werden. Aber das überraschend rigorose Aufbäumen seiner Gegner in Cleveland ist kein gutes Omen für den weiteren Verlauf seines Wahlkampfs. Eine Partei in Unordnung ist nicht wirklich hilfreich im Rennen ums Weiße Haus.

Auch ansonsten ist der Premierentag mehr von Zerwürfnissen geprägt als von Einigkeit. Trumps Lager liefert sich über die Medien einen heftigen Streit mit dem Lager von John Kasich. Der Gouverneur von Ohio, der im Vorwahlkampf einer von Trumps Rivalen war, hat für den Parteitag abgesagt - obwohl er gewissermaßen bei ihm zu Hause stattfindet.

Ein Affront, finden die Leute des designierten Kandidaten. "Er blamiert seine Partei", schimpft Trumps Wahlkampfchef Paul Manafort: "Das ist dumm, dumm, dumm." Kasich schickt wenig später seinen Vertrauten John Weaver vor, um zu kontern. "Er hat aus Kiew echte Professionalität mitgebracht", stichelt Weaver in Anlehnung an ein Berater-Engagement Manaforts in der Ukraine vor einigen Jahren.

Am Ende ist es Melania Trump, die versuchen muss, die Wunden zu heilen. Sie redet lang und nett. Einen Satz hat sie sich besonders zurechtgelegt. "Mein Mann", ruft sie "will ein Präsident für alle Menschen sein."

Noch ist er nicht einmal Kandidat für alle Republikaner.

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insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
paulpuma 19.07.2016
1.
tendenziöser Bericht. Lief doch gar nicht schlecht für Trump.
frenchie3 19.07.2016
2. Wie ist das später bei Abstimmungen?
Gibt es dort auch den grundgesetzwidrigen Fraktionszwang oder können die "Rebellen" bei der einen oder anderen Abstimmung mit der Konkurrenz stimmen? Da könnte am Ende gar mal was sinnvolles bei rauskommen, und sei es nur aus Trotz. Ich denk da nur mal an die Waffengesetze......
horstenporst 19.07.2016
3. Democracy made in USA
"Traditionell gewinnt auf Parteitagen das Lager, das lauter ruft." Damit ist alles gesagt.
Chefcook 19.07.2016
4. Zum Glück wurde Trump Kandidat...
... und kein zumindest marginal seriöserer Ted Cruz, der eine noch größere Gefahr für die USA darstellt.
Actionscript 19.07.2016
5. Trump's Strategie
Am ersten Tag hat sich gezeigt, daß in der Rep Partei keine Einigkeit herrscht. Das wirkt sich natürlich auf die Anzahl der Trump Wähler aus. Doch Trump muß siegen, um den nächsten Supreme Court Richter zu stellen. Von daher wird zum Teil Einigkeit in der Partei gespielt und selbst ein Kandidat wie Trump gefördert. Da Trump aber ein negativer Kandidat ist, ist die Strategie, Clinton als Kandidatin vollkommen zu verunglimpfen. Das geht soweit, daß sie als total unfähig (Bengazi Vorfall) In Sicherheitsfragen dargestellt wird. Auch die momentanen Terrorattentate wirken sich positiv für Trump aus, da er als befähigter in Sicherheitsfragen angesehen wird als Clinton, obwohl nicht klar ist wie er das anstellen will, bisher nur mit dummen Sprüchen. Dieser Strategie muss die demokratische Partei entgegenstehen.
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