Republikaner Romney Perfekter Gegner für Obama

Mitt Romney hat bei den Vorwahlen der US-Republikaner die Konkurrenz deklassiert und wird im Kampf ums Weiße Haus wohl gegen Barack Obama antreten. Die Strategen des Präsidenten haben sich seit Monaten auf Romney eingestellt - sie halten ihn für verwundbarer denn je.

Ein Kommentar von , Washington


Mitt Romney hat als Finanzguru ein Vermögen gescheffelt, also ist er mit Call-Optionsscheinen gewiss bestens vertraut. Diese Papiere wirken geheimnisvoll, funktionieren aber nach einem einfachen Prinzip: Der Schein-Inhaber wettet darauf, dass der Kurs einer Aktie nach oben geht. Tritt dies ein, ist das gut für den Besitzer dieser Aktie. Noch besser aber ist es oft für den Besitzer der Optionsscheine, der kann richtig abkassieren.

Barack Obama, der Mann im Weißen Haus, muss sich derzeit wie ein Mann mit jeder Menge Optionsscheinen fühlen. Seit langem hat er darauf gesetzt, dass Romney im Kampf ums Weiße Haus sein Gegner werden wird. Nun hat der Republikaner in Florida bei den Vorwahlen einen klaren Sieg errungen und wird von den Konservativen voraussichtlich zum Präsidentschaftskandidaten gekrönt.

Das ist schön für Romney. Und für Obama. Denn seine Strategen haben sich bereits seit Monaten auf Romney vorbereitet - und halten ihn nach den Republikaner-Schlammschlachten der vergangenen Wochen für verwundbarer denn je.

Drei Trümpfe hat Obama in der Hand:

Romney ist zu reich. Obamas Berater wussten, dass der Ex-Chef von Bain Capital ein außergewöhnlich erfolgreicher Geschäftsmann war, bis zu 250 Millionen Dollar schwer. Aber dass er auch so klingen würde, das konnten sie nicht ahnen. Mal klang es so, als mache es Romney Spaß, Leute zu feuern. Mal witzelte er über Kleingeld und meinte damit Redehonorare in Höhe von mehr als 300.000 Dollar. Und dann zierte er sich lange, seine Steuererklärungen mitsamt Details zu Konten in der Schweiz und auf den Cayman Islands zu veröffentlichen.

Romney wirkte in einem Amerika voller Abstiegsangst bisweilen so abgehoben wie Frankreichs berüchtigte Königin Marie Antoinette in den Monaten vor der Revolution.

Republikaner-Rivale Newt Gingrich konnte von dieser Schwäche nicht profitieren, weil er selbst Millionen Dollar als Lobbyist scheffelte. Außerdem nahmen ihm seine konservativen Parteifreunde Attacken auf Romneys Reichtum übel, sie witterten Verrat am Kapitalismus.

Doch Obama muss solche Scheu nicht haben. Als Präsident mag er Goldman Sachs gerettet haben, aber er ist immer noch ein Ex-Sozialarbeiter. Obama will in Zeiten der Occupy Wall Street-Bewegung die Abstimmung im November in ein Referendum über Amerikas soziale Spaltung verwandeln. Einen besseren Gegner als Romney hätte er sich dafür nicht wünschen können. Die Präsidentenberater werden den Republikaner unablässig als Vertreter der "Ein Prozent" bezeichnen - um so sicherzustellen, dass Romney keinesfalls 50 Prozent der US-Wähler erreicht.

Romney wirkt zu perfekt - noch perfekter als Obama. Es klingt bizarr: Aber ein Grund, warum Amerika Obama nicht uneingeschränkt liebt, mag darin liegen, dass er einfach zu perfekt wirkt. Seine Familie strahlt stets überglücklich, sein Körper ist in bestechender Form, sein Geist sowieso.

Ein Amerika im Aufbruch kann zu so einem Mann im Weißen Haus aufgucken wie einst zu John F. Kennedy. In einem Amerika im Abstieg ist derlei Perfektion vielen verdächtig.

Vielleicht erklärte diese Sehnsucht nach Imperfektion die Anziehungskraft des dreimal verheirateten Ehesünders Gingrich. "Das lässt mich wohl normaler erscheinen als jemanden, der perfekt wirkt", rühmte sich Gingrich frech - und zielte damit auf Obama ebenso wie auf Romney.

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Vorwahl in Florida: Romney nimmt Revanche
Denn auch der Republikaner tritt oft auf wie ein Politiker aus einem Hollywood-Drehbuch. Romneys Großfamilie passt bei Auftritten kaum auf die Bühne, alle haben strahlend weiße Zähne, alle scheinen vereint in tiefem Glauben.

"Wir werden sie nicht in Verlegenheit bringen", versicherte Romneys Gattin den Wählern. Aber gut möglich, dass Romney durch genau diese perfekte Langeweile auch Obama nicht in Gefahr bringen wird. Es fehlt der Kontrast.

Romney begeistert nicht. Größtes Problem der Demokraten ist, dass 2012 nicht 2008 ist. Damals träumten Obamas Anhänger vom Wandel. Dieser hat sich bislang nicht eingestellt - weswegen die Jungen, die Linken, die Schwarzen der Wahlurne fern bleiben könnten.

Nun wollen die Konservativen Obama ablösen. Doch Kandidat Romney lässt viele in der Partei kalt. "Er vermag seine eigenen Anhänger nicht zu begeistern", analysiert das Weiße Haus kühl in einem Memo.

Zittern Obamas Berater also gar nicht vor der Abstimmung im November? Natürlich tun sie das. Romneys Wahlkampf-Mannschaft ist beeindruckend effizient, seine Spendenkasse ist prall gefüllt. Trotz seiner unsensiblen Bemerkungen kann der Republikaner sich immer noch als Mr. Business präsentieren - im Gegensatz zu einem Präsidenten, dessen Wirtschaftskurs die Mehrheit der Amerikaner nicht mehr traut.

Mitt Romney hat durchaus eine reale Chance auf den Einzug ins Weiße Haus. Dennoch muss sich Spekulant Obama gerade ähnlich glücklich fühlen wie ein Investor, der vor langer Zeit Facebook-Anteile erworben hat.



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Seite 1
vegefranz 01.02.2012
1. Inhalt passt nicht zur Überschrift
die Überschrift des Artikels paßt - selbst wenn man zweimal liest - nicht zum Inhalt des Artikels
guntalk 01.02.2012
2. Ron Paul
Zwar hat Ron Paul Florida ausgelassen aber trotzdem würde ich mir etwas mehr Berichterstattung über diesen Kandidaten wünschen. Es reichen 10 Minuten einer Debatte und man muss zu dem Schluss kommen, dass Ron Paul mit Abstand der einzige Kanditat der Republikaner ist, der wählbar ist. Über seine Ansichten was Versicherung, Waffenbesitz und Abtreibung angeht kann man streiten, doch ist er der einzige der offen anspricht was Amerikas Probleme sind. Bei der vorherrschenden Berichterstattung, vorallem in den USA(logisch), könnte man zu dem Schluss kommen, dass alle TV-Sender einschließlich FOX-News auf eine zweite Amtsperiode Obamas hoffen. Wie sonst ist es zu erklären, das der einzige rational denkende und schon seit Jahren in der Politik tätige Kanditdat vollkommen ignoriert wird und man sich stattdessen auf einen Haufen Clowns und Millionäre konzentriert
HaioForler 01.02.2012
3.
Zitat von vegefranzdie Überschrift des Artikels paßt - selbst wenn man zweimal liest - nicht zum Inhalt des Artikels
Ich habs 3 Mal gelesen, es paßt wunderbar. Dennoch danke.
diwoccs 01.02.2012
4. arme USA
Zitat von vegefranzdie Überschrift des Artikels paßt - selbst wenn man zweimal liest - nicht zum Inhalt des Artikels
Trotz aller Fehler ist Obama der erste US Präsident, der die USA im sozialen Bereich in das 21. Jahrhundert führt- USA ist harter Kapitalismus des 19. Jahrhundert undhier gehört MR dazu. Obama ist der Präsident der immer grösser werdenden Zahl der Unterdrückten, der Verlierer-. Reicht das um zu gewinnen ?
diwoccs 01.02.2012
5. Ron Paul
Zitat von guntalkZwar hat Ron Paul Florida ausgelassen aber trotzdem würde ich mir etwas mehr Berichterstattung über diesen Kandidaten wünschen. Es reichen 10 Minuten einer Debatte und man muss zu dem Schluss kommen, dass Ron Paul mit Abstand der einzige Kanditat der Republikaner ist, der wählbar ist. Über seine Ansichten was Versicherung, Waffenbesitz und Abtreibung angeht kann man streiten, doch ist er der einzige der offen anspricht was Amerikas Probleme sind. Bei der vorherrschenden Berichterstattung, vorallem in den USA(logisch), könnte man zu dem Schluss kommen, dass alle TV-Sender einschließlich FOX-News auf eine zweite Amtsperiode Obamas hoffen. Wie sonst ist es zu erklären, das der einzige rational denkende und schon seit Jahren in der Politik tätige Kanditdat vollkommen ignoriert wird und man sich stattdessen auf einen Haufen Clowns und Millionäre konzentriert
wollen Sie meh Berichte über einen Kandidaten ohne die geringste Chance ?
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