Malbuch über US-Senator Ted Cruz Superheld für die Kids der Tea Party

Ted Cruz gilt als möglicher US-Präsidentschaftskandidat, einen Namen machte er sich als erzkonservativer Marathon-Redner. Jetzt kommt der republikanische Senator als Zeichentrickfigur daher: Ein Malbuch für Kinder preist ihn als Heilsbringer und Hellseher.

Von , New York


Was schenken sich Amerikas Tea-Party-Freunde zu Weihnachten: Taschenbuchausgaben der US-Verfassung, kleine Sarah-Palin-Statuen, Bibeln, vielleicht sogar ein halbautomatisches Gewehr? Jetzt gibt es eine ganz neue Idee für Rechtskonservative, die sonst alles haben, oder zumindest für deren Kinder: "Ted Cruz to the Future" ("Mit Ted Cruz in die Zukunft"), ein Malbuch über den republikanischen Jungsenator aus Texas, der dieses Jahr mit seinen bizarren Brandreden für Furore sorgte. Für nur 4,99 Dollar können Tea-Party-Eltern damit ihren Nachwuchs schon im Kleinkindalter zu feschen Radikalpopulisten erziehen.

Das "Mal- und Beschäftigungs-Comicbuch" für "Kinder jeden Alters" erscheint pünktlich zum diesjährigen Weihnachtsshopping-Wahn in einem US-Propagandaverlag. Es preist den Tea-Party-Star als "Superhelden" - und brandmarkt Präsident Barack Obama im gleichen Atemzug als "Verräter". Diese Botschaft darf unter keinem konservativen Weihnachtsbaum fehlen.

Zehn Gebote zum Ausmalen

Die sechs Seiten mit vielen Ausmalbildern und Populistenparolen sollten den Jüngsten einen "unparteiischen, faktenorientierten Einblick" in Cruz' Karriere bieten, sagt Wayne Bell, der Gründer des Verlags Really Big Coloring Books in Missouri. Das Buch tauge auch als "Lehrmaterial an Schulen" - schließlich werde Cruz von "Millionen Menschen als positives Rollenvorbild verehrt".

In der Tat führt der 42-jährige Flammenwerfer manche Umfragen unter Republikanern als aussichtsreichster Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2016 an. Im Vergleich mit den Demokraten aber, vor allem mit Hillary Clinton, schneidet Cruz verlässlich schlecht ab. Doch das kommt im Malbuch nicht vor.

Stattdessen verklärt es den Senator zum neuen Polit-Heilsbringer, zum "leidenschaftlichen Kämpfer für weniger Staat", für die US-Verfassung, für das Rederecht und, selbstredend, für das Waffenrecht - Rechte, die Obama grob missachte. Zu kompliziert für Kinder? Prompt folgt eine Seite im Buch, auf der man zwei lustige Tafeln mit den zehn Geboten ausmalen kann.

Auch Cruz' "epischer", 21-stündiger Redemarathon gegen die Gesundheitsreform wird gewürdigt: "Er trat fürs amerikanische Volk ein wie sonst keine Figur in den letzten Jahrzehnten." Und überhaupt: Andere "Karrierepolitiker" seien "viel zu wenig in Form, zu alt oder zu übergewichtig, um eine solch glorreiche Leistung zu vollbringen".

Dass die Rede nur ein PR-Stunt war und die Tea Party im Haushaltsstreit scheiterte - das unterschlägt das Buch. Lieber preist es die "hellseherische Präzision", mit der Cruz das "Obamacare-Desaster" vorhergesagt habe: "Obamacare ist schlimmer als jeder Krieg." Soldaten hätten wenigstens Waffen, "um sich zu verteidigen".

Die "wahre amerikanische Partei"

Diese Töne sind nicht neu für Bell und seinen Verlag. Really Big Coloring Books rühmt sich, "komplexe Fragen" für Kinder zu vereinfachen. Meist geht es dabei um Politik einer bestimmten Couleur - obwohl der Verlag auch eine Toleranzfibel über Schwule und Lesben im Sortiment führt ("Being Gay is Okay").

So hat Bell bereits zwei Malbücher über die Tea-Party-Bewegung herausgegeben. Das jüngste trägt den Titel "The Tea Party II Coloring Book: Why America Loves You - Social Activism for Kids". So einfach lässt sich die Rechtsbewegung in progressiven Sozialaktivismus umdeuten.

"Die Tea Party gilt als die 'wahre amerikanische Partei'", steht da. Sie bestehe aus "fleißigen, ehrlichen, risikobereiten, verantwortlichen und selbständigen Menschen". Dazu gibt es Tipps, "wie du in deiner Stadt eine Tea Party gründen kannst" oder "einen Tea-Party-Debattierclub in deiner Schule".

Das "Occupy-Malbuch" hingegen stellt die Protestler als faule Möchtegern-Robin-Hoods dar. In den USA, so der Verlag, sei dieses Traktat genauso gefloppt wie die Bewegung selbst. Gut verkauft habe es sich hingegen "in China, Frankreich, Osteuropa und einigen Nahoststaaten".

Ein Malbuch über die 9/11-Anschläge erfindet sogar eine alternative Zeitgeschichte: Die Tötung des al-Qaida-Chefs Osama bin Laden "geht auf die Befehle von Präsident George W. Bush zurück". Ein anderes Heftchen enthält eine Ahnengalerie "globaler Terroristen" - darunter nicht nur bin Laden, sondern auch WikiLeaks-Gründer Julian Assange.

Doch keine Sorge: Es gibt ja Ted Cruz, den Helden für alle Jahreszeiten. "Was", fragt das Malbuch zum Schluss, "kann Mr. Cruz für dich und deine Familie tun?"

insgesamt 48 Beiträge
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Hrothgaar 14.12.2013
1. Tja,
und wir beschweren uns über Nordkorea...
helldriver17 14.12.2013
2. soso
Zitat aus dem Artikel: "...al-Qaida-Chefs Obama bin Laden..." Wenn der Autor des Artikel mal nicht auch zu dem obskuren Verlag odergar zur Tea-Party gehört...! Wobei, die wären wohl nicht so subversiv bei ihrer Meinungsmache...
andihh75 14.12.2013
3.
Konservative der Tea-Party sind meiner Meinung nach alle nur weltfremde Heuchler genau wie der allergrößte Teil unserer Politiker,Manager etc.
eryx 14.12.2013
4.
Das macht einen wirklich sprachlos. Sonst bringt man solche Merkwürdigkeiten ja mit autoritären Regimes in Verbindung, wo es eben Personenkulte allerlei Art gibt. Aber sowas....in den USA. Wohin steuert dieses Land eigentlich? Alle Welt regt sich über die Ukraine und Russland auf und die USA triften langsam aber sicher in eine Richtung ab, die sogar die pessimistischsten Dystopien nicht vorhergesehen haben.
igifade 14.12.2013
5. Obama bin Laden
ihr seid mir ja lustig...
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