Republikaner-Wahlkampf Rechtsaußen sucht den Superstar

Die Zeit wird knapp: Selten schienen die Chancen so gut, das Weiße Haus zu erobern. Aber Amerikas Erzkonservative haben zu viele Bewerber im Rennen. Kurz vor der entscheidenden Vorwahl in South Carolina küren die Anführer der Evangelikalen mit Rick Santorum einen Einheitskandidaten. Ob's hilft?
Rick Santorum: Die letzte Hoffnung der Erzkonservativen

Rick Santorum: Die letzte Hoffnung der Erzkonservativen

Foto: JASON REED/ REUTERS

Sie haben ziemlich lange gebetet. Für die Nation natürlich. Dafür, dass das Land vom Präsidenten Obama erlöst wird. Und vor allem haben die mehr als hundert Anführer aller möglichen Christen-Gruppen da unten in Brenham, Texas, dafür gebetet, dass unter ihnen nun endlich Konsens herrschen möge: "Wir haben für Einigkeit gebetet", sagt Tony Perkins, der Vorsitzende des "Rats für Familienforschung", einer Bastion der Sozialkonservativen.

Wie auch immer, die Sache hat funktioniert. "Was ich nicht erwartet hätte, das war nun doch möglich", sagt Perkins nachher: "Konsens." Er sagt das ziemlich oft. Die Botschaft soll jetzt im Wahlkampf ankommen: 85 von 114 Christenführern empfehlen Rick Santorum als republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Ihre Entscheidung werde Einfluss haben, hofft Perkins, in den nächsten 24 Stunden werde man sehen, wie die Unterstützung für Santorum, den Ex-Senator aus Pennsylvania, anlaufen werde: Aktivitäten einzelner Gruppen, mehr Werbung, mehr Spenden für den "Jesus-Kandidaten" (O-Ton Santorum). "Das Rennen ist noch längst nicht entschieden", macht Perkins seinen Leuten Mut.

Tatsächlich kommt der vermeintliche konservative Einheitskandidat reichlich spät. Über Monate schon haben sich Texas-Gouverneur Rick Perry, Urgestein Newt Gingrich, Santorum sowie die bereits ausgeschiedenen Michele Bachmann und Herman Cain ein Rennen um die Gunst der Konservativen geliefert. Jeder von ihnen hatte zwischenzeitlich sein Hoch. Der moderatere Mitt Romney aber ist ihnen allen derweil davongezogen. Mittlerweile hat er nach Iowa auch die Vorwahl in New Hampshire gewonnen.

Wer soll den Mann bloß noch stoppen? Ist es nicht schon längst zu spät?

Santorum scheint jetzt die späte und letzte Hoffnung von Rechtsaußen. Er kam in Iowa überraschend bis auf acht Stimmen an Romney heran; im liberalen New Hampshire freilich landete er abgeschlagen bei gut zehn Prozent. Nun setzt der 53-Jährige alles auf das konservativere South Carolina am kommenden Samstag. Die Mehrheit der Republikaner rechnet sich hier den Evangelikalen zu, Gouverneurin Nikki Haley steht der Tea Party nahe. Und: Seit dem Sieg Ronald Reagans bei den Vorwahlen 1980 ist noch jeder Sieger von South Carolina später auch Präsidentschaftskandidat geworden.

Hinzu kommt: Der Amtsinhaber gilt den Republikanern im Jahr 2012 als schlagbar. Barack Obama ist angezählt, hat mit einer schweren, anhaltenden Wirtschaftskrise sowie enttäuschten Anhängern zu kämpfen.

Santorums Wahlkampfteam aber kommt mit dem gegenwärtigen Boom nicht mehr mit: Es fehlt an Geld. Es fehlt an Helfern. Es fehlt an Büros, Telefonen, Plakaten. Es fehlt an allem. Neulich haben sie Herman Cain die Restposten seiner Kampagne abgekauft. Den Drahtrahmen kann man prima wieder verwenden und Santorum-Schilder draufstecken. In der jüngsten South-Carolina-Umfrage liegt allerdings Romney mit 29 Prozent noch immer klar vorn. Es folgen Gingrich (24 Prozent), Ron Paul (15) und Santorum (14).

Klar ist: Die Empfehlung der Sozialkonservativen wird Santorum in den nächsten Tagen zwar möglicherweise Auftrieb geben, aber Gingrich und Co. werden sich davon kaum beeindrucken lassen. Keiner wird zu diesem Zeitpunkt aufgeben, um sich hinter Santorum zu stellen. Nur dann aber wäre er ein echter konservativer Einheitskandidat. Und nur dann hätte er eine reale Chance gegen Romney.

Schlammschlacht steht bevor

Doch Gingrich etwa, der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses, setzt seinerseits voll auf South Carolina. "Hier werden Präsidenten gemacht", sagt er. Und es ist klar, wen der 68-Jährige da im Blick hat. Ein Gingrich nahestehender "Super-PAC", also eine jener berüchtigten, finanzstarken und völlig unregulierten Spendergruppen, steckt allein in South Carolina 3,5 Millionen Dollar in eine Werbekampagne gegen Romney. Der wiederum hat in dem Südstaat einen "Super-PAC" mit 2,3 Millionen Dollar an seiner Seite.

Eine Schlammschlacht steht bevor. Das hat in South Carolina durchaus Tradition. Im Jahr 2000 inszenierte die religiöse Rechte mit Unterstützung des späteren Präsidenten George W. Bush eine heftige Kampagne gegen John McCain, der sich damals das erste Mal bewarb und schließlich erst acht Jahre später zum Zuge kam. Man unterstellte ihm Depressionen, streute Gerüchte, seine Adoptivtochter sei ein uneheliches Kind.

Am Samstag haben sich die Kandidaten auf einem Republikaner-Forum in Charleston gezeigt, South Carolinas altehrwürdiger Küstenstadt. Es ist ein republikanischer Schönheitswettbewerb der besonderen Art: Wer ist der Konservativste im ganzen Land? Die Kandidaten müssen auf Fragen der Zuschauer antworten, die sich mit Gott und der Welt beschäftigen. Meist aber mit ersterem.

Was er als Präsident für die Christen tun werde, wird der Mormone Romney gefragt, dessen Glaube viele Evangelikale nicht als christlich, sondern als Sekte ansehen. Romney sagt, er werde nicht zuschauen, wie sich dieses Land immer weiter säkularisiere. Vom ebenfalls als zu liberal geltenden Jon Huntsman - der immerhin mal Obamas Botschafter in China war - will eine ältere Dame wissen, warum die USA allen möglichen Ländern auf der Welt Entwicklungshilfe gäben, damit die sich dann Moscheen bauen könnten. Huntsman versichert, dass sich jeder im Ausland investierte Dollar auch in Amerika auszahlen müsse, "sonst ist das mit mir nicht zu machen".

Gingrich stellt klar, dass er ein weiteres Eingreifen der US-Bundesbank zugunsten des Euro und "zur Aufrechterhaltung der Finanzdominanz der Deutschen über Europa" verhindern würde. Und Santorum? Der erklärt nochmal, dass Abtreibung unter allen Umständen eine Sünde sei. Auch im Falle von Schwangerschaften nach einer Vergewaltigung.

Organisator und Moderator dieser Veranstaltung ist übrigens Mike Huckabee, jener Ex-Prediger, der vor vier Jahren selbst als Präsidentschaftsbewerber antrat. Überraschend siegte er in Iowa. Doch in South Carolina konnte er trotz der evangelikalen Basis nicht gewinnen - und verlor schließlich das Rennen gegen John McCain.

Dass sich damals nicht alle sozialkonservativen Kräfte um Huckebee geschart hätten, sei eine Lehre, sagt Tony Perkins, der Christenchef vom Familienrat. "Das war der Hintergrund für unseren Wunsch, diesmal einen Konsenskandidaten zu finden."

Jetzt muss Rick Santorum nur noch liefern.

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