Retourkutsche aus DC Washington droht Karzai mit Besuchsabsage

Erst kritisierte Hamid Karzai die USA, jetzt kommt die Revanche: Das Weiße Haus hat damit gedroht, eine geplante Washington-Visite des sprunghaften Bündnispartners abzusagen. Ein früherer US-Diplomat spekuliert sogar live im Fernsehen über mögliche Opiumvorlieben des afghanischen Präsidenten.

Präsidenten Karzai und Obama: Streit nicht ausgeräumt
AP

Präsidenten Karzai und Obama: Streit nicht ausgeräumt


Washington - Mit seinem Konfrontationskurs gegen die westlichen Verbündeten ist der afghanische Präsident Hamid Karzai offenbar zu weit gegangen. Nach seinen mehrfachen umstrittenen Äußerungen droht ihm nun die US-Regierung damit, seinen geplanten Besuch im Weißen Haus abzublasen.

Wenn Karzai weiterhin derart ärgerliche Bemerkungen machen sollte, müsse man eine Absage prüfen, sagte Regierungssprecher Robert Gibbs in Washington. Die jüngste Serie kritischer Äußerungen Karzais seien beunruhigend und irritierend. Bislang ist für den 12. Mai eine Visite Karzais bei Barack Obama im Weißen Haus vorgesehen. Vorläufig bleibe der ins Auge gefasste Besuch aber im Programm, erklärte Gibbs.

Auch nach einem Telefonat zwischen US-Außenministerin Hillary Clinton mit Karzai sei der Streit aber nicht ausgeräumt.

Der afghanische Präsident, der bei der eigenen Bevölkerung um Unterstützung ringt, hatte die westlichen Staaten zuletzt mehrfach provoziert. Zunächst machte er ausländische Diplomaten für Manipulationen bei der Präsidentenwahl in seinem Land im vergangenen Jahr verantwortlich. "Nicht die Afghanen haben diesen Betrug begangen, sondern die Ausländer", wurde Karzai zitiert.

Kurz darauf drohte er damit, den Start einer geplanten Nato-Großoffensive gegen die Taliban in der südafghanischen Provinz Kandahar von der Zustimmung örtlicher Stammesführer abhängig zu machen. Sollte die geplante Nato-Operation nicht von der örtlichen Bevölkerung mitgetragen werden, werde er das Vorhaben blockieren, sagte Karzai vor Stammesältesten. Die Nato plant derzeit die größte Offensive gegen die Taliban in der Region seit Beginn des Krieges vor acht Jahren.

Für Unruhe in Washington sorgte zudem, dass Karzai laut einem Bericht der "New York Times" damit drohte, sich selbst Taliban anzuschließen. "Wenn Ihr und die internationale Gemeinschaft mich noch mehr unter Druck setzt, dann, das schwöre ich Euch, werde ich mich den Taliban anschließen", soll Karzai nach Angaben eines afghanischen Parlamentariers gesagt haben.

Diplomat spekuliert über Drogenkonsum von Karzai

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur irgendjemand in diesem Land diese Bemerkungen anders als besorgniserregend beurteilt", sagte US-Regierungssprecher Gibbs. "Wir werden sicherlich alle möglichen weiteren Bemerkungen Karzais prüfen, ob ein solches Treffen konstruktiv wäre", erklärte er mit Blick auf die geplante Visite bei Obama.

Der ehemalige Uno-Gesandte in Kabul, Peter Galbraith, bezeichnete Karzais Verhalten als impulsiv und unausgeglichen. Er unterstellte dem Staatsoberhaupt indirekt den Konsum von Drogen. "Einige Palast-Insider in Kabul sagen, er habe eine gewisse Vorliebe für einige der gewinnträchtigsten Exportgüter Afghanistans", sagte Galbraith nach Angaben des TV-Senders MSNBC mit Blick auf den florierenden Opiumschmuggel in Afghanistan.

Karzai steht unter verschärfter Beobachtung des Westens, weil er nach Ansicht der USA und anderer Staaten nicht genug gegen Korruption und den illegalen Handel mit Rohopium in seinem Land tut. Auch die angespannte Sicherheitslage in dem Land bringt den Präsidenten bei seinen Verbündeten unter Druck. Diese haben Karzai auch wiederholt vorgeworfen, er lasse Korruption und Günstlingswirtschaft zu.

mmq/dpa/Reuters/apn

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Schalke 07.04.2010
1. ,,,
Warum werde ich den Gedanken nicht los, daß wieder einmal ein von den USA finanzierter "Verbündeter" sich abwendet und das macht, was er vermutlich für die bessere Alternative für sein Land hält?! Das ist genau der richtige Moment für eine ruckartige Exit-Strategie der Bundeswehr. In dem Moment, wo Karzai sich von den USA und der NATO abwendet, würde ich die Bw die Koffer packen lassen und den ganzen Sch...haufen Hindukusch sich selbst überlassen.
gaga007 07.04.2010
2. .
Die westliche Welt muß endlich erkennen, dass sie auf die falschen Leute gesetzt hat. Karzai ist auch nur ein Clan-chef und vertritt doch nur die Interessen der Opium-Mafia. Es macht keinen Sinn, noch mehr Soldatenleben zu riskieren. Ein totaler Rückzug und eine gleichzeitige Auflösung der Infrastruktur sollten schnellstmöglich erfolgen.
Barbapapa, 07.04.2010
3. Wirklich schändlich, von diesem ins Amt gehobenen Günstling
Ein bisschen Dankbarkeit hätten die Amerikaner schon auch verdient, nachdem sie den Karsai nun nicht nur einmal mit demokratischen Mitteln (zwinker), ins Amt gebracht haben. Vermutlich war's eh nur ein missglückter Scherz. Interkulturelle Verständnisbarrieren etc. Die Amis könnten ja schelmisch zurückwitzeln, dass, wenn das so aus sehe, sie ihre Truppen einfach aus Afghanistan abziehen werden. Der kurze Weg, fast ohne Gesichtsverlust aus Afghanistan raus. Vielleicht ist der Karsai aber auch ein ganz Ausgebuffter und hat das von Anfang an so geplant ... Naja, falls es so ist, wird es dauern, bis die Trantüten von dpa/Reuters/usw, die den Muslimen nicht zutrauen, dass sie den Weg zum Klo alleine finden, das durchtickern.
soauchnicht, 07.04.2010
4. Unliebsame Marionette
..und wieder mal wird eine unliebsame Marionette demontiert. Im Westen nichts Neues
moonoi 07.04.2010
5. da kann ich Karzei
nur verstehen, die paar mal die ich Opium genomen habe ( im tee) waren wie sagt man so in neusprech : DER HAMMER!, ich war krank hatte ne grippe und hatte mich zur schwitzkur eingemuemmelt und mit kraeutertee versorgt und noch ne kl. kugel opium beigetan ich habe geschitzt und getraeumt so seelig wie in marilyn monroes schoss - am naechsten morgen war ich gesund - Opium: ein Seegen fuer die Menschheit - leider bin ich so selten krank . FINGER WEG - na schaun mer mal was in deutschland passsiert wenn unsere jungs zureuck sind...
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