Trumps Außenminister Tillerson in russische Geschäfte im Offshore-Paradies Bahamas verwickelt?

Der designierte US-Außenminister Rex Tillerson leitete nach einem Medienbericht eine Tochterfirma des Ölkonzerns Exxon mit russischer Beteiligung. Ihr Sitz liegt im Steuerparadies der Bahamas.

Rex Tillerson
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Rex Tillerson wird nach dem Willen von Donald Trump der nächste Außenminister der USA. Der Senat muss der Personalie noch zustimmen. Schon jetzt bestehen erhebliche Zweifel im Senat wegen dessen Russlandnähe gegen den Manager. Nun gerät der noch amtierende Chef des Mineralölkonzerns Exxon Mobil wegen dubioser Geschäftskonstrukte in die Schlagzeilen.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, soll der Exxon Mobil-Chef Offshore-Geschäfte im Steuerparadies der Bahamas betrieben haben. Er leitete dort eine Exxon-Tochterfirma, an der auch der russische Ölkonzern Rosneft beteiligt war.

Tillerson verfügt über keinerlei politische Erfahrung, dafür aber über enge Geschäftsbeziehungen zu Moskau. Kritiker sahen darin einen Interessenkonflikt. Mit Wladimir Putin hat er ein stabiles Verhältnis aufgebaut, mit dem Chef von Rosneft, Igor Sechin, ist er ebenfalls eng verbunden.

Gemeinsam mit Putin und Sechin realisierte Tillerson große Projekte, unter anderem eines am Schwarzen Meer im Jahr 2011, das den zwei Unternehmen erlaubte, gemeinsam unter Arktiseis nach Öl zu bohren.

Seit 1998 war Tillerson laut "Süddeutscher Zeitung" Geschäftsführer der Exxon Neftegas Limited. Diese Tochterfirma sei eigens dafür gegründet worden, um mit Russland Geschäfte abzuwickeln. Tillersons Name ist demnach in einem Namensregister der Bahamas aufgetaucht, das Dokument aus den "Bahamas Leaks" wurde der "Süddeutschen Zeitung" von einer geheimen Quelle zugespielt.

Die Firma, die Tillerson dem Bericht zufolge geleitet haben soll, realisiert an der russischen Ostküste das Öl- und Gasprojekt "Sakhalin-1". In dieser Region habe die Exxon Neftegas Öl- und Gasquellen erschlossen.

Auf eine Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" erklärte Exxon Mobil die Standortwahl auf den Bahamas: "Manche Unternehmen sind aus Gründen der Einfachheit und der Vorhersehbarkeit der Gesetze des Landes zur Unternehmensgründung auf den Bahamas registriert. Nicht um Steuern in dem Land zu vermindern, in dem die Firma tätig ist."

Die Bahamas gelten als Steueroase, die auch in den Enthüllungen der Panama Papers eine Rolle spielten.

Als Folge der Krim-Annexion von Russland haben die EU und die USA Sanktionen gegen russische Konzerne aufgelegt. Davon betroffen war auch Igor Sechin mit seinem Konzern Rosneft. Das Verhältnis Tillersons zu Russland wird sowohl von Demokraten als auch Republikaner kritisch beäugt.

Beobachter halten es für möglich, dass Trump die Sanktionen Obamas gegenüber Russland wieder lockert. Somit könnte Rex Tillerson weitere Ölquellen fördern - in der Arktis.

pem



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