Rice bei Christiansen "Kein besserer Staatsdiener als Rumsfeld"

US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hat dem unter Druck geratenen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Rückendeckung gegeben. Rücktrittsforderungen wegen der Misshandlungen irakischer Gefangener erteilte sie in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen" eine Absage.


Berlin/Washington - "Sie finden keinen besseren Staatsdiener als Minister Rumsfeld", sagte Rice gestern in der Sendung. "Der Präsident will, dass er im Amt bleibt." Die Misshandlungen bezeichnete Rice als "große Schande" für die Vereinigten Staaten. Die Vorfälle müssten nun entschlossen aufgeklärt werden, forderte sie in Berlin.

Die angesehene amerikanische Zeitschrift "New Yorker" hatte am Wochenende neue schwere Vorwürfe gegen Rumsfeld erhoben. Der Pentagon-Chef habe persönlich brutale Verhörmethoden gebilligt, darunter entwürdigende und demütigende sexuelle Misshandlungen. Ein Pentagon-Sprecher wies dies vehement zurück. Die Vorwürfe seien "abstrus, verschwörerisch und voller Fehler und unbelegten Mutmaßungen", sagte Pentagon-Sprecher Lawrence Di Rita.

Wegen des gewaltsamen Todes eines 28-jährigen Irakers in Militärgewahrsam müssen sich demnächst auch erstmals britische Soldaten vor Gericht verantworten. Nach Berichten britischer Sonntagszeitungen werden voraussichtlich noch in dieser Woche bis zu sechs Anklagen gegen Soldaten des Königlichen Lancashire Regiments erhoben. Gegen sieben amerikanische Militärpolizisten ist bereits vor kurzem Anklage durch die US-Militärjustiz erhoben worden. Der erste Prozess soll am Mittwoch in Bagdad beginnen.

Nach Präsident George W. Bush schloss gestern auch Rice einen vorzeitigen Abzug der US-Truppen aus dem Irak aus. "Amerika fängt nie eine Aufgabe an und macht sie nicht fertig", sagte sie in der ARD. Dem Berliner "Tagesspiegel" sagte Rice: "Wir bleiben, bis der Job erledigt ist, bis die Iraker für ihre Sicherheit sorgen können". Auch die einfachen Iraker verstünden, "dass sie uns für die Sicherheit noch brauchen", fügte Rice hinzu.

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