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10. Februar 2001, 16:37 Uhr

Rindfleischmarkt

EU will Produktion drosseln

Die EU plant offenbar, die fallenden Preise auf dem Rindfleischmarkt abzufangen. Agrar-Kommissar Franz Fischler soll Sofortmaßnahmen vorgeschlagen haben, die Produktion drastisch zu senken.

Berlin - Bereits an diesem Dienstag wolle EU-Agrarkommissar Fischler das Paket vorlegen, berichtet "Welt am Sonntag". Geplant sei, die "Förderung der Zahl von Rindern je Hektar Weideland nach unten zu drücken". Außerdem solle die Höchstzahl der prämienfähigen Rinder in der EU gesenkt werden, "damit der Anreiz zur Produktion kleiner wird". Die EU-Kommission solle das Paket am Dienstag beschließen und Ende des Monats der EU-Agrarministerrat darüber beraten.

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung stützte unabhängig von den Plänen in Brüssel bereits den Fleischmarkt. Das Amt soll nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" inzwischen mehr als 15.000 Tonnen Rindfleisch im Wert von rund 60 Millionen Mark aufgekauft und in Kühlhäusern eingelagert haben. Kommende Woche wolle das Amt erneut eine Aufkauf-Aktion in die Wege leiten. Der Präsident der Bundesanstalt in Frankfurt am Main, Günter Drexelius, rechnete mit erneuten Aufkaufprogrammen aus Brüssel: "Die Intervention wird weitergehen." Bisher hat die EU ein Limit von 125.000 Tonnen festgesetzt.

In der EU ist die Nachfrage an Rindfleisch wegen BSE stark zurückgegangen. Hunderttausende Tiere sollen deswegen geschlachtet und vernichtet werden - davon allein in Deutschland 400.000. Die umstrittene Tötung soll nach Darstellung der Bundesanstalt in der nächsten Woche mit einer Ausschreibung in die Wege geleitet werden, heißt es in dem Bericht. Drexelius sieht keine Kapazitätsprobleme bei den Schlachthöfen. Auch die Tierkörperbeseitigungsanstalten werden seiner Ansicht nach mit den anfallenden Mengen an Tierkadavern fertig. Bei der Verbrennung des Tiermehls gebe es vermutlich ebenfalls keine Kapazitätsprobleme.

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