Wahlen in Simbabwe Mugabe lässt sich zum Sieger erklären

Seit 33 Jahren herrscht Robert Mugabe in Simbabwe, fünf weitere werden wohl dazukommen: Einen Tag nach der Wahl lässt sich der greise Autokrat von seinen Parteifreunden zum Sieger ausrufen. Opposition und Wahlbeobachter sprechen von einem "gigantischen Wahlbetrug".

Simbabwes Präsident Mugabe nach der Stimmabgabe: "Wir haben überzeugend gewonnen"
AFP

Simbabwes Präsident Mugabe nach der Stimmabgabe: "Wir haben überzeugend gewonnen"


Harare - Die Wahlhelfer in Simbabwe haben gerade erst mit der Auszählung der Stimmzettel begonnen, doch schon jetzt gibt sich die Regierungspartei Zanu-PF siegessicher. "Wir haben überzeugend gewonnen", sagte ein ranghohes Mitglied der Partei von Staatschef Robert Mugabe der Nachrichtenagentur AFP am Tag nach der Präsidentschafts- und Parlamentswahl.

Ähnlich äußerten sich andere Parteikader gegenüber Reuters. Die Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) von Mugabes langjährigem Rivalen, Regierungschef Morgan Tsvangirai, sei nicht nur geschlagen, sondern "beerdigt" worden. "Wir haben aber auch nie daran gezweifelt, dass wir die Wahl gewinnen", sagte ein Zanu-PF-Sprecher.

Die Opposition spricht bereits von einem "gigantischen Wahlbetrug". "Die Bürger Simbabwes sind von Mugabe und der Zanu-PF hinters Licht geführt worden", sagte ein MDC-Mitglied Reuters. Die ersten Auszählungen deuteten auf ein "verheerendes Ergebnis" für Tsvangirai hin. Der bezeichnete die Wahl am Donnerstag in einer Pressekonferenz als "große Farce". Die Ergebnisse seien aus Sicht der MDC "null und nichtig".

Rund 6,4 Millionen Bürger des südafrikanischen Landes waren am Mittwoch aufgerufen, einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament zu wählen. Der 61 Jahre alte Tsvangirai trat bereits zum vierten Mal bei einer Präsidentschaftswahl gegen den 89-jährigen Mugabe an, der das Land seit der Unabhängigkeit 1980 diktatorisch regiert.

Zanu-PF twittert schon vom Wahlsieg

Bürgerrechtler kritisierten, dass es bei der Wahl erhebliche Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Bis zu eine Million Menschen sei an Wahllokalen abgewiesen worden, erklärte das Zimbabwe Election Support Network, ein Zusammenschluss von einheimischen Bürgerrechtsgruppen, die mit 7000 Mitarbeitern den Ablauf der Wahl überwachten. Besonders in städtischen Bezirken habe es ernsthafte Probleme bei der Wählerregistrierung und der Abstimmung gegeben. Die Gebiete gelten eigentlich als Hochburgen der oppositionellen MDC. Die Afrikanische Union (AU) erklärte hingegen, die Wahl sei ohne größere Unregelmäßigkeiten verlaufen.

Offizielle Ergebnisse werden erst für das Wochenende erwartet. Die Wahlkommission hat gedroht, all jene zu bestrafen, die sich vor der Verkündung des Engergebnisses zum Sieger erklären. Via Twitter rief sich die Zanu-PF am Donnerstagmorgen trotzdem schon zum Sieger aus, löschte den Tweet jedoch umgehend. Natürlich werde die Partei jedes Ergebnis akzeptieren, das von der Wahlkommission verkündet werde. Die Betrugsvorwürfe der Wahlbeobachter seien im Übrigen Lügen, so die Mugabe-Partei.

Bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2008 hatte Tsvangirai nach der ersten Runde vorn gelegen, musste seine Kandidatur aber nach blutigen Angriffen auf seine Anhänger zurückziehen. Nach der Wiederwahl Mugabes einigten sich beide Politiker schließlich widerwillig auf eine Machtteilung.

syd/Reuters/AFP/dpa



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marinusvanderlubbe 01.08.2013
1. Herzlichen Glückwunsch zum Wahlsieg
Zitat von sysopAFPSeit 33 Jahren herrscht Robert Mugabe in Simbabwe, fünf weitere werden wohl dazu kommen: Einen Tag nach der Wahl lässt sich der greise Autokrat von seinen Parteifreunden zum Sieger ausrufen. Opposition und Wahlbeobachter sprechen von einem "gigantischen Wahlbetrug". http://www.spiegel.de/politik/ausland/robert-mugabe-zanu-pf-laesst-sich-zum-wahlsieger-in-simbabwe-erklaeren-a-914261.html
Da chinesische Wahlbeobachter die Wahl für korrekt und fair erklärt haben, halte ich das Lammentieren der unterlegenen Opposition für schlechten Stil. China als 1-Parteien Staat hat sicher genug Erfahrung mit Wahlen, um zu beurteilen ob die Wahl in Simbabwe fair abgelaufen ist oder nicht. Bedauerlich, dass die Opposition nicht stillschweigend ihre schallende Niederlage einräumt und sich der Herrschaft Mugabes unterwirft. Ganz schlechter Stil für angebliche Demokraten.
lord_olsen 01.08.2013
2. Wunderbar
Zitat von marinusvanderlubbeDa chinesische Wahlbeobachter die Wahl für korrekt und fair erklärt haben, halte ich das Lammentieren der unterlegenen Opposition für schlechten Stil. China als 1-Parteien Staat hat sicher genug Erfahrung mit Wahlen, um zu beurteilen ob die Wahl in Simbabwe fair abgelaufen ist oder nicht. Bedauerlich, dass die Opposition nicht stillschweigend ihre schallende Niederlage einräumt und sich der Herrschaft Mugabes unterwirft. Ganz schlechter Stil für angebliche Demokraten.
Ich wäre fast auf diesen Kommentar hereingefallen. Auch hier trifft es wieder zu: wer lesen kann, ist im Vorteil ("....China als 1-Parteien Staat hat Erfahrung mit Wahlen"). Welche Wahlen?
Faceoff 01.08.2013
3. Zeit
Mugabe ist ein Problem. Aber wenigstens eines, das die Zeit schon bald lösen dürfte. Es sei denn, Mugabe eifert Methusalem nach. In Zimbabwe gehen zwar selbst die Toten zur Wahl (s. Zimbabwe: Wo selbst die Toten zur Urne gehen - Afrika - FAZ (http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afrika/zimbabwe-wo-selbst-die-toten-zur-urne-gehen-12312137.html)), aber Tote in Amt und Würden, das geht dann wohl nicht mal in Zimbabwe.
dr.haus 01.08.2013
4. optional
Eines der ärmsten Länder , zu Zeiten der Kolonialherrschaft Englands ein sich selbstversorgender ,durchaus wohlständiger Staat, als diese K-Herrschaft dann von dem in Moskau "studiert" habenden Mugabe übernommen wurde ,war diese Zukunft in Elend,Menschenrechtsverletzungen u.a. klar ersichtlich--der Kolonialismus hat die korrupte Häuptlingswirtschaft "verfeinert",wenigstens ging es den Menschen aber einigermassen befriedigend.Die postkolonialistische afrikanische Politik ist wie zu Zeiten des Sklavenhandels eine hoch korrumpierte Politik,sei es von vielen Konzernen gesteuert oder von dahinterstehenden Staaten der 1.u. 2. Welt. Die Hauptschuld tragen aber die sog. schwarzen "Eliten". Mein Gott,können einem die normalen Menschen dort leid tun.
DonMcM 01.08.2013
5. Mugabe Landverkäufer
Internationale Wahlbeobachter sind zugelassen und zwar aus Russland, China und dem Iran!!! Wahnsinn oder? Man kann auch sagen in diesen drei Ländern weiss man Mugabe prima zu beraten, wie man Demokratie "macht". Deswegen wissen die Herrschaften ja auch schon vor Auszählung der Stimmen, dass sie gewonnen haben. Demokratie ist geil! Außerdem wird den Chinesen eh schon ein schönes Stück des Landes gehören, da werden die auch nichts dem Zufall überlassen. Feine Gesellschaft.
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