Irans neuer Präsident Rohani vereidigt - Ahmadinedschad tritt ab

Hassan Rohani ist als neuer iranischer Präsident vereidigt worden. Weltweit ruhen große Hoffnungen auf dem moderaten Kleriker - aber Israel erwartet von dem Nachfolger Mahmud Ahmadinedschads keinen Kurswechsel.
Irans neuer Präsident Rohani (2. von rechts, mit Ajatollah Chamenei und Vorgänger Ahmadinedschad, links): "Land muss moderaten Kurs einschlagen"

Irans neuer Präsident Rohani (2. von rechts, mit Ajatollah Chamenei und Vorgänger Ahmadinedschad, links): "Land muss moderaten Kurs einschlagen"

Foto: Iran Supreme Leader Website/ dpa

Teheran - Der moderate Kleriker Hassan Rohani ist am Sonntag als neuer iranischer Präsident vereidigt worden. Zum ersten Mal nach der islamischen Revolution 1979 nahmen auch ausländische Gäste an der Zeremonie teil. Der 64 Jahre alte Rohani war am Samstag vom obersten Führer, Ajatollah Ali Chamenei, als Präsident bestätigt worden.

Nach der Zeremonie im Parlament räumte der bisherige Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad nach acht Jahren das Präsidentenamt und übergab Rohani die Geschäfte. Innerhalb von zwei Wochen wird Rohani seine Minister im Parlament vorstellen, wo eine Mehrheit der 290 Abgeordneten zustimmen muss.

Als eine seiner ersten Amtshandlungen nominierte Rohani den ehemaligen Uno-Botschafter Mohammed Dschavad Sarif als neuen Außenminister. Der 53-jährige war von 2002 bis 2007 Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York, davor zehn Jahre lang Vizeaußenminister.

Sarif gilt als ein moderater Technokrat. Er hatte während seiner Zeit in New York auch einige inoffizielle Treffen mit amerikanischen Diplomaten. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem Erzfeind USA nach 34 Jahren Unterbrechung ist eines der Ziele des neuen Präsidenten.

Israel glaubt nicht an Wandel

Rohani hatte die Wahl am 14. Juni bereits in der ersten Runde mit 51 Prozent der Stimmen gewonnen. Bei der offiziellen Amtseinführung gab er sich als gemäßigter Politiker: "Das Land muss den radikalen Kurs vermeiden und einen moderaten einschlagen, denn nur ein moderater Kurs führt uns zu Wohlstand und Fortschritt."

Rohani kündigte auch an, er werde sich für eine Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen Iran und für eine Verständigung mit der internationalen Gemeinschaft einsetzen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte anlässlich der Amtsübernahme Rohanis, das Ziel Teherans bleibe unverändert die Zerstörung des jüdischen Staates. Rohani habe Israel "als Wunde im Körper des Islam" bezeichnet, sagte Netanjahu zu Beginn der wöchentlichen Kabinettssitzung am Sonntag.

"Der Präsident Irans mag gewechselt haben, aber die Absichten des dortigen Regimes nicht", sagte er. Iran versuche weiterhin, "nukleare Fähigkeiten und Waffen mit dem Ziel zu entwickeln, Israel zu zerstören".

Am Freitag hatte Rohani anlässlich des Al-Quds-Tages - "al Quds" ist der arabische Name von Jerusalem - gesagt: "In unserer Region existiert seit Jahren eine Wunde im Körper der islamischen Welt im Schatten der Besatzung des heiligen Landes Palästinas und unseres geliebten Quds."

fab/AFP/dpa