Rede vor Uno-Vollversammlung Rohani bietet sofortige Gespräche über Atomprogramm an

"Gewalttätig" und "töricht": Irans neuer Präsident Rohani hat bei seiner ersten Rede vor der Uno die Sanktionen gegen sein Land verurteilt. Vom Iran gehe "absolut keine Gefahr" aus. Er sei zu sofortigen Gesprächen über das Atomprogramm bereit, die aber befristet und zielorientiert sein müssten.

Irans Präsident Rohani in New York: "Die sogenannte iranische Bedrohung ist nur eine ausgedachte Bedrohung"
REUTERS

Irans Präsident Rohani in New York: "Die sogenannte iranische Bedrohung ist nur eine ausgedachte Bedrohung"


New York - Bei seinem ersten Auftritt vor den Vereinten Nationen hat der neue iranische Präsident Hassan Rohani die Sanktionen der Uno gegen Iran verurteilt. Der Nachfolger von Mahmud Ahmadinedschad verglich sie mit den Strafmaßnahmen gegen den Irak unter Saddam Hussein. Diese Sanktionen seien "gewalttätig" und "töricht". Er betonte, dass nicht die politischen Eliten, sondern Zivilisten darunter zu leiden hätten.

Gleichzeitig beteuerte er, das iranische Atomprogramm habe friedlichen Charakter. "Die sogenannte iranische Bedrohung ist nur eine ausgedachte Bedrohung", sagte er. Atomwaffen hätten keinen Platz in der Verteidigungsdoktrin und seien gegen die religiöse Überzeugung des Landes. Vom Iran gehe "absolut keine Gefahr für die Welt" aus. Er bot den USA rasche Gespräche über das Atomprogramm an und drückte die Hoffnung aus, dass sich Präsident Obama nicht durch "kriegstreiberische Interessengruppen" unter Druck setzen lasse. Konkrete Angebote machte er aber nicht.

Rohani sprach sich gegen Angriffe mit unbemannten Flugzeugen aus - und griff damit indirekt die USA an. "Der Einsatz von Drohnen gegen Unschuldige im Namen des Kampfes gegen Terrorismus muss verurteilt werden." Der Versuch, der Welt westliche Werte überzustülpen, sei eine "Fortsetzung des Kalten Krieges". Er warf Mächten außerhalb der Region vor, durch Waffenlieferungen den Konflikt in Syrien "militarisiert" zu haben. Der Bürgerkrieg sei eine menschliche Katastrophe. "Es gibt dafür keine militärische Lösung." Dabei ist Iran neben Russland einer der zentralen Unterstützer des Diktators Assad.

Erste Schritte der Aussöhnung

Rohanis Rede stand im Gegensatz zu den Auftritten seines Vorgängers Ahmadinedschad, der in den vergangenen Jahren vor der Uno-Vollversammlung mit Tiraden gegen Israel und die USA provoziert hatte. Westliche Delegationen verließen dabei immer wieder aus Protest den Saal. Diesmal verließ nur die israelische Delegation auf Anweisung von Ministerpräsident Netanjahu den Plenarsaa, bevor Ruhani seine Rede hielt. Netanjahu hatte bereits zuvor gewarnt: "Die Welt darf sich vom Iran nicht zum Narren halten lassen."

US-Präsident Barack Obama hatte sich in seiner Rede in der Uno-Vollversammlung für eine "starke" Syrien-Resolution ausgesprochen.Das iranische Atomprogramm sei aber nach wie vor einer der drängendsten Aufgaben der US-Diplomatie. Er zeigte sich erfreut darüber, dass sich Rohani zuvor schon mehrfach kompromissbereit dem Westen gegenüber gezeigt hatte. Die Wahl des moderaten Klerikers sei "ein ermutigendes Zeichen".

Der Streit um das Atomprogramm müsse auf diplomatischem Wege gelöst werden, "auch wenn die Hindernisse sehr groß sind". Iran müsse seine internationalen Verpflichtungen erfüllen. Doch eine Lösung des Atomkonflikts könnte der erste Schritt in einer Aussöhnung zwischen den USA und Iran sein. Obama ernannte seinen Außenminister John Kerry zum Unterhändler für die internationalen Gespräche mit Teheran.

Kerry soll am Donnerstag auf den iranischen Außenminister Sarif treffen - es wäre dann das höchstrangige Treffen zwischen den USA und Iran seit der Islamischen Revolution 1979. Obama vermied es ausdrücklich, eine mögliche iranische Atombombe als "rote Linie" zu bezeichnen.

Ein Treffen zwischen Obama und Rohani kam indes nicht zustande. Dafür traf Frankreichs Präsident François Hollande als erster westlicher Staatschef auf seinen iranischen Amtskollegen. Hollande äußerte sich nach dem 40-minütigen Treffen positiv über "diesen ersten Kontakt, der nach weiteren ruft". Rohani erklärte, er wünsche sich "eine bessere Zukunft" für die Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

vks/Reuters/dpa

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Seite 1
mat_yes 25.09.2013
1. Ein Liberaler Islamgelehrter...
...jetzt haben die USA einen unbekannten Gegner... Denn mit einem "wahrscheinlich" liberalen Geistlichen aus einem "verruchten" Immamat-Staat? Kann man da Vertrauen haben? Alle Feindbilder über Bord werfen, die mühsam aufgebaut wurden? Ich denke nicht nur ja ich sage JA! Denn wer den Friedensnobelpreis prä!!! Mortem erhalten hat muss dazu in der Lage sein, zumindest einen Neuanfang mit minimalen Risiken zu wagen! Nur SO kann ein Weltfrieden gesichert werden. Alles andere führt in den langfristigen Suizid der Weltgemeinschaft.
JDR 25.09.2013
2. ...
Zitat von sysopREUTERS"Gewalttätig" und "töricht": Irans neuer Präsident Rohani hat bei seiner ersten Rede vor der Uno die Sanktionen gegen sein Land verurteilt. Vom Iran gehe "absolut keine Gefahr" aus. Er sei bereit, sich auf zielorientiertn Gesprächen über das Atomprogramm seines Landes einzulassen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/rohani-spricht-vor-uno-vollversammlung-a-924340.html
Ohne Frage sind mit diesem Präsidenten wesentliche Schritte bei der Verlangsamung des Atomwaffenprogrammes möglich. Ein Stopp aber scheint weiter ausgeschlossen und Zukunft ist nicht mehr der bestimmende Faktor. Das Ziel von Entspannungspolitik kann es nicht sein, eine iranische Atombombe auf kleiner Flamme zu köcheln, statt auf offener Flamme zu grillen. Das Feuer muss aus. Eine Rückstufung von Sanktionen kann nur mit Schritten einhergehen, welche die iranische Nuklearwaffenuhr zurückdrehen. Teheran kann gerne 10 Bushehrs bauen, aber nicht eine Urananreicherungsanlage. Rouhani hat erkannt, dass die nationalen Interessen der Islamischen Republik eine Lösung des Konfliktes erfordern. Er ist jedoch nicht bereit, den einzig logischen Schluss zu ziehen. Es sei hier einfach mal dahingestellt, ob Iran noch das "Recht auf Anreicherung" besitzt. Völlig unabhängig davon gilt, dass dort, wo nationale Rechte nationale Interessen gefährden, östliche Weisheit wie westliche Logik es gebieten, diese Rechte nicht wahrzunehmen.
JDR 25.09.2013
3. ...
Zitat von sysopREUTERS"Gewalttätig" und "töricht": Irans neuer Präsident Rohani hat bei seiner ersten Rede vor der Uno die Sanktionen gegen sein Land verurteilt. Vom Iran gehe "absolut keine Gefahr" aus. Er sei bereit, sich auf zielorientiertn Gesprächen über das Atomprogramm seines Landes einzulassen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/rohani-spricht-vor-uno-vollversammlung-a-924340.html
Nun, wenn man die Dornenhecken und Friedensstilblüten weghackt, wünscht Rouhani Anerkennung auf Augenhöhe und die Rettung seines Landes, bevor es von den Sanktionen schlimmer verheert wird, als es der Krieg einst tat. Nun, Augenhöhe ist schwer definierbar - auch Russland und die Vereinigten Staaten von Amerika leben nicht in einem Land, wo Konflikte einen Dornröschenschlaf halten - aber wenn er diese beiden Ziele ernst meint, dann hat er es vollständig in der Hand, sie aus eigener Kraft zu erreichen. Er kann die Urananreicherung einstellen und Botschafter mit den Vereinigten Staaten von Amerika austauschen. Abschließend lagert Iran die Anreicherung komplett nach Russland aus, die Sanktionen werden (zunächst auf Vorkonfliktniveau, der Rest ergibt sich dann) zurückgefahren und Rouhani und Obama kriegen (noch) einen Friedensnobelpreis. And they lived happily ever after. Er will einen Zeitplan. Schwer zu sagen, aber er sollte nicht vergessen, dass auf einen A. ein Rouhani folgte und auf George W. Bush ein Obama.
Ontologix II 25.09.2013
4. Sch....alom
Diese Nachricht wird aber den Falken in der israelischen Politik überhaupt nicht gefallen.
wanniii 25.09.2013
5. Gebt dem Frieden eine Chance!
"Diesmal verließ nur die israelische Delegation auf Anweisung von Ministerpräsident Netanjahu den Plenarsaa, bevor Ruhani seine Rede hielt". Wie lange möchten die Israelis eigentlich noch ihre 'Feinde' vorverurteilen? Genau das ist es es, wenn man nicht einmal den Respekt aufbringt, zuzuhören zu wollen. Lukas 14:11 Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.« Die UNO sollte immer ein Ort der Diplomatie sein, dazu gehört in erster Linie Respekt vor anderen Menschen und Meinungen. Die Rede vom iranischen Präsidenten ist ein guter Start, ich hoffe, daß die 'Diplomaten' der beteiligten Länder diesen jetzt nicht wieder versauen. Die Liebe ist geduldig und freundlich. Was sagt die Bibel über die Liebe? "Sie (die Liebe) kennt keinen Neid, keine Selbstsucht, sie prahlt nicht und ist nicht überheblich. Liebe ist weder verletzend noch auf sich selbst bedacht, weder reizbar noch nachtragend. Sie freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Diese Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles und hält allem stand." Gebt dem Frieden eine Chance!
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