Rohstoff-Ausbeutung Aufständische Indios nehmen Polizisten als Geiseln

Der Proteste der Ureinwohner Perus gegen die Ausbeutung ihres Dschungels eskaliert. Mit Speeren gingen tausende Indios auf Polizisten los, die eine Straßenblockade auflösen wollten. Viele Menschen starben. Die Aufständischen brachten Dutzende Polizisten in ihre Gewalt.


Lima - Seit Wochen schon protestieren peruanische Ureinwohner gegen die jüngsten Pläne der Regierung. Präsident Alan Garcia will die in den Amazonasgebieten vermuteten Öl- und Gasvorkommen von ausländischen Firmen erschließen lassen. Die Indio wollen das mit allen ihren Mitteln verhindern. Sie sehen ihren Lebensraum bedroht. Zudem sehen sie sich in ihren verfassungsmäßig garantierten Mitspracherechten übergangen.

Aufstand im Dschungel: Die Indios fürchten die Ausbeutung der Bodenschätze
REUTERS

Aufstand im Dschungel: Die Indios fürchten die Ausbeutung der Bodenschätze

Am Samstag nun eskalierte der Aufstand. Es gab Tote. Wieviele ist unklar - die Angaben schwanken zwischen sieben und 36.

Seit mehreren Tagen hatten 5000 Indios eine Straße in dem Gebiet Curva del Diablo blockiert. Die Polizei wollte die Sperre auflösen. Nach Angaben der Ureinwohner warfen die Beamten aus Hubschraubern Tränengas ab und schossen in die Menge. Die Polizei erklärte dagegen, die Indios hätten Polizisten mit Schusswaffen und Speeren angegriffen. Unabhängige Informationen über die Zusammenstöße gab es nicht - Journalisten haben kaum Zugang in die entlegene Region.

Einer der Anführer der Proteste, Alberto Pizango, wirft der Regierung "Völkermord" an den Indianern vor. Die Polizeigewalt sei "Teil eines Plans zur Übergabe der natürlichen Rohstoffe an ausländische Unternehmen, der die Privatisierung unseres Bodens einschließt."

Regierungschef Yehude Simon erklärte, dass etwa 1000 Ureinwohner 38 Polizisten in ihre Gewalt gebracht hätten. Die Indianer drohten damit, die Polizisten zu ermorden und die Ölförderanlage von Bagua anzuzünden. Der Indianeranführer Zeokan Campos sagte dem Radiosender RPP, die Geiselnahme sei eine Reaktion auf den vorherigen Polizeieinsatz. Ein Polizeibeamter in Bagua sagte der Nachrichtenagentur AFP, eine wütende Menge habe seine Polizeistation und andere Gebäude angegriffen. "Wir warten auf Verstärkung", fügte er hinzu. Die Regierung verhängte für Bagua und Umgebung eine Ausgangssperre.

Perus Staatschef García verteidigte das Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten. Die Indianer hätten damit gedroht, Gasleitungen zu zerstören und damit die Stromversorgung der Bevölkerung zu unterbrechen. "Was soll die Regierung sonst tun, als energisch die Ordnung wiederherzustellen", erklärte der Präsident.

Die katholischen Bischöfe in Peru veröffentlichten im vergangenen Monat eine Erklärung, in der sie die Kritik der Indios als gerechtfertigt bezeichneten.

ler/AFP/AP



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