Kandidatin von Protestpartei Raggi bei Bürgermeisterwahl in Rom vorne

Virginia Raggi hat die erste Runde der römischen Bürgermeisterwahl gewonnen. Die Politikerin der Fünf-Sterne-Bewegung tritt nun in der Stichwahl an - gegen den Kandidaten von Ministerpräsident Renzi.

Virginia Raggi
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Virginia Raggi


Die Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) des europakritischen Starkabarettisten Beppe Grillo hat bei der Bürgermeisterwahl in Rom einen deutlichen Erfolg verbucht. Die Rechtsanwältin Virginia Raggi gewann die erste Runde der Abstimmung mit klarem Vorsprung und rund 35 Prozent der Stimmen. Die 37-Jährige hofft nun, nach der Stichwahl am 19. Juni als erste Frau ins römische Kapitol einzuziehen. Für Regierungschef Matteo Renzi und seine Partito Democratico (PD) war das Ergebnis hingegen eine bittere Niederlage.

Die Wahl in mehr als 1300 Gemeinden und zahlreichen Metropolen des Landes war zuvor als wichtiger Stimmungstest für die Mitte-links-Regierung gewertet worden. 13 Millionen Menschen waren zu den Urnen gerufen.

Renzis Kandidat Roberto Giachetti, 55, kam nach Auszählung der meisten Stimmen in Rom nur auf etwa 25 Prozent, konnte sich aber knapp gegen die Parteivorsitzende der postfaschistischen "Fratelli d'Italia", Giorgia Meloni, durchsetzen (knapp 21 Prozent). In zwei Wochen müssen sich die Bürger der als "unregierbar" geltenden Hauptstadt nun zwischen Giachetti und Raggi entscheiden.

Auf den Sieger wartet keine leichte Aufgabe: Die Ewige Stadt siecht schon lange unter Dreck, Smog, Korruption und verstopften Straßen dahin - das Amt des Bürgermeisters hat so mancher politischen Karriere eher geschadet als genutzt.

"Historisches Ergebnis"

In einer ersten Reaktion sprach Raggi von einem "historischen Ergebnis" und betonte: "Die Römer sind bereit, ein neues Kapitel aufzuschlagen, der Wind hat sich gedreht, und ich bin bereit, diese Stadt zu regieren." Das M5S wirbt mit Ehrlichkeit und Transparenz, Kritiker werfen ihr aber populistische Züge vor.

Im Wahlkampf hatte sich Raggi unter anderem gegen eine Bewerbung Roms um die Olympischen Spiele 2024 ausgesprochen (Lesen Sie hier ein Porträt im SPIEGEL). Es sei geradezu "kriminell", enorme Geldsummen für ein Sportevent auszugeben, "wenn Rom unter Verkehr und Schlaglöchern zusammenbricht", hatte sie erklärt.

Die Wahlbeteiligung bei allen Kommunalwahlen war mit 62,1 Prozent wie erwartet relativ gering. In Rom hatten nur 57,1 Prozent ihre Stimme abgegeben. "Es bleibt der Eindruck, dass diese durch Überdruss, Enttäuschung und Wut ausgelöste Massenflucht nicht mehr aufzuhalten ist", kommentierte die Zeitung "Il Messaggero". Ein "antipolitischer Wind" wehe durch das ganze Land. Medien schrieben weiter, die Abstimmung sei von Protestwählern und Gleichgültigkeit bestimmt worden.

Bis auf Cagliari, wo Renzis Bündnis gleich im ersten Wahlgang siegte, wurde in keiner der Metropolen Italiens die für den Sieg nötige 50-Prozent-Marke geknackt. Auch in Turin zog das M5S in die Stichwahl ein. Die erst 31 Jahre alte Unternehmerin Chiara Appendino kam auf knapp 31 Prozent der Stimmen, lag aber deutlich hinter dem amtierenden Bürgermeister Piero Fassino von der PD (41,8 Prozent).

In Mailand lag Renzis Kandidat Giuseppe Sala, der Chef der im Oktober zu Ende gegangenen Weltausstellung in der lombardischen Metropole, nur ganz knapp vor Stefano Parisi vom Mitte-rechts-Lager. Beide gehen ebenfalls in die Stichwahl. Für Renzi steht der eigentliche Test im Oktober an, wenn ein wichtiges Verfassungsreferendum über seine politische Zukunft entscheiden wird.

kev/AFP/dpa



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