Nach Korruptionsskandal Roms Bürgermeister tritt zurück

Roms Bürgermeister Marino soll die Kreditkarte der Stadt mit etwa 20.000 Euro für private Zwecke belastet haben. Nun hat er sein Amt aufgegeben - seinen Fehler sieht er aber nicht ein.

"Bye bye, Marino": Der Druck auf Roms Bürgermeister wurde immer größer
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"Bye bye, Marino": Der Druck auf Roms Bürgermeister wurde immer größer


Roms umstrittener Bürgermeister Ignazio Marino ist nach einem Skandal um veruntreute Steuergelder zurückgetreten. Er handle im Interesse der Stadt, hieß es in einer Erklärung, aus der die Nachrichtenagentur Ansa zitierte.

Die politischen Bedingungen zur Fortführung des Amts seien nicht gegeben, und er habe den Rückhalt in seiner Demokratischen Partei (PD) verloren, hieß es in der an die Bürger der italienischen Hauptstadt gerichteten Erklärung.

Zuvor war der Druck auf den Politiker immer größer geworden. Die Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungen aufgenommen, weil Marino mit einer Kreditkarte der Stadt private Abendessen bezahlt haben soll. Der Bürgermeister hatte jedes Fehlverhalten zurückgewiesen, aber angekündigt, die beanstandeten 20.000 Euro zurückzuzahlen.

Marino bleiben nun 20 Tage Zeit, seine Entscheidung noch einmal zu widerrufen. Diese werde er nutzen, um zu prüfen, ob die "politischen Bedingungen" für das Amt wieder hergestellt werden könnten, hieß es. Sollte es bei seinem Rücktritt bleiben, muss der Präfekt von Rom einen kommissarischen Bürgermeister ernennen, der die Stadt in Neuwahlen führt. Auch einige von Marinos engsten Mitarbeitern waren bereits am Nachmittag zurückgetreten.

Der 2013 zum Bürgermeister gewählte Transplantationschirurg steht seit Monaten in der Kritik und war auch in seiner eigenen Partei zunehmend isoliert. Dem 60-Jährigen waren unter anderem ein zu lascher Umgang mit dem Mafia-Skandal und Korruptionsverstrickungen der Stadt vorgeworfen worden, viele machten den Bürgermeister auch für das Chaos bei Müll und Verkehr verantwortlich. Bereits im vergangenen Jahr hatten Kritiker einen Rücktritt Marinos gefordert, nachdem dieser Strafzettel für Falschparken nicht gezahlt hatte.

kry/dpa/AFP



insgesamt 6 Beiträge
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roughneckgermany 08.10.2015
1.
20k ? in weniger als 2 Jahren für Abendessen? Dekadent...
tomita 09.10.2015
2. Schmunzeln
Als in Italien lebender Deutscher muss ich schmunzeln. Man könnte natürlich vom Ausland aus versucht sein darüber zu staunen, wie man in diesen Kreisen wegen nicht "ganz" lege artis verbuchter" EUR überhaupt ins Stolpern kommt. Aber nur wenn man von einem "zu engen" Rechtsverständnis ausgeht. Was in Deutschland als "Muss"-Vorschrift gilt ist hier allenfalls eine "Möglichkeit unter anderen". Das handhabt die Mehrheit genauso. Umso erstaunlicher, dass es immer wieder auch mal den einen oder anderen gibt, der darauf vergisst. Dies aber niemals in böser Absicht. Es ergibt sich - quasi ohne jedes Zutun. Und der Glaube beschliesst es mit Vergebung.
Pandora0611 09.10.2015
3. Ich habe doch im Interesse der Stadt gegessen
Und deshalb habe ich die Kreditkarte der Stadt genutzt. Darin sehe ich kein Fehlverhalten. Jetzt wurde er zurückgetreten. Dabei hatte er doch nur täglich ca. 30 Euro ausgegeben.
imri.rapaport 09.10.2015
4. Rom, Italien und Mani Pulite
Sind doch in Italien nicht unbekannt und sollten doch den politischen Sumpf und die Korruption sowie die engen Verknüpfung zwischen der Mafia und denen, die sie eigentlich bekämpfen sollten, austrocknen. Wenn man sich jedoch vorstellt, das ein Oberbürgermeister, der normalerweise nur mit einer Dienstkarosse chauffiert wird, zurücktreten sollte, weil er einen Knöllchen nicht bezahlt hat und nun auf Staatskosten Spaghetti verzerrt, derweil die Mafia weiter Millionen in die Taschen mancher eloquenter Politiker stopft, dann stimmt da etwas nicht. Das ist doch eine völlig verkehrte Welt. Man dürfte danach fragen wer am meisten laut schreit der OB soll zurücktreten, die ganz ehrlichen, oder die besonders korrupten. Ein so sauberes Italien gibt es nur in Rom-anen.
luciachimisso 09.10.2015
5. es sind niemals 20000 Euro, sondern um 915 €. Recherchieren Sie bevor Sie einen Artik
Herrn Ignazio Marino wird es vorgeworfen Steuergelder veruntreut zu haben wegen 7 Abendessen für insgesamt 915 € (Neunhundertfünfzig) und nicht 20000. Ich versuche hier nicht zu erklären welche Kampagne in den vergangenen 2 Jahren gegen Marino durchgeführt wurde, und was alles er für Rom geschafft hat, es wäre zu lang. Wenn er wirklich diese 7 Abendessen mit seiner Familie verzehrt hat und nicht wegen seines Amtes, hat er eben Geld veruntreut auch wenn nicht mal 1000 Euro. Und wen ner so dumm ist, seine Belege durcheinander zu bringen, dann.... Aber es sind nicht 20000 Euro!.
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