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Kambodscha: Die Angeklagten im Rote-Khmer-Prozess

Foto: HANDOUT/ Reuters

Prozess Frühere Ministerin der Roten Khmer aus Haft entlassen

Eine der ranghöchsten Vertreterinnen des kambodschanischen Rote-Khmer-Regimes ist für prozessunfähig erklärt worden. Die 80-jährige Ieng Thirith durfte das Gefängnis verlassen. Der Anklage gegen die Ex-Sozialministerin wird jedoch nicht fallen gelassen.

Phnom Penh - Seit einem Jahr wird vor dem Sondertribunal für Kambodschas gegen die Haupttäter des Schreckensregimes der Siebziger verhandelt. Eine der Angeklagten, die frühere Sozialministerin der Roten Khmer, Ieng Thirith, ist am Sonntag wegen zunehmender Demenz aus dem Gefängnis entlassen worden.

Die 80-Jährige sei "unter einigen vorläufigen Auflagen" aus der Haft entlassen worden, nachdem das Völkermordtribunal am Donnerstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft ihre Freilassung aus gesundheitlichen Gründen verfügt hatte, sagte Gerichtssprecher Neth Pheaktra der Nachrichtenagentur AFP. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass die Schwägerin des einstigen Schreckensherrschers Pol Pot unter einer degenerativen Nervenkrankheit leide, womöglich Alzheimer, und in "absehbarer Zukunft" nicht verhandlungsfähig sei.

Die Anklagepunkte gegen Ieng Thirith ließ das Tribunal jedoch nicht fallen. Nach Angaben des Sprechers musste sie ihre Wohnadresse hinterlegen und ihren Reisepass abgeben. Familienangehörige holten die 80-Jährige am Sonntag vom Gelände des Uno-Tribunals für Kambodscha ab.

Weitere Angeklagte in dem Verfahren sind der einstige Chefideologe Nuon Chea, 85, der frühere Staatschef Khieu Samphan, 81, und der Ex-Außenminister Ieng Sary, der Ehemann von Ieng Thirith. Sie müssen sich wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen verantworten. Sie weisen in dem Prozess, der vor mehr als einem Jahr mit der Klärung von Verfahrensfragen begann, alle Vorwürfe zurück.

Hohes Interesse der Bevölkerung

Während der Schreckensherrschaft der maoistischen Roten Khmer in den Jahren 1975 bis 1979 starben in Kambodscha rund zwei Millionen Menschen an Erschöpfung, Hunger, Krankheit, Folter und durch Hinrichtungen. Das war etwa ein Viertel der damaligen Bevölkerung. Die Roten Khmer wollten einen Bauernstaat errichten, sie entvölkerten die Städte, schafften das Geld ab und bekämpften Intellektuelle.

Nach langen Verhandlungen zwischen der Uno und der Regierung in Phnom Penh wurde im Jahr 2003 das Sondertribunal für Kambodscha ins Leben gerufen. Tausende Schergen des Regimes werden jedoch niemals belangt werden können. Der Hauptverantwortliche, "Bruder Nummer eins" Pol Pot, starb im Jahr 1998. Acht Jahre nach ihm starb in der Haft auch sein gefürchteter Militärbefehlshaber Ta Mok.

In der Bevölkerung ist das Interesse an dem Prozess hoch. Es gibt kaum eine Familie, die in den Schreckensjahren der Siebziger verschont geblieben ist. Im vergangenen Jahr wurde mit fast 45.000 Besuchern ein Rekord verzeichnet. Insgesamt kamen vom ersten Prozesstag am 16. Februar 2009 bis Ende 2011 über 110.000 Menschen aus allen Teilen des Landes, um Zeuge des historischen Verfahrens zu werden.

abl/AFP