Rote Moschee Geistlicher ruft Koranschüler zur Kapitulation auf

Dramatische Zuspitzung im Kampf um die Rote Moschee in Islamabad: Der führende Geistliche des radikalen Zentrums hat seine Anhänger zur Kapitulation aufgerufen. Doch laut Sicherheitskräften werden die Koranschüler von Bewaffneten am Verlassen des Gebäudes gehindert.


Islamabad - Augenzeugen zufolge halten radikale Kräfte Hunderte Frauen und Mädchen von einer Kapitulation ab - damit drohen sie als menschliche Schutzschilde gegen eine Erstürmung durch die Sicherheitskräfte missbraucht zu werden. Nach dem Ablauf eines weiteren Ultimatums hatten nur wenige Studenten und Studentinnen das Gelände verlassen, das seit Tagen von Hunderten Soldaten umstellt ist. Rund 850 Menschen harrten weiter aus, darunter offenbar 650 Frauen und Mädchen.

Islamabad: Beamte durchsuchen radikale Studenten, die sich ergeben haben
AFP

Islamabad: Beamte durchsuchen radikale Studenten, die sich ergeben haben

Nach Angaben der Regierung werden die Besetzer der Moschee von Bewaffneten an der Aufgabe gehindert. Bis zu 30 "Terroristen" in dem Gebäude hinderten die verbliebenen Koranschüler daran, das von Sicherheitskräften umstellte Haus zu verlassen, sagte der pakistanische Minister für religiöse Angelegenheiten, Ijaz-ul Haq, im Staatsfernsehen. Es handele sich um die Leibwächter von Abdul Aziz, dem Leiter der Moschee.

Aufrufe der Anführer der mit den afghanischen Taliban verbündeten Islamisten, den Kampf aufzugeben, verhallten ohne Echo. Rund 1000 Menschen seien noch in der Roten Moschee oder im angrenzenden Frauenseminar, sie könnten aber nicht mehr lange durchhalten, sagte Abdul Aziz, der gestern Abend versucht hatte, in einer Burka, dem islamischen Frauengewand, aus dem von Soldaten umlagerten Gebäude zu fliehen. Er wurde von einer Polizistin entdeckt und festgenommen.

Am Morgen erneut schwere Gefechte

Am Morgen hatten sich pakistanische Sicherheitskräfte erneut Kämpfe mit radikalen Koranschülern an der Roten Moschee geliefert. Die Sicherheitskräfte ließen nach eigenen Angaben zur Warnung Sprengsätze explodieren und brachen eine Tür zu dem Gotteshaus auf. Die Koranschüler hätten mit Schüssen und Granaten geantwortet. "Das war eine Warnung. Wir geben ihnen Zeit, sich friedlich zu ergeben", sagte ein hochrangiger Sicherheitsbeamter.

Die Rote Moschee in Islamabad befindet sich seit mehreren Monaten im Konflikt mit der pakistanischen Regierung. Ihre Betreiber wollen in Pakistan einen islamischen Gottesstaat nach dem Vorbild des früheren afghanischen Taliban-Regimes errichten. Radikale Islamschüler halten das Gebäude seit Dienstag besetzt. Präsident Pervez Musharraf hatte die Räumung der Moschee angeordnet und sie von Sicherheitskräften umstellen lassen. Mindestens 16 Menschen kamen bisher bei den Kämpfen ums Leben.

ler/AP/AFP/dpa/rts



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