Rothemd-Demo Thailand fürchtet neue Welle der Gewalt

Bangkok droht ein heißes Wochenende: Erstmals seit dem blutigen Ende der Massenproteste wollen die Rothemden in Thailand die Kraftprobe mit der Regierung wagen - sie haben zu Demonstrationen in der Hauptstadt aufgerufen. Polizei und Militär sind im Alarmzustand.

REUTERS

Von Freddy Surachai, Bangkok


Florian und Stefanie haben gar keinen Zweifel: "Thailand ist sicher für Touristen." Die beiden jungen Deutschen sind wie viele andere Urlauber von der englischsprachigen Tageszeitung "Bangkok Post" am Mittwoch dieser Woche über ihre Erfahrungen an Thailands Stränden, in Städten und Tempeln befragt worden. Nur der Japaner Fujimoto Takaya gab bei der Straßenbefragung offen zu, dass er verunsichert und verängstigt sei.

Alle anderen - egal, ob Russen, Amerikaner, Türken, Franzosen, Spanier, Bulgaren, Kanadier, Australier - sind sich einig: "Hier droht uns keine Gefahr". Im Gegenteil: Alle wollen ihren Familien und Freunden einen Thailand-Urlaub empfehlen. "Es ist ein so wundervolles Land, da muss man einfach hinfahren", schwärmt die Französin Nora Cornolle.

In der Tat präsentieren sich Bangkok und Thailands Traumstrände rund vier Monate nach den blutigen Unruhen im Frühjahr zum Start der Touristensaison 2010/11 sicher und friedlich.

Das "Land des Lächelns" boomt.

Im ersten Halbjahr 2010 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um stolze 10,6 Prozent. Die Landeswährung Baht ist so stark wie seit 13 Jahren nicht mehr. Ford und Mazda wollen im Autoland Thailand in diesem und im kommenden Jahr 350 Millionen Dollar in neue Fertigungsanlagen investieren. Allein im August kauften Ausländer thailändische Aktien im Wert von 505 Millionen Dollar. Und selbst die Tourismusindustrie, die noch im Frühjahr einen dramatischen Einbruch befürchtet hatte, verzeichnete nach Angaben der Tourismusbehörde von Januar bis Mai ein Plus von 16 Prozent - Tendenz steigend.

Aber die Ruhe ist trügerisch. Am 25. und 26. Juli hatte es bei Bombenanschlägen ein Todesopfer gegeben, elf Menschen wurden verletzt. Später explodierten weitere Sprengsätze - in der Hauptstadt und in der Touristenhochburg Chiang Mai. Opfer gab es dabei nicht zu beklagen.

Die Polizei schützt 464 "gefährdete Objekte"

Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva warnte inzwischen die Bevölkerung, dass nach Geheimdienstinformationen Mordanschläge auf führende Politiker und Attentate auf Bangkoks U-Bahn geplant seien. Sicherheitskräfte reagieren nervös. Anfang September gab die Polizei bekannt, sie habe für 464 besonders gefährdete Objekte in Bangkok aufgrund der angespannten Sicherheitslage verstärkte Schutzmaßnahmen angeordnet - Regierungsgebäude, Stationen der U-Bahn und der Hochbahn Skytrain, Wohnungen von Spitzenpolitikern.

130 dieser gefährdeten Objekte wurden in Hochsicherheitszonen verwandelt: Sie werden im Umkreis von 400 Metern durch Polizei und Militär abgeschirmt. Patrouillen in Uniform demonstrieren Stärke. Zusätzlich sind an den Brennpunkten Spezialeinsatzkräfte in Zivil postiert. "Für den Notfall halten wir noch zehn zusätzliche Einsatzkommandos bereit", erklärte Polizeisprecher Piya Utayo.

Der Ernstfall könnte schnell kommen: Am Wochenende planen die Rothemden die erste Kraftprobe mit der Regierung seit den blutigen Unruhen im April und ím Mai. Nachdem die in Bangkoks Innenstadt verschanzten Rothemden vor vier Monaten von Polizei und Militär mit Waffengewalt zum Aufgeben gezwungen und 19 ihrer Anführer verhaftet worden waren, wollen sie nun mit einer Massendemonstration beweisen, dass ihre Kraft ungebrochen ist.

In Bangkok und ihrer Hochburg Chiang Mai haben sie zu Protestkundgebungen als Erinnerung an den Militärputsch vor exakt vier Jahren aufgerufen, bei dem der damalige Ministerpräsident Thaksin Shinawatra sein Amt verloren hat. Heute gilt Thaksin, der nach Korruptionsvorwürfen ins Ausland geflohen ist, als Drahtzieher der Aktionen der Rothemden.

Auch die Rothemden fürchten eine Eskalation

Obwohl in Bangkok noch der Ausnahmezustand gilt, hat die Regierung die Massendemonstrationen genehmigt. Doch Polizei und Militär sind in den Alarmzustand versetzt worden. Jeweils 1800 Polizisten sollen in Chiang Mai und in Bangkok dafür sorgen, dass die Protestmärsche friedlich ablaufen. Zusätzlich sind einige Hundertschaften Militär abrufbereit. Jeden Tag konferieren die Polizeichefs der thailändischen Provinzen miteinander, um die Lage zu erörtern. Sie halten auch regelmäßigen Kontakt zu den Sprechern der Rothemden.

Beide Seiten fürchten die Eskalation und haben deshalb strenge Regeln vereinbart: Die Polizei hat den Demonstranten erlaubt, sich in Bangkoks Innenstadt zu versammeln - an dem Ort, wo es bei den Frühjahrsunruhen 91 Tote und rund 2000 Verletzte gab. Sie dürfen auch an den Gefängnissen Blumen niederlegen, in denen ihre Anführer unter Terrorismusverdacht inhaftiert sind. "Wer sich nicht an die Gesetze und Vorschriften hält, wird allerdings mit aller Härte verfolgt", droht Polizeigeneral Santan Chayanont. Wer Straßen blockiere, Passanten behindere, Hauseingänge verbarrikadiere oder zu Gewalt aufrufe, müsse mit bis zu zwei Jahren Haft rechnen.

Auch die Rothemden bemühen sich schon im Vorfeld um Deeskalation. Pichit Tamool, einer der Organisatoren der Wochenendproteste in Chiang Mai, beteuert: "Alle unsere Aktivitäten werden sich streng im Rahmen der Gesetze bewegen und friedlich ablaufen. Wir werden keinerlei Gewalttaten initiieren oder unterstützen." Denn die Furcht, dass Thailand nach dem blutigen Frühjahr ein heißer Herbst drohen könnte, sitzt auch bei den Rothemden tief. Schon eine Handvoll Provokateure könnten eine friedliche Demonstration eskalieren lassen, sorgen sie sich.

Wer sind die Männer in Schwarz?

Polizeigeneral Santan berichtet denn auch von einer angeblichen Gruppe schwarz gekleideter Männer, die im Nachbarland Kambodscha trainiert hätten und die Demonstrationen am Wochenende ausnutzen wollten, um die Teilnehmer zu Gewalttaten aufzustacheln und Anschläge zu verüben. Angeblich hätten die geheimnisvollen Männer in Schwarz zu diesem Zweck in der Nähe der Residenz des Ministerpräsidenten in Bangkoks Innenstadt eine Wohnung gemietet.

Armeegeneral Kanit Sapithak wiegelt allerdings ab: "Wir haben bisher lediglich entsprechende Berichte, aber keinen eindeutigen Beweis hierfür." Die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung am Wochenende sei in erster Linie Aufgabe der Polizei, sagt er, lässt allerdings auch keinen Zweifel: "Die Armee ist darauf vorbereitet, sie zu unterstützen, wenn sie das wünscht." Er sei aber zuversichtlich, dass die Lage nicht außer Kontrolle geraten werde, wenn sich alle an die Spielregeln hielten.

Unter Anspielung auf die gewalttätigen Zusammenstöße im Frühjahr setzt der General hinzu: "Wir Thais haben schließlich in der Vergangenheit einige schmerzhafte Lektionen lernen müssen."

insgesamt 20 Beiträge
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blob123y 16.09.2010
1. Man kann das alles einfach relativieren
erstens in Thailand wird derart viel gelogen das man die meisten Sachen die hier angeführt werden einfach vergessen sollte. Zweitens es sollte eine banale nationale Wahl geben, denn die gegenwärtige Regierung ist unrechtmäßig, da durch Militärputsch und Manipulation danach an die Macht gekommen. Drittens, nahezu alle Gewalttaten bei den letzten red shirt Protesten sind durch die untätig der Uniformierten entstanden, wenn die Ordnungskräfte schon am wenigstens 3. Tag konsequent vorgegangen währen hätte es all die Gräuel nicht gegeben. Es ein Merkmal das jeder in Thailand kennt das die Leute versuchen die Grenzen immer wieder ein kleines Stück weiter zu verrücken, in Thailand nennt man das encroaching (ist überall verbreitet) und wer bei diesen Sachen nicht sofort und konsequent dagegenhält erntet Chaos.
blaubär123 16.09.2010
2. Thailand und die Touristen (Touris)
Die interessiert eben nur Strand; Sonne; Meer und billig muß es sein. Das sich Thailand seit dem 19.09.2006 (Militärputsch) zur eine Diktatur gewandelt hat, interessiert von den Touris keinem. Schon garnich die am 10.April 2010 / 19.05.2010, ca. 100 getöteten Redshirts/Demonstranten(durch Kopfschüsse und Herzschüsse) bzw. 2000 Verletzten. Und niemand in Thailand hat dafür die politische (nicht mal der PM Abisit, DP) Verantwortung übernommen ! Auch das die Presse zensiert wird, speziell die der Opposition, Menschen ohne Anklagen und Rechtsvertretung im Gefängnis sitzen (doppelte Standards) das die Richter vom Militärs eingesetzt wurden, die Verfassung aus 1997 außer Kraft gesetzt wurde und das es keine freien und fairen Wahlen für das Volk gibt. Diese Touris würden auch in Burma (Militärdiktatur) ohne bedenken ihr Urlaub verbringen. Wie gesagt: hauptsache Sonne; Strand; Meer und billig (Sex) !
blob123y 16.09.2010
3. Was interessiert sie im Urlaub?
Zitat von blaubär123Die interessiert eben nur Strand; Sonne; Meer und billig muß es sein. Das sich Thailand seit dem 19.09.2006 (Militärputsch) zur eine Diktatur gewandelt hat, interessiert von den Touris keinem. Schon garnich die am 10.April 2010 / 19.05.2010, ca. 100 getöteten Redshirts/Demonstranten(durch Kopfschüsse und Herzschüsse) bzw. 2000 Verletzten. Und niemand in Thailand hat dafür die politische (nicht mal der PM Abisit, DP) Verantwortung übernommen ! Auch das die Presse zensiert wird, speziell die der Opposition, Menschen ohne Anklagen und Rechtsvertretung im Gefängnis sitzen (doppelte Standards) das die Richter vom Militärs eingesetzt wurden, die Verfassung aus 1997 außer Kraft gesetzt wurde und das es keine freien und fairen Wahlen für das Volk gibt. Diese Touris würden auch in Burma (Militärdiktatur) ohne bedenken ihr Urlaub verbringen. Wie gesagt: hauptsache Sonne; Strand; Meer und billig (Sex) !
übrigens in Thailand gibts keinen billigen Sex das ist schon seit wenigstens 20 Jahren anders, sie haben wohl gepennt ? Übrigens die red shirts haben den Unsinn angefangen und sonst niemand. Die haben nur die Quittung bekommen, waren sie in der Pathologie um die Schüsse zu überprüfen ? Wenn Leute die Polizei, das Militär und das Volk mit Waffen angreifen bekommen die was sie suchen ! Ansonst wie ich schon im ersten Posting schrieb, alles gelogen ! da keinerlei selbstdisziplin ! Beispiel, ich bin neulich an einer Kreuzung stehengeblieben, da ich rot hatte, wenigstens 5 Mopedfahrer brausten durch, hinter der Kreuzung, für die Mopeds nicht sichtbar stand EIN Polizist um die Typen zu stoppen, die brausten einfach weiter und einer von von denen trat den Polizsten ins Gesicht als der diesen Typ stoppen wollte und haute ab. Ich würde sagen, ausschliesslich auf Grund dessen was ich sehe, dass die Thailändischen Polizisten viel zu freundlich mit dem Scum umgehen!
fitzcarraldo66 18.09.2010
4. satire??
Zitat von blaubär123Die interessiert eben nur Strand; Sonne; Meer und billig muß es sein. Das sich Thailand seit dem 19.09.2006 (Militärputsch) zur eine Diktatur gewandelt hat, interessiert von den Touris keinem. Schon garnich die am 10.April 2010 / 19.05.2010, ca. 100 getöteten Redshirts/Demonstranten(durch Kopfschüsse und Herzschüsse) bzw. 2000 Verletzten. Und niemand in Thailand hat dafür die politische (nicht mal der PM Abisit, DP) Verantwortung übernommen ! Auch das die Presse zensiert wird, speziell die der Opposition, Menschen ohne Anklagen und Rechtsvertretung im Gefängnis sitzen (doppelte Standards) das die Richter vom Militärs eingesetzt wurden, die Verfassung aus 1997 außer Kraft gesetzt wurde und das es keine freien und fairen Wahlen für das Volk gibt. Diese Touris würden auch in Burma (Militärdiktatur) ohne bedenken ihr Urlaub verbringen. Wie gesagt: hauptsache Sonne; Strand; Meer und billig (Sex) !
jaja, vor dem 19.06.2006 war alles besser, Tak Bai Massaker, War on Drugs (nur zur Erinnerung, die Opfer des War on Drugs kamen nicht ohne Verurteilung ins Gefängnis, nein, sie wurden direkt erschossen), ach was waren das noch schöne Zeiten als der einzig wahre Demokrat Taksin das Land regierte. Es gab keine Korruption, die Presse wurde NICHT zensiert, der selbstlose Taksin hat ausschließlich an die arme Bevölkerung gedacht und NIE in die eigene Tasche gewirtschaftet. Er hat die Gesetze NIE so manipuliert das er um das zahlen von Steuern rumkam, und die Milliarden von Dollar die er in seiner Amtszeit anghäuft hat sind einfach so vom Himmel gefallen. jaja, und die Rothemden waren so friedlich, sie haben NIE Gewalt angewandt, keine Granatenanschläge verübt, nein, die Rothemden Demo war friedlicher als Woodstock..... und es gab auch NIE ein Neuwahlen Angebot der Regierung, dieses Angebot wurde auch NIE von den Rothemden abgelehnt... :-) weitere Märchen gibts bei www.schoenes-thailand.de
s.spier 19.09.2010
5. Vorsicht
Ich denke, dass es gefährlich ist, sich hier kritisch über das Regime in Thailand zu äussern, wenn man in dieses Land wieder reisen will.
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