Genozid vor 25 Jahren Ruanda erinnert an die Opfer des Völkermords

800.000 Tote innerhalb von 100 Tagen: Im Gedenken an die Opfer des Völkermords von 1994 finden in Ruanda zahlreichen Feierlichkeiten statt. Bis heute ist die Tragödie nicht aufgearbeitet.

Paul Kagame, seine Frau Jeannette Nyiramongi Kagame und Jean-Claude Juncker (v.l.) entzünden eine Flamme am «Kigali Völkermord Denkmal»
Benoit Doppagne/BELGA/dpa

Paul Kagame, seine Frau Jeannette Nyiramongi Kagame und Jean-Claude Juncker (v.l.) entzünden eine Flamme am «Kigali Völkermord Denkmal»


25 Jahre nach dem Beginn des Völkermords hat Ruanda an die Hunderttausenden Opfer erinnert. Zum Auftakt der Gedenkfeiern in der Hauptstadt Kigali entzündete Staatschef Paul Kagame eine Flamme am Völkermord-Denkmal von Gisozi. Nach dem Genozid habe es "keine Hoffnung gegeben, aber die Arme unserer Menschen haben geholfen, die Nation wieder aufzubauen", sagte Kagame.

Bei dem Massaker in der früheren deutschen und belgischen Kolonie hatten Angehörige der Volksgruppe der Hutu 1994 innerhalb von drei Monaten mindestens 800.000 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Angehörige der Minderheit der Tutsi, es wurden aber auch viele gemäßigte Hutu getötet. Viele der Täter waren Staatsbedienstete, etwa aus Armee und Polizei. (Lesen Sie hiermehr über den Völkermord.)

Um an das damals 100 Tage lang andauernde Blutvergießen zu erinnern, gilt in Ruanda bis zum 4. Juli Staatstrauer. In der kommenden Woche finden im ganzen Land Gedenk- und Diskussionsveranstaltungen statt.

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In Gisozi, wo mehr als 250.000 Opfer begraben sind, hält eine Gedenkstätte die Erinnerungen an die Gräueltaten von damals wach. Staatschef Kagame gedachte dort gemeinsam mit seiner Frau Jeannette, dem Kommissionspräsidenten der Afrikanischen Union, Moussa Faki Mahamat, sowie EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker der Opfer. Im Anschluss an eine Rede des Präsidenten war eine Trauerfeier im Nationalstadion von Kigali geplant.

Kagame hatte am 4. Juli 1994 mit seiner damaligen Rebellengruppe FPR die Regierung der Hutu-Extremisten gestürzt und damit den Völkermord beendet. Seitdem dominiert er die Politik in Ruanda. Er war Vizepräsident und Verteidigungsminister, bevor er 2000 erstmals zum Präsidenten gewählt wurde. Kagame wird das rasante Wirtschaftswachstum Ruandas zugutegehalten. Für seine Gegner ist der Präsident hingegen ein Autokrat, der seine politischen Gegner systematisch unterdrückt.

An der Gedenkfeier nahmen einige afrikanische Politiker, wie etwa die Präsidenten der Republik Kongo und des Tschad, Denis Sassou Nguesso und Idriss Déby, sowie der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed teil. Aus Belgien reiste Ministerpräsident Charles Michel an.

Deutschland entsandte Altbundespräsident Horst Köhler nach Kigali. Bundesaußenminister Maas nannte den Völkermord ein "Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes". Die Weltgemeinschaft habe die "Warnzeichen" damals nicht rechtzeitig wahrgenommen, sagte der SPD-Politiker. Das Massaker sei eine "Mahnung für zukünftige Generationen".

Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini erinnerte an die "unmenschlichen und vorsätzlichen Gräueltaten" vor 25 Jahren. Den Menschen in Ruanda sei es seitdem gelungen, ihr Leben und ihr Land wieder aufzubauen und die nationale Versöhnung voranzutreiben.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macronließ sich bei dem Gedenken in Kigali durch den Abgeordneten Hervé Berville vertreten, einen Angehörigen der Tutsi-Minderheit, der 1994 als Waisenkind aus Ruanda gerettet worden war. Der heute 29-Jährige wurde zu Beginn des Genozids mit seinem Bruder nach Frankreich gebracht, wo er in einer Adoptivfamilie aufwuchs.

Macron bekundete seine "Solidarität mit dem ruandischen Volk" und sein Mitgefühl mit den Hinterbliebenen. Er kündigte an, den 7. April in Frankreich in Erinnerung an die Opfer des Genozids zu einem Gedenktag zu machen.

Ruanda hat Frankreich immer wieder vorgeworfen, sich durch seine Unterstützung der damaligen ruandischen Regierung an dem Völkermord mitschuldig gemacht zu haben. Französische Uno-Truppen hätten zudem einigen Tätern bei der Flucht geholfen. Paris wies bisher jegliche Mitverantwortung an dem Blutbad zurück. Macron rief am Montag eine Historiker-Kommission ins Leben, um Frankreichs Rolle in dem afrikanischen Land zu jener Zeit untersuchen zu lassen.

cop/dpa/AFP



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