Genozid vor 20 Jahren Paris boykottiert Gedenkfeier zu Völkermord in Ruanda

Ruandas Präsident Kagame erhebt schwere Vorwürfe gegen Frankreich: Die Ex-Kolonialmacht habe beim Völkermord vor 20 Jahren eine Rolle gespielt. Paris sagt deshalb aus Protest die Teilnahme an der Gedenkfeier zum Genozid ab.

Justizministerin Taubira: Sollte an der Ruanda-Gedenkfeier teilnehmen
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Justizministerin Taubira: Sollte an der Ruanda-Gedenkfeier teilnehmen


Paris - Aus Protest gegen die Vorwürfe von Präsident Paul Kagame wird Frankreich nicht an den Gedenkfeiern zum Völkermord in Ruanda vor 20 Jahren teilnehmen. Man sei über die Anschuldigungen, Frankreich hätte bei den Vorbereitungen der Massenmorde 1994 eine Rolle gespielt, sehr erstaunt gewesen, teilte das Außenministerium in Paris mit. Das stünde im Widerspruch zu dem Prozess des Dialogs und der Aussöhnung, den beide Länder seit einigen Jahren verfolgen.

Eigentlich sollte Frankreichs Justizministerin Christiane Taubira zu der zentralen Gedenkfeier in Kigali am Montag reisen. Dort soll am 20. Jahrestag an den Genozid erinnert werden. Dem Völkermord in Ruanda waren mindestens 800.000 Menschen zum Opfer gefallen, die meisten gehörten der Minderheit der Tutsi an.

Am 6. April 1994 hatte ein tödlicher Anschlag auf Präsident Juvenal Habyarimana und seinem Amtskollegen Cyprien Ntaryamira aus Burundidas Land erschüttert. Beim Landeanflug auf den Flughafen der ruandischen Hauptstadt wurde deren Maschine von einer Boden-Luft-Rakete getroffen. Nach dem Attentat begann das Töten in Ruanda. Die Präsidentengarde machte Jagd auf Tutsi und prominente Vertreter der Hutu-Mehrheit, die sie bezichtigt, mit den Attentätern unter einer Decke zu stecken.

Auch 20 Jahre danach ist nicht geklärt, wer die Rakete abfeuerte. Im Jahr 2008 kam ein ruandischer Untersuchungsbericht zu dem Schluss, das französische Militär habe die für die Massaker verantwortlichen Milizen ausgebildet. Die französische Regierung weist die Vorwürfe seit jeher zurück.

vks/dpa



insgesamt 24 Beiträge
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Pseudomonas 05.04.2014
1.
Das könnte man so verstehen, als wäre Frankreich die ehemalige Kolonialmacht von Ruanda. Das waren aber erst Deutschland und danach Belgien.
alfor 05.04.2014
2. Ehrlich...
... einer GedenkFEIER zu einem VölkerMORD würde ich auch lieber fernbleiben!
anarc 05.04.2014
3. Graus
Man kann sich gar nicht genug fremdschämen. Es gab Untersuchungsausschüsse in Belgien, Frankreich und Ruanda, es gibt eine Masse von Ermittlungsakten und es gibt im Netz umfassend Dokumente welche die Verstrickung Frankreichs in den Völkermord belegen. So wurde mit Geldern der Entwicklungshilfe ein Sender finanziert, der den Rassenhaß schürte oder bereits ein Jahr vorher wurden die Macheten in China bestellt - gedeckt durch die Bürgschaft einer französischen Bank. Ich mag es gar nicht aufzählen. Während man Sarkozy zugestehen muß, zumindest in einer kläglichen Weise auf die Mitschuld Frankreichs eingegangen zu sein, deckt die Hollande-Regierung ohne wenn und aber den Parteifreund Mitterand. Es ist eine Schande.
rompipalle 05.04.2014
4. Die weiße demokratische Weste...
Ist Blut verschmiert. Na und, ist das denn so schlimm? Nun,so wie Frankreich hat jede vorzeige Demokratie Blut an den Händen... Mit einbezogen wir, die Amis etc. . Kann einen doch garnicht wundern,das solche Anschuldigungen im Raum stehen. Wahrheiten zulassen,ist halt eine frage der Groesse. Ich will nicht wissen viele Menschen durch d-Land Waffen schon krepiert sind?!
mcvitus 05.04.2014
5. Blamabel für die Grand Nation,
reagiert wie ein beleidigtes Kind. Das ist einem so tragischen Thema nicht angemessen, egal ob der Vorwurf zutrifft oder nicht.
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