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Ruby-Prozess Gericht verurteilt Berlusconi zu sieben Jahren Haft

Ein Mailänder Gericht hat Silvio Berlusconi im Ruby-Prozess in erster Instanz verurteilt: Er soll sieben Jahre in Haft - und von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen werden. Der Ex-Premier wurde für schuldig befunden, für Sex mit einer Minderjährigen bezahlt sowie sein Amt missbraucht zu haben.

Mailand - Silvio Berlusconi ist in erster Instanz zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt worden. Ein Mailänder Gericht belegte ihn am Montag ebenfalls mit einem lebenslangen Verbot, öffentliche Ämter zu bekleiden.

Mit dem Urteil gingen die Richterinnen über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die sechs Jahre Haft gefordert hatte. Nach Darstellung der Anklage hat Berlusconi insgesamt mehr als 4,5 Millionen Euro für die Dienste einer jungen Frau gezahlt, die sich "Ruby Rubacuori" nannte und mit bürgerlichem Namen Karima el-Mahroug heißt.

Berlusconis Anwälte hatten auf Freispruch plädiert. Sie gaben kurz nach dem Urteil bekannt, Berufung einzulegen. Erst nach der dritten Instanz wird das Urteil rechtskräftig.

Der mehrmalige Regierungschef Berlusconi wird beschuldigt, Sex mit der damals minderjährigen Prostituierten Ruby gehabt zu haben, unter anderem in den berüchtigten "Bunga Bunga"-Nächten in seiner Villa in Arcore bei Mailand.

Zweite Verurteilung in zwei Monaten

Außerdem habe der Politiker sein Amt missbraucht, um sie im Mai 2010 aus dem Polizeigewahrsam zu holen. Er habe den Beamten vorgegaukelt, es drohe eine diplomatische Krise mit Ägypten, wenn sie die Jugendliche nicht freiließen. Sie sei die Nichte des damaligen ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak.

Der skandalumwitterte Berlusconi hat die Vorwürfe stets bestritten und wiederholt von einer politischen Kampagne gegen ihn gesprochen. Die "Bunga Bunga"-Nächte waren nach seinen Angaben lediglich "elegante Abendessen".

Es ist die zweite Verurteilung Berlusconis innerhalb von zwei Monaten. Anfang Mai war Berlusconi wegen Steuerbetrugs in zweiter Instanz zu vier Jahren Haft verurteilt worden. In diesem Prozess wird im Herbst das definitive Urteil in dritter Instanz erwartet. Gegen den 76-Jährigen wird auch wegen Bestechung eines Senators ermittelt.

Allerdings gelang es Berlusconi in zahlreichen weiteren Verfahren immer wieder, einer rechtskräftigen Verurteilung zu entkommen. Er wurde entweder in späteren Instanzen freigesprochen oder die Urteile verjährten.

Berlusconi ist mit seiner Partei PdL ein wichtiger Partner in der großen Koalition von Ministerpräsident Enrico Letta.

fab/dpa/Reuters
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