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21. November 2013, 15:51 Uhr

Ruby-Prozess

Gericht veröffentlicht Beweise gegen Berlusconi

Amtsmissbrauch, bezahlter Sex mit einer Minderjährigen, Beweisfälschung und Zeugenbestechung - die Vorwürfe gegen Silvio Berlusconi im Ruby-Prozess sind gravierend. Jetzt hat das Gericht die Beweise veröffentlicht, aufgrund derer es ihn zu sieben Jahren Haft verurteilt hat.

Rom - Der frühere italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat nach Auffassung des Gerichts in Mailand die Marokkanerin "Ruby" für Sex bezahlt - und von ihrer Minderjährigkeit gewusst. Es sei "bewiesen, dass der Angeklagte Sex mit Ruby im Austausch für große Summen Geld und andere Vorteile wie etwa Schmuck hatte", zitierten italienische Medien am Donnerstag aus der schriftlichen Urteilsbegründung.

Zudem gebe es keinen Anlass zu zweifeln, dass Berlusconi wusste, dass er es mit einer Minderjährigen zu tun hatte. Die Chronologie der Ereignisse und der klare Inhalt der aufgenommenen Dialoge liefen darauf hinaus, dass Berlusconi von der Minderjährigkeit des Mädchens gewusst habe.

Nach Einschätzung des Gerichts hat Berlusconi außerdem Zeugen bestochen und ihm sei die "systematische Fälschung von Beweisen" zur Last gelegt worden.

In dem Verfahren um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch war der 77-Jährige im Juni in erster Instanz zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass Berlusconi bei angeblich wilden "Bunga-Bunga"-Nächten in seiner Villa Arcore in Mailand für Sex mit minderjährigen Prostituierten zahlte.

Im Mittelpunkt stand die Ruby genannte Nachtclubtänzerin Karima el-Marough - die jedoch bestritt, Sex mit Berlusconi gehabt zu haben. Berlusconi hat gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt.

ade/dpa/Reuters/AFP

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