Rückkehr der Uno-Inspektoren Entscheidung über Krieg oder Frieden

Vier Jahre nach ihrem Abzug sind die Uno-Waffeninspektoren in den Irak zurückgekehrt. Am Mittwoch wollen sie mit der Suche nach Massenvernichtungswaffen beginnen.


Bagdad – Ein Gruppe von 17 Inspektoren landete gegen am Nachmittag in Bagdad. "Wir wissen, wo wir hin wollen", sagte eine Sprecherin der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), deren Mitarbeiter sich an den Waffenkontrollen beteiligen. Der britische Premierminister Tony Blair warnte den irakischen Präsidenten Saddam Hussein nochmals eindringlich, kein "Versteckspiel" mit den Uno-Inspektoren zu veranstalten. "Wir haben keinen Zweifel, dass er (Saddam) Massenvernichtungswaffen hat", sagte Blair in London. "Warten wir ab, was er jetzt sagt." Blair bekräftigte, dass falsche Angaben über die irakischen Waffenprogramme einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Abrüstungsresolution der Vereinten Nationen darstellten.

Die Waffeninspektoren richten sich in Bagdad wieder im Canal Hotel ein, das sie 1998 verlassen hatten. Etwa 20 Tonnen an Ausrüstungs- und Versorgungsgütern sind in die irakische Hauptstadt gebracht worden, wo ein Vorauskommando der Vereinten Nationen sich seit der vergangenen Woche auf die Ankunft des Teams vorbereitet hatte. Am 8. Dezember werde eine zweite Gruppe von 30 bis 35 Experten folgen, sagte die IAEA-Sprecherin.

Die Inspektoren sollen dem Uno-Sicherheitsrat bis zum 27. Januar erstmals Bericht über ihre Arbeit erstatten. Sie hatten den Irak vor vier Jahren verlassen, weil sie nach eigenen Angaben von den irakischen Behörden an ihrer Arbeit gehindert wurden. Der Irak hatte einigen von ihnen Spionage vorgeworfen.

"Öl für Lebensmittel"

Uno-Generalsekretär Kofi Annan und Frankreichs Präsident Jacques Chirac betonten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Paris, nur eine vollständige Erfüllung der Resolution könne einen Krieg verhindern. IAEA-Chef Mohamed Al-Baradei sagte in Kairo, wenn die Inspektoren einen positiven Bericht geben könnten, dann "sind die Inspektionen eine Alternative zum Krieg und kein Vorwand für Krieg".

Der Chef der Inspektoren, Hans Blix, soll den Sicherheitsrat über Gespräche mit Vertretern der irakischen Regierung zur Wiederaufnahme der Inspektionen informieren. Außerdem steht im Sicherheitsrat die Entscheidung über eine Verlängerung des Programmes "Öl für Lebensmittel" um weitere sechs Monate an. Nach dem Überfall des Irak auf Kuweit 1990 hatte die Uno Sanktionen gegen den Irak verhängt. Das Programm erlaubt dem Irak die Ausfuhr einer begrenzten Menge Rohöl. Für die Erlöse dürfen etwa Lebensmittel und Medizin eingeführt werden.

Wegen der Angst vor einem Krieg legte der Ölpreis am Montag zunächst zu, gab dann aber aufgrund von Gewinnmitnahmen im Laufe des Tages wieder nach. Vor der Ankunft der Inspektoren in Bagdad stieg der Preis der Ölsorte Brent um 29 Cent auf 25,50 Dollar pro Barrel (159 Liter). Händler begründeten dies mit der Angst vor einem Krieg, der den Ölfluss aus der Region unterbrechen könnte.

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