Rückkehrpläne Berlusconi träumt vom Comeback

So einfach werden die Italiener Silvio Berlusconi nicht los: Wenige Wochen nach seinem Rücktritt arbeitet er bereits an seinem Comeback. Am liebsten würde der Medientycoon wieder Ministerpräsident. Plan B sieht seine Wahl zum Staatschef vor.

Berlusconi: Am liebsten wieder Ministerpräsident
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Berlusconi: Am liebsten wieder Ministerpräsident


Die Mitteilung war knapp, der Jubel groß. "Heute um 21 Uhr hat der Abgeordnete Silvio Berlusconi seinen Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten erklärt", ließ Staatspräsident Giorgio Napolitano am Abend des 12. November 2011 verkünden. Der Satz war für viele, vermutlich die meisten Italiener, wie eine Befreiung. Auf den Plätzen und in den Straßen Roms skandierten Menschen "Basta Berlusconi" und "die Mafia raus aus dem Staat". In vielen Städten wurden Fahnen geschwenkt, hupende Autos füllten die Straßen. Das Volk feierte das Ende einer Ära, die für manche verheißungsvoll begonnen hatte und zum Schluss für alle nur noch bitter war. Nun werde man "in ein neues Zeitalter eintreten", glaubte auch Dario Franceschini, Fraktionschef der oppositionellen Demokratischen Partei (PD).

Doch vielleicht waren die Jubelfeiern zu voreilig? Womöglich ist der peinlich-bizarre Berlusconi nicht end-, sondern nur zwischengelagert? "Tief verbittert", wie er der Nachrichtenagentur Ansa verriet, saß er an jenem Abend des 12. November in seiner römischen Dienstvilla und erlebte die Freude seiner Landsleute, die seinen Abgang feierten.

So soll das Ende seiner Polit-Karriere nicht aussehen. Ein Silvio Berlusconi, das stand für ihn fest, kann nicht als Verlierer abtreten - ist er doch stets und in allem "der Beste", wie er immer wieder sagte, ein von Gott "Gesalbter". Der steht als Held und nicht als Loser in den Annalen. Seither denkt der 75-jährige macht- und sexbesessene Milliardär an sein Comeback. Die Vorbereitungen für eine Rückkehr laufen bereits.

"Ich bin schon im Wahlkampf", offenbarte er jetzt. Parolen werden kreiert, Plakate entworfen. Gesucht wird auch ein neuer Name für die von ihm 1993 gegründete und monarchisch geführte Partei, die anfangs Forza Italia (etwa: "Vorwärts Italien") hieß und inzwischen unter Popolo della Libertà (PdL), auf Deutsch: "Volk der Freiheit", firmiert. "Ab Januar" soll es dann richtig losgehen, so Berlusconi. "Ohne Pause" werde er eine lange Kampagne führen. Zwischenziel sind die Kommunalwahlen im Frühjahr 2012, das Finale bilden die nächsten Parlamentswahlen im Jahr 2013 - falls die Expertenregierung des Ex-EU-Kommissars Mario Monti nicht schon vorher aus dem Amt gejagt wird. Denn Monti hat keine Abgeordneten im Parlament, er ist auf die Zustimmung der dort vertretenen Parteien angewiesen. Und unter denen hat Berlusconis Freiheitsvolk noch immer die meisten Stimmen.

Zuschlagen im richtigen Moment

Fürs Erste dürfte Monti noch auf festem Boden stehen. Keiner der gewählten und auf eine Wiederwahl hoffenden Berufspolitiker will ihm die Drecksarbeit abnehmen, die ansteht, wenn Italien nicht in die Pleite rutschen soll: Renten kürzen, Steuern erhöhen, Sozialleistungen kappen, Schwarzarbeiter jagen, die Preise für Kindergärten und -krippen heraufsetzen und allerorten überkommene Privilegien für viele Berufsgruppen abschaffen. Das heißt also Gewerkschafter und Taxifahrer, Apotheker und Rechtsanwälte verärgern, Mütter und Großmütter abkassieren.

Populär macht das nicht. Schon jetzt wird überall dagegen gestreikt und protestiert. Aber noch steht die Mehrheit hinter Monti, weil die Alternative noch viel schlimmer wäre. Erst, so Berlusconis Kalkül, wenn das Gröbste erledigt, der Bankrott noch einmal abgewendet ist und das Land genug hat von den bitteren Monti-Pillen, erst dann wird er zuschlagen und Rache nehmen. Bis dahin kann er warten und sich als Staatsmann neu profilieren.

insgesamt 18 Beiträge
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rokokokokotte 21.12.2011
1. Du...
Zitat von sysopSo einfach werden die Italiener Silvio Berlusconi nicht los: Wenige Wochen nach seinem Rücktritt arbeitet er bereits an seinem Comeback. Am liebsten würde der Medientycoon wieder Ministerpräsident. Plan B sieht seine Wahl zum Staatschef vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804907,00.html
...kannst den Namen BERLUSCONI in diesem Artikel durchaus mit dem Namen GUTTENBERG ersetzen... Zwei Brüder im Geiste, so scheints und offenbar lebt die Profilneurose überall.
masc672 21.12.2011
2. DIe Italiener
Zitat von sysopSo einfach werden die Italiener Silvio Berlusconi nicht los: Wenige Wochen nach seinem Rücktritt arbeitet er bereits an seinem Comeback. Am liebsten würde der Medientycoon wieder Ministerpräsident. Plan B sieht seine Wahl zum Staatschef vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804907,00.html
müssen diesen Mann ja nicht wählen. Ankündigen kann man vieles.
hhismanic 21.12.2011
3. Persona non grata
Zitat von masc672müssen diesen Mann ja nicht wählen. Ankündigen kann man vieles.
Das ist richtig, doch Berlusconi war schon einmal weg vom Fenster, für alle Zeiten diskreditiert, dachte man. Trotzdem wurde der Mann noch einmal an die Schalthebel der Macht gewählt, die er offenkundig nicht zu bedienen versteht, zumindest nicht so, wie er es sollte und das Amt es von ihm verlangt. Dieser Mann ist kriminell wie viele andere seiner Zunft, ein Lügner und Betrüger, eine Persona non grata. Für den hoffentlich nicht eintretenden Fall seiner Rückkehr sollten alle Staaten den Kontakt mit diesem Rechtsverdreher verweigern.
divina_commedia 21.12.2011
4. Comeback?
Wenn er in der Hündchenstellung beim Coitus interruptus auf den Rücken einer seiner Escort-Damen ejakuliert vielleicht ... Aber es gibt ja viele blinde Wähler und das russische Demokratiemodell ist auch nicht zu verachten.
Claudia_D 21.12.2011
5. .
Zitat von rokokokokotte...kannst den Namen BERLUSCONI in diesem Artikel durchaus mit dem Namen GUTTENBERG ersetzen... Zwei Brüder im Geiste, so scheints und offenbar lebt die Profilneurose überall.
Nee, sorry. Guttenberg ist gegen Berlusconi ein Waisenknabe. Wirklich jetzt, man mag gegen Guttenberg haben was man will, aber dieser Vergleich hinkt wirklich extrem.
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