Rüstung Pentagon sieht China als künftigen Hauptgegner

Das US-Verteidigungsministerium ist besorgt über die Aufrüstung Chinas. Die Volksrepublik entwickele sich zum militärischen Hauptkontrahenten und könne zu einer Bedrohung für andere Staaten in der Region werden.


Washington - China stocke sein Arsenal an Langstreckenraketen und -flugzeugen zielstrebig auf und weite damit seine militärische Reichweite immer mehr aus, heißt es in einem Bericht des Pentagons zur militärischen Stärke der Volksrepublik. Zwar gelte das Hauptaugenmerk immer noch der nach Unabhängigkeit strebenden Insel Taiwan, aber die "Interessen" Chinas gingen deutlich darüber hinaus.

"Manche Aspekte der militärischen Entwicklung haben US-Experten überrascht, darunter das Tempo und das Ausmaß der Modernisierung seiner strategischen Kräfte", heißt es in dem Bericht.

Das Pentagon, das dem Kongress jedes Jahr einen Bericht zu Chinas militärischer Stärke vorlegen muss, kritisiert zugleich, dass Peking bisher unzureichend erklärt habe, was es mit seinem militärischen Aufbau bezwecke.

China habe weltweit das größte Potenzial, eines Tages militärisch mit den USA gleichzuziehen. Der Bericht schätzt die jährlichen Rüstungsausgaben des Landes auf zwischen 70 und 105 Milliarden Dollar (zwischen 55 und 82 Milliarden Euro), drei Mal so hoch wie die offiziell von Peking genannten 35 Milliarden Dollar.

Die Expansion drohe das militärische Gleichgewicht in der Region zu verändern. Das Land hält demnach zudem bis zu 790 Kurzstreckenraketen auf Taiwan gerichtet, jedes Jahr würden rund 100 zusätzliche Raketen installiert. Peking investiere gegenwärtig vor allem in Mittelstreckenraketen, Kommunikationsmittel und Steuersysteme für Angriffe auf Schiffe auf hoher See oder auf die Küsteninfrastruktur.

Das Arsenal an Langstreckenraketen werde schrittweise durch moderne Systeme ersetzt. 95 Prozent der von 2000 bis 2005 im Ausland gekauften Waffensysteme bezog China dem Bericht zufolge aus Russland. Dem Bericht zufolge dürfte es noch bis Ende des Jahrzehnts dauern, bis die chinesische Armee einem Feind von "mittlerer Größe" begegnen könne.

als/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.