Rüstungsbericht 2015 Staaten geben wieder mehr Geld für Waffen aus

1,676 Billionen Dollar haben Staaten 2015 weltweit für militärische Zwecke ausgegeben. Das größte Budget haben die USA, Saudi-Arabien lässt mittlerweile sogar Russland hinter sich.

US-Kampfjet A-10 Thunderbolt II
AFP

US-Kampfjet A-10 Thunderbolt II


Die Kriege in Osteuropa, im Nahen Osten und die Bedrohung durch Terrororganisationen lassen die weltweiten Rüstungsausgaben steigen.

Nach einem jahrelangen Rückgang verzeichnete das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri 2015 wieder einen Anstieg der Investitionen um ein Prozent, heißt es im Jahresgutachten. Insgesamt gaben alle Staaten im vergangenen Jahr 1,676 Billionen Dollar (etwa 1,471 Billionen Euro) für militärische Zwecke aus.

Die Stockholmer Wissenschaftler registrierten große regionale Unterschiede. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine ließ nicht nur die Militärausgaben dieser beiden Länder ansteigen. Kräftige Zuwächse registrierte Sipri auch in Anrainerstaaten wie Polen und den drei baltischen Ländern, die eine stärkere militärische Bedrohung durch Russland fürchten.

In Nordamerika und Westeuropa gingen die Ausgaben im Jahr 2015 weiter zurück, auch wenn die USA immer noch das mit Abstand größte Militärbudget aller Länder haben. Die Obama-Regierung gab vergangenes Jahr laut Sipri rund 596 Milliarden Dollar (523 Milliarden Euro) für das Militär aus. Das waren 2,4 Prozent weniger als im Vorjahr - aber immer noch gut ein Drittel aller weltweiten Militärausgaben im Jahr 2015.

Saudi-Arabien gab im vergangenen Jahr mehr als doppelt so viel für die militärische Rüstung aus wie Deutschland und ließ damit sogar Russland klar hinter sich. Das sunnitische Königreich lag mit 87,2 Milliarden Dollar weltweit auf Platz drei vor Russland mit 66,4 und Großbritannien mit 55,5 Milliarden Dollar. Auf Platz zwei liegt China mit umgerechnet 189 Milliarden Euro, das entspricht einem Plus von 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Eine dämpfende Wirkung auf die Militärbudgets hatten die fallenden Ölpreise. Das weltweit größte Minus hatten 2015 die Ölländer Venezuela (minus 64 Prozent) und Angola (minus 42 Prozent) zu verzeichnen. Russland, das ebenfalls durch die sinkenden Öleinnahmen belastet ist, verzeichnete zwar ein Plus von 7,5 Prozent bei den Militärausgaben. Dies war allerdings weniger, als Moskau geplant hatte.

Gegensätzliche Trends

Für die Zukunft erwarten die Stockholmer Experten bei den Militärausgaben in Westeuropa eine Trendwende. Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben bereits eine Erhöhung ihrer Etats angekündigt. Sie reagieren damit auch auf die gestiegenen Anforderungen an ihre Truppen im Ausland, etwa durch islamistische Gewalt.

"Die Militärausgaben im Jahr 2015 zeigen gegensätzliche Trends", sagte der Chef des Sipri-Militärausgabenprojekts, Sam Perlo-Freeman. Auf der einen Seite spiegelten sie die eskalierenden Konflikte und Spannungen in vielen Teilen der Welt wider. Auf der anderen Seite sei klar zu erkennen, dass wegen des gesunkenen Ölpreises weniger "Ölgeld" in die Rüstung fließe. Diese wirtschaftlich und politisch schwankende Lage mache es schwierig, eine Prognose für die Zukunft zu erstellen.

vks/dpa/AFP

insgesamt 121 Beiträge
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2Fast4U 05.04.2016
1. Falsche Richtung...
UNO Beschluss: Jedes Jahr reduziert jedes Land der Welt sein Militär um 5% vom Ausgangswert. In 20 Jahren sind wir Armee frei. Bis dahin bleibt das jetzige Kräfteverhältnis. Dafür mehr Polizei, mehr Bildung, mehr Forschung, mehr Zukunft.... ich weiss... ein Traum. Dazu müssten ja einige einsehen das sie nicht besser sind als andere...
ANDIEFUZZICH 05.04.2016
2. Frieden schaffen---
...mit mehr Waffen... Ist doch logisch... Andererseits... Aber was soll's, seit nummetag die selbe Geschichte. Wobei...natürlich... Waffen und Kugeln aus der BRD tragen natürlich die Inschrift: "Don't use in civil wars" Ausserdem sind unsere Waffen so schlecht, dass mann nicht mal einen Krieg damit gewinnen könnte. Gewehre schiessen um die Ecke und die Flugzeuge sind schlechter als Playmobil. Aber der neue Krieg wird ja virtuell geführt, wie an den modernen Litfasssäuen stringend erläutertert wird. Da muss man auch mal der Bundeswehr recht geben... Terror kennt keine Grenzen...
Newspeak 05.04.2016
3. ...
Ob Saudi-Arabien schon ahnt, wie es um seine Rolle als "Bündnispartner" der USA bestellt sein dürfte, wenn das Öl alle ist? Offenbar können selbst die übelsten Menschenschinder ihre Sünden wie z.B. die weltweite Terrorfinanzierung nicht dauerhaft verdrängen und sind sich ihrer sehr bewusst. Wenn das Öl alle ist, dann war es das wohl mit der Herrschaft der Saudis.
dce 05.04.2016
4. Relationen und Art
Um das mal zu relativieren, da man die USA und Deutschland nicht anhand absoluter Summen vergleichen kann, eher die USA und die EU vergleichen sollte, empfehle ich einen Blick in die Militärausgaben pro Kopf in der Bevölkerung, wie im gelinkten Wikipedia Artikel. Auch die Art der Ausgaben sollte man sich einmal vergegenwärtigen. Das Verteidigungsministerium in den USA investiert jede Menge in Geundlagenforschung, sogar in Linguistik, wie z.B. in Forschung von Systemkritikern wie Noam Chomsky. https://en.m.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_military_expenditure_per_capita
jj2005 05.04.2016
5. Saudis vorne!
Saudi-Arabiens "König" gibt also noch mehr Geld aus als Putin - da werden wohl mancherorts die Sektkorken knallen, nicht wahr, Siegmar? Bei den Opfern dieser Waffen in Syrien (und irgendwo zwischen Syrien und der deutschen Grenze) und dem Jemen (zuweit zum Flüchten) kommt die Meldung vielleicht weniger gut weg. Und jedesmal, wenn ich meine Kinder warne, um spritfressende Monstertrucks genannt "SUVs" einen grossen Bogen zu machen, fällt mir auch ein, woher das viele Geld kommt, dass diese Herrschaften für das Feinste vom Feinsten der Tötungskunst ausgeben.
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