"Black Site" in Rumänien Ehemaliger Spionagechef gibt Existenz von CIA-Lager zu

In Rumänien gab es mindestens ein CIA-Gefängnis - das steht im US-Folterbericht. Politiker des Landes haben das stets bestritten. Nun spricht der ehemalige rumänische Spionagechef über ein "Transitlager" des US-Geheimdienstes.

Fast ein Jahrzehnt lang haben es Rumäniens Politiker abgestritten - doch nun kommt erstmals das Eingeständnis: In Rumänien gab es CIA-Zentren, in denen Gefangene festgehalten und möglicherweise auch gefoltert wurden.

Der ehemalige rumänische Spionagechef Ioan Talpes sagte SPIEGEL ONLINE, es habe in Rumänien ein oder zwei Orte gegeben, an denen die CIA "vermutlich Menschen festhielt, denen antihumane Behandlung widerfuhr". Dies sei im Zeitraum 2003 bis 2006 der Fall gewesen. Talpes hatte zuvor in der Bukarester Tageszeitung "Adevarul" die Existenz von "Transitlagern der CIA", wie er sie nennt, in Rumänien bestätigt.

Talpes ist mittlerweile 70 Jahre alt, er leitete von 1992 bis 1997 den rumänischen Auslandsgeheimdienst SIE und war von 2000 bis 2004 unter Staatschef Ion Iliescu der Leiter der Präsidialverwaltung und zugleich der Chef der Präsidialabteilung für nationale Sicherheit.

Talpes sagte SPIEGEL ONLINE, er habe ab 2003 mit Beamten der CIA und des US-Militärs fortlaufend Gespräche über eine intensivere Kooperation geführt. Im Rahmen dieser Gespräche sei vereinbart worden, dass die CIA an bestimmten Orten eigene Aktivitäten durchführen könne.

"Es war Sache der Amerikaner, was sie an diesen Orten machten"

Er wisse nicht, wo dies gewesen sei, und Rumänien habe sich ausdrücklich nicht dafür interessiert, was die CIA dort tue. Das Land habe seine Kooperationsbereitschaft unter Beweis stellen wollen, so Talpes, weil es die Nato-Mitgliedschaft angestrebt habe. "Es war Sache der Amerikaner, was sie an diesen Orten machten", sagte er. Vor allem durch die Fürsprache der USA wurde Rumänien 2004 in die Nato aufgenommen.

Dick Marty, Sonderermittler des Europarates zu den Geheimgefängnissen der CIA, hatte Rumänien 2005/2006 beschuldigt, das Land beherberge auf seinem Territorium illegale CIA-Gefängnisse für Terror-Verdächtige. Gleichlautende Vorwürfe hatte zuvor Amnesty International erhoben. Unter anderem soll 9/11-Chefplaner Khalid Sheikh Mohammed in Rumänien festgehalten worden sein.

Rumänische Politiker, darunter auch die Staatspräsidenten Ion Iliescu (im Amt von 200 bis 2004) und Traian Basescu (2004 bis 2014), hatten dies stets abgestritten. Eine Untersuchungskommission des rumänischen Parlamentes berichtete 2006: Im Land habe es keine CIA-Gefängnisse gegeben, es seien keine CIA-Gefangenen festgehalten oder auf Transitflügen über Rumänien in andere Länder gebracht worden.

Das US-Militär hat seit 2001 nahe dem Ort Kogalniceanu im Südosten Rumäniens eine Luftwaffenbasis. Neben dieser sollen auch die Flughäfen Craiova in Südrumänien und Temeswar in Westrumänien für Gefangenentransporte der CIA benutzt worden sein. Bereits 2002 unterzeichnete Rumänien ein Abkommen mit den USA, demzufolge das Land keine US-Soldaten an den Den Haager Gerichtshof ausliefert.

Auch nach der Veröffentlichung des CIA-Folterberichtes, in dem ein rumänisches CIA-Gefängnis als "black site" genannt wird, hatten rumänische Politiker dessen Existenz bestritten. Regierungschef Victor Ponta hatte sich geweigert, zum CIA-Bericht Stellung zu nehmen.

Ex-Staatschef Iliescu hatte am Mittwoch gesagt, er habe keinerlei Kenntnis von einem CIA-Gefängnis gehabt. Ioan Talpes sagte SPIEGEL ONLINE jedoch, er habe den Staatspräsidenten Iliescu in den Jahren 2003 und 2004 darüber unterrichtet, dass die CIA auf rumänischem Territorium "bestimmte Aktivitäten" durchführe. Damals habe er selbst, so Talpes, nicht daran gedacht, dass die CIA möglicherweise Gefangene foltern könne. Deshalb habe man den Informationen über Aktivitäten des US-Geheimdienstes in Rumänien "keine größere Bedeutung" beigemessen.

Auf die Frage, warum er sein Wissen nicht weitergegeben habe, als der Europarat-Sonderermittler Dick Marty seinen Bericht vorgelegt hatte, sagte Talpes, er habe solange nicht sprechen können, wie sich die zuständigen US-Behörden nicht selbst geäußert hätten. Insofern trage er die Schuld daran, dass rumänische Politiker die Existenz von Transitlagern geleugnet hätten.

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