Versagen der Polizei Rumäniens Innenminister tritt nach Protesten zurück

Die Verschleppung und mutmaßliche Tötung von zwei Frauen sorgte in Rumänien für heftige Vorwürfe gegen Behörden und Regierung. Jetzt hat Innenminister Moga seinen Rücktritt eingereicht - nach nur sechs Tagen im Amt.

Trauer in Rumänien: Demonstranten haben in Bukarest Kerzen für das Opfer angezündet
Daniel MIHAILESCU/ AFP

Trauer in Rumänien: Demonstranten haben in Bukarest Kerzen für das Opfer angezündet


Rumäniens Innenminister Nicolae Moga hat auf die massiven Vorwürfe gegen die Polizei im Zusammenhang mit den Ermittlungen zur mutmaßlichen Tötung zweier junger Frauen reagiert: Nach nur sechs Tagen im Amt trat er zurück.

Tausende Demonstranten in Bukarest und in anderen Orten in Rumänien hatten die Polizei am Wochenende der Inkompetenz beschuldigt: Eine 15-Jährige und eine 18-Jährige wurden offenbar von einem Mann in der südrumänischen Stadt Caracal vergewaltigt und getötet. Die 15-Jährige galt tagelang als verschwunden. Sie hatte mehrmals mit einem Mobiltelefon per Notruf die Polizei darüber verständigt, dass sie in einem Haus in Caracal gefangen gehalten werde. Dennoch wurde sie von der Polizei nicht gerettet.

Der Tatverdächtige war am Freitag festgenommen worden und hatte am Sonntag nach Angaben seines Rechtsanwalts erklärt, die beiden Frauen getötet zu haben, weil sie sich geweigert hätten, mit ihm Sex zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Tatverdächtigen vorerst nur wegen Kinderhandels und Vergewaltigung. In den Medien wird spekuliert, dass die jungen Frauen möglicherweise nicht getötet, sondern an Zuhälter weitergegeben worden seien.

Folgen auch für die Präsidentschaftswahl im November?

Noch vor diesen Notrufen hatte eine Nachbarin des Verdächtigen nach eigenen Angaben aus dem Haus Schreie gehört und dies der Polizei gemeldet, die darauf nicht reagiert habe. Von dem 18 Jahre alten Opfer hatte seit April jede Spur gefehlt.

Auch Staatspräsident Klaus Johannis und Ministerpräsidentin Viorica Dancila warfen der Ermittlungsbehörde Versagen vor. Das Verbrechen könnte sogar Folgen für die Präsidentschaftswahl haben, die im November stattfindet: Johannis hat gute Chancen, erneut gewählt zu werden. Jedoch hat er bislang kaum eines seiner früheren Versprechen - von einer Verbesserung der politischen Kultur bis zur Verringerung der Korruption - eingehalten.

Johannis' Hauptkontrahentin ist Dancila. Sie galt lange Zeit als Marionette des ehemaligen starken Mannes in Rumänien, Liviu Dragnea, der Ende Mai eine dreieinhalbjährige Haftstrafe antreten musste. Dancila muss sich nun als starke und fähige Politikerin profilieren.

als/dpa



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